Symbolbild
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Eine Milliarde Mal pro Jahr greifen Autofahrer in Deutschland während der Fahrt zum Smartphone – diese gewaltige Hochrechnung steht am Ende einer aktuellen Verkehrsbeobachtung des ADAC. Sie macht deutlich, dass der Griff zum Handy am Steuer längst kein Einzelfall mehr ist, sondern zum gefährlichen Massenphänomen geworden ist. Offiziell registriert werden jährlich etwa 400.000 Verstöße. Die wahre Zahl, so legen die neuen Daten nahe, dürfte um ein Vielfaches darüber liegen.

Für die Untersuchung schickte der Mobilitätsclub Beobachter in fünf deutsche Großstädte: nach Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München. An stark frequentierten innerstädtischen Straßen prüften sie, wie viele Verkehrsteilnehmer im fließenden Verkehr ihr Smartphone in der Hand hielten. Das Ergebnis: Bei 9573 erfassten Autofahrern wurden 262 Verstöße dokumentiert, was einem Anteil von 2,7 Prozent entspricht. Unter 9239 Radfahrern fielen 125 durch verbotene Handynutzung auf – eine Quote von 1,4 Prozent.

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Besonders aufschlussreich ist, wofür das Gerät genutzt wird. Unabhängig vom Verkehrsmittel hielten die meisten Beobachteten ihr Handy nicht etwa ans Ohr, sondern in der Hand – um zu tippen, zu scrollen oder etwas zu suchen. Genau diese Bewegung lenkt den Blick von der Straße ab. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden auf das Display schaut, legt 28 Meter im Blindflug zurück. Eine Strecke, die in dichtem Stadtverkehr über Unfall oder Beinahe-Unfall entscheiden kann.

Dass die Gefahr im Bewusstsein der Bevölkerung längst angekommen ist, zeigt eine ergänzende repräsentative Umfrage. Mehr als jeder zweite Autofahrer räumt ein, das Smartphone schon einmal während der Fahrt benutzt zu haben. 41 Prozent berichten zudem davon, durch ablenkungsbedingtes Verhalten anderer bereits in brenzlige Situationen geraten zu sein. Wissen und Handeln klaffen also auffällig auseinander.

Gleichzeitig wächst der Rückhalt für härtere Gegenmaßnahmen. Rund 70 Prozent der Befragten befürworten den Einsatz sogenannter Handy-Blitzer, die Verstöße automatisiert erfassen und auswerten können. Ein Instrument, das in anderen europäischen Ländern bereits erprobt wird, in Deutschland aber bislang keine flächendeckende Rechtsgrundlage hat.

Der ADAC leitet aus den Befunden zwei zentrale Forderungen ab. Kurzfristig müssten die Kontrollen deutlich ausgeweitet werden, damit Verstöße nicht weiter folgenlos bleiben. Mittelfristig sei der Gesetzgeber gefragt, die rechtlichen Voraussetzungen für den breiten Einsatz der automatisierten Erfassungstechnik zu schaffen. Nur so lasse sich das Risiko durch Ablenkung am Steuer spürbar senken – und die Sicherheit für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen erhöhen.

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