Der FC 08 Homburg hat einen neuen Aufsichtsrat: Vier neue Mitglieder ziehen ins Gremium ein, fünf bisherige bleiben. Mit Dieter Knicker verabschiedet sich der langjährige Vorsitzende nach fast 25 Jahren an der Spitze. Für die größte Überraschung der Mitgliederversammlung am Mittwochabend sorgte allerdings Christian Weber, der während der Kandidatenvorstellung seine Bewerbung zurückzog. Die neue Zusammensetzung bietet nun die Chance, langjährige Erfahrung mit zusätzlichen Ideen und Perspektiven zu verbinden.
Eigentlich standen 14 Kandidaten für die neun Sitze im Aufsichtsrat zur Wahl. Bereits vor der Mitgliederversammlung im Homburger Schlossberg Hotel hatte der frühere Homburger Fußballprofi Markus Mendler seine Bewerbung zurückgezogen. Damit blieben zunächst 13 Kandidaten. Während der Vorstellungsrunde folgte die nächste, durchaus überraschende Entscheidung: Christian Weber, langjähriges Mitglied des Gremiums und Vertreter der eng mit dem FCH verbundenen Karlsberg-Familie, verzichtete ebenfalls auf eine erneute Kandidatur.
Weber begründete seinen Schritt mit dem Bewerberfeld. Er habe sich die Liste in den vergangenen Tagen genauer angesehen und festgestellt, dass sich zahlreiche motivierte Kandidaten um einen Platz im Gremium bemühten. Diese könnten die Weiterentwicklung des Vereins voranbringen.
„Ich glaube, in dieser Rolle Aufsichtsrat sind heute andere Kandidaten da, die das wollen und das intensiv betreiben wollen“, erklärte Weber. Er bat die Mitglieder ausdrücklich, nicht für ihn zu stimmen, sondern den übrigen Bewerbern ihre Stimme zu geben. Zugleich versicherte er, dass die Unterstützung des FCH durch die Familie Weber und die Karlsberg Brauerei unverändert bestehen bleibe.
Auf Nachfrage der Versammlungsleitung bestätigte Weber seinen Rückzug offiziell. Mitglieder, die ihren Stimmzettel bereits ausgefüllt und Weber angekreuzt hatten, konnten diesen gegen einen neuen tauschen. Damit standen letztlich zwölf Bewerber für die neun Plätze zur Wahl.
Vier neue Mitglieder, fünf bisherige Aufsichtsräte bleiben
Die geheime Wahl brachte anschließend eine Mischung aus personeller Kontinuität und Erneuerung. Mit Thomas Breit, Uwe Freiler, Axel Müller und Prof. Dr. Jochen Pilhofer wurden vier Bewerber neu in den Aufsichtsrat gewählt. Hinzu kommen die bisherigen Mitglieder David Lindemann, Gunther Kawolus, Jörg Panter, Jörg Kühn und Daniel Wlochowitz.
Nicht mehr vertreten sind neben dem bisherigen Vorsitzenden Dieter Knicker und Christian Weber auch Berthold Müller und Gerd Schweitzer, die sich zwar erneut beworben hatten, bei der Wahl aber nicht genügend Stimmen erhielten. Auch Bewerber Altay Tsitak verpasste den Einzug in das Gremium.
Von den 153 anwesenden Mitgliedern waren 146 stimmberechtigt. Alle 146 Stimmzettel wurden abgegeben, einer davon war ungültig. Mit 132 Stimmen erhielt David Lindemann das beste Ergebnis, gefolgt von Uwe Freiler mit 113 und Gunther Kawolus mit 108 Stimmen.
Das Ergebnis der Aufsichtsratswahl im Überblick:
- David Lindemann – 132 Stimmen (Wiederwahl)
- Uwe Freiler – 113 Stimmen (neu)
- Gunther Kawolus – 108 Stimmen (Wiederwahl)
- Jörg Panter – 100 Stimmen (Wiederwahl)
- Jörg Kühn – 97 Stimmen (Wiederwahl)
- Daniel Wlochowitz – 92 Stimmen (Wiederwahl)
- Thomas Breit – 68 Stimmen (neu)
- Axel Müller – 63 Stimmen (neu)
- Prof. Dr. Jochen Pilhofer – 56 Stimmen (neu)
Dass Lindemann das beste Ergebnis erzielte, ist bemerkenswert, denn er war nicht im Saal. Der Chef der Staatskanzlei stellte sich per Videobotschaft vor, weil er zeitgleich bei der Verleihung der Professorenwürde an Giuseppe Nardi in der Staatskanzlei war. Darin verwies Lindemann unter anderem auf seinen Einsatz für die Abschaffung der sogenannten Ostermann-Klausel. Nach seiner Darstellung sei es gelungen, diese im Einvernehmen mit Hartmut Ostermann aufzuheben und damit eine frühere Einschränkung für die Entwicklung des Vereins zu beseitigen. Auch Gunther Kawolus und Gerd Schweitzer konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Versammlung teilnehmen. Ihre vorbereiteten Vorstellungen wurden stellvertretend verlesen.
Uwe Freiler bringt sportliche Erfahrung in den Aufsichtsrat
Besonders interessant ist aus sportlicher Sicht die Wahl von Uwe Freiler. Der frühere Bundesliga-Spieler des FCH, der bereits mit 17 Jahren nach Homburg kam und als 20-Jähriger den Aufstieg in die Bundesliga erlebte, erhielt mit 113 Stimmen das zweitbeste Ergebnis des Abends. Freiler kennt den professionellen Fußball aus eigener Erfahrung und verfügt zudem über die Trainer-A-Lizenz. Damit bringt er eine unmittelbare sportliche Fachkompetenz in den Aufsichtsrat ein, die im bisherigen Gremium in dieser Form eher unterrepräsentiert war.
Bei seiner Vorstellung machte der 60-Jährige keinen Hehl aus seinen sportlichen Ambitionen für den Verein. Der FCH müsse „unbedingt aus dieser Liga raus“, erklärte Freiler und erinnerte an die großen Zeiten des Homburger Fußballs. Gleichzeitig betonte er, seine Erfahrungen aus der aktiven Laufbahn und dem Trainerbereich künftig in die Aufsichtsratsarbeit einbringen zu wollen.
Darin könnte eine wichtige Bereicherung für das Gremium liegen. Dabei geht es nicht darum, dass der Aufsichtsrat über Aufstellungen oder einzelne Transfers entscheidet. Freiler könnte aber insbesondere den Blick auf die sportlichen Anforderungen und die langfristige Entwicklung der ersten Mannschaft schärfen.
Die Frage nach der Identität des FCH
Dass es in den kommenden Jahren um mehr gehen muss als die Ergebnisse der ersten Mannschaft, wurde auch in anderen Kandidatenvorstellungen deutlich. Mehrere Bewerber sprachen Themen an, die den FC 08 Homburg bereits seit längerer Zeit beschäftigen: seine Identität, die Bindung an Mitglieder und Zuschauer sowie eine erkennbare langfristige Ausrichtung.
Thomas Breit, der erstmals in den Aufsichtsrat gewählt wurde, forderte mehr Transparenz, nachvollziehbare Entscheidungen und eine offenere Kommunikation. Vor allem aber sprach er sich für eine langfristige Perspektive aus, getragen von einer klaren Strategie, „die uns derzeit fehlt“. Damit benannte er ausdrücklich einen Punkt, der auch im Umfeld des Vereins immer wieder diskutiert wird.
Der wiedergewählte Jörg Panter ging noch einen Schritt weiter und stellte die grundsätzliche Frage: „Wofür stehen wir als FC Homburg? Warum soll jemand ins Waldstadion kommen?“ Für ihn gehören Vereinsidentität, Zuschauerentwicklung und Infrastruktur unmittelbar zusammen. Er sprach sich dafür aus, mehr Menschen für den Verein zu begeistern und die Bindung zu den bestehenden Mitgliedern zu stärken.
In eine ähnliche Richtung argumentierte Axel Müller. Der neu gewählte Aufsichtsrat verwies darauf, dass rund 740 Mitglieder für einen Traditionsverein wie den FCH keine besonders große Basis seien. Aus seiner Sicht müsse es gelingen, mehr Anhänger auch als Mitglieder an den Verein zu binden. Ein funktionierender Verein lebe davon, dass Führung und Mitglieder gemeinsam an seiner Entwicklung arbeiten.
Auch Prof. Dr. Jochen Pilhofer betonte die Bedeutung einer langfristigen Perspektive. Entscheidungen dürften nicht nur bis zum nächsten Spieltag reichen, sondern müssten auch die kommenden Generationen im Blick behalten. Mit seiner Erfahrung als Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Professor für Betriebswirtschaftslehre bringt er zudem zusätzliche Kompetenz in wirtschaftlichen Fragen mit.
Diese Vorstellungen liefern durchaus interessante Ansätze. Entscheidend wird allerdings sein, ob daraus innerhalb des neuen Aufsichtsrates eine gemeinsame Linie entsteht. Einzelne Ideen und persönliche Zielsetzungen ersetzen noch keine langfristige Vereinsstrategie. Mit vier neuen Mitgliedern bietet sich nun aber die Möglichkeit, zusätzliche Sichtweisen in die bisherige Arbeit einzubringen, ohne bewährte Strukturen grundsätzlich infrage stellen zu müssen.
Abschied von Dieter Knicker nach fast 25 Jahren als Vorsitzender
Eine besondere Würdigung erhielt der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Knicker, der nicht erneut kandidierte. Der Rechtsanwalt gehört dem FC 08 Homburg bereits seit 1972 an und war schon lange vor der Übernahme offizieller Ämter für den Verein tätig. Unter anderem unterstützte er den FCH bei sportrechtlichen Angelegenheiten und Verfahren vor Sportgerichten.
In den 1990er-Jahren übernahm Knicker als zweiter Vorsitzender Verantwortung im Vorstand. 1999 wechselte er in den Aufsichtsrat, zunächst als stellvertretender Vorsitzender. Drei Jahre später übernahm er dessen Führung. Nach nahezu einem Vierteljahrhundert an der Spitze des Gremiums endet damit eine außergewöhnlich lange Amtszeit. Für seine Verdienste wurde Knicker im Rahmen der Mitgliederversammlung zum Ehrenmitglied des FC 08 Homburg ernannt.
Seinen letzten Geschäftsbericht als Aufsichtsratsvorsitzender hielt Knicker gewohnt knapp. Das Gremium sei seinen Aufgaben vollumfänglich nachgekommen, habe sich regelmäßig vom Vorstand berichten lassen und dessen Tätigkeit bei Bedarf hinterfragt. Besondere Vorkommnisse seien nicht zu verzeichnen gewesen. Die Mitglieder entlasteten den bisherigen Aufsichtsrat anschließend mit großer Mehrheit. Wer künftig den Vorsitz des neu gewählten Aufsichtsrates übernimmt, entscheiden die neun Mitglieder selbst.
Wirtschaftlich steht der FCH weiterhin solide da
Neben der Aufsichtsratswahl standen auch die Geschäftsberichte des Vorstandes auf der Tagesordnung. Finanzvorstand Hans-Joachim Burgardt berichtete dabei erneut über eine solide wirtschaftliche Situation des Vereins. Der FC 08 Homburg habe das Geschäftsjahr zum sechsten Mal in Folge im Rahmen seiner Planung abgeschlossen. Das Eigenkapital sei positiv, Kreditverbindlichkeiten bestünden nicht. Der Jahresabschluss wurde geprüft und anschließend vom bisherigen Aufsichtsrat festgestellt.
Dass der Verein wirtschaftlich auf vergleichsweise sicheren Beinen steht, ist keineswegs selbstverständlich. Gleichzeitig machte die Versammlung deutlich, dass zwischen wirtschaftlicher Stabilität und den finanziellen Voraussetzungen für dauerhaft größere sportliche Ambitionen weiterhin eine erhebliche Lücke besteht.
Sportlich zeigte sich die Vereinsführung mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht zufrieden. Vorstandsmitglied Michael Koch verwies insbesondere auf die zahlreichen Unentschieden, die den FCH bislang daran gehindert hätten, weiter nach vorne zu kommen. Zugleich stellte er klar, dass der Etat der ersten Mannschaft nicht grundsätzlich gekürzt worden sei. Das Trainerteam habe bei der Zusammenstellung des Kaders die gewünschten Spieler erhalten. Allerdings verfügten mehrere Konkurrenten in der Regionalliga Südwest über deutlich größere finanzielle Möglichkeiten.
Angesprochen wurde auch die weiterhin offene Position eines zusätzlichen Sportdirektors. Nach Angaben der Vereinsführung habe es Gespräche mit möglichen Kandidaten gegeben. Eine Verpflichtung sei bislang allerdings an den finanziellen Rahmenbedingungen gescheitert. Hier setzt der Vorstand auch Hoffnungen in den neuen Aufsichtsrat, dessen Mitglieder zusätzliche Kontakte und möglicherweise weitere Sponsoren für den Verein gewinnen könnten.
Hauptsponsor und 3. Liga bleiben wichtige Zukunftsthemen
Eine wesentliche Rolle spielt dabei die weitere Zusammenarbeit mit Hauptsponsor Dr. Theiss Naturwaren. Die Vereinsführung hofft auf eine erneute Zusage über zwei Jahre, um auch künftig auf einer verlässlichen finanziellen Grundlage planen zu können.
Dass der Weg in die 3. Liga nicht allein eine sportliche Frage ist, wurde bei der anschließenden Diskussion deutlich. Neben den wirtschaftlichen Anforderungen kommen infrastrukturelle Herausforderungen hinzu. Insbesondere die fehlende Rasenheizung könnte im Falle eines Aufstiegs erhebliche zusätzliche Kosten verursachen. Nach Berechnungen der Vereinsverantwortlichen wäre durch finanzielle Nachteile und möglicherweise notwendige Ausweichspiele mit einer Belastung von rund 800.000 Euro zu rechnen.
Auch die Zuschauerentwicklung spielt bei diesen Überlegungen eine Rolle. Während der Verein für ein mögliches Drittligaszenario mit durchschnittlich 2.850 Zuschauern kalkuliert hatte, liegt der aktuelle Schnitt bei rund 1.610 Besuchern. Ob für die kommende Saison erneut ein Lizenzantrag für die 3. Liga gestellt wird, soll daher mit dem neu gewählten Aufsichtsrat besprochen werden. Der Wunsch nach sportlichem Erfolg bleibt damit bestehen, zugleich zeigt sich, welche wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen dafür noch geschaffen werden müssen.
Waldstadion: Umfangreiche Bauarbeiten ab 2027
Ein weiteres wichtiges Thema war die Sanierung des Homburger Waldstadions. Bürgermeister Manfred Rippel informierte die Mitglieder über den aktuellen Stand des rund 15 Millionen Euro umfassenden Ausbauprojekts. Nachdem sich die Vergabe der Projektsteuerung verzögert hatte, wurden die Planungen im Oktober wieder aufgenommen. Als nächster Schritt sollen insgesamt 24 Gewerke ausgeschrieben werden. Die dafür notwendigen Entscheidungen des Stadtrates stehen unmittelbar bevor.
Die bereits begonnenen Arbeiten am Marathontor sollen nach Möglichkeit noch vor Weihnachten abgeschlossen werden. Mit den umfangreicheren Baumaßnahmen wird nach derzeitiger Planung in der zweiten Jahreshälfte 2027 begonnen. Die Bauzeit ist auf etwa zwei Jahre angelegt, sodass die Fertigstellung für Herbst 2029 angestrebt wird.
Vorgesehen sind unter anderem die Modernisierung der Umkleidebereiche, neue sanitäre Anlagen und eine Überdachung der Gegengerade. Probleme gibt es weiterhin bei der geplanten Umrüstung der Flutlichtanlage auf LED-Technik. Die größere Windangriffsfläche der neuen Leuchten stellt zusätzliche Anforderungen an die Statik der bestehenden Masten. Ob diese erhalten bleiben können oder umfangreichere Maßnahmen notwendig werden, ist noch offen.
Neue Mischung bietet Chancen für die Vereinsentwicklung
Am Ende der Mitgliederversammlung stand vor allem die personelle Neuaufstellung des Aufsichtsrates im Mittelpunkt. Mit fünf bisherigen und vier neuen Mitgliedern verändert sich das Gremium spürbar, ohne dass dabei die Erfahrung der vergangenen Jahre vollständig verloren geht.
Die neuen Mitglieder bringen unterschiedliche berufliche und persönliche Hintergründe mit. Neben wirtschaftlicher und organisatorischer Kompetenz erhält der Aufsichtsrat mit Uwe Freiler auch eine zusätzliche sportliche Perspektive. Gleichzeitig haben mehrere Kandidaten Themen angesprochen, die für die langfristige Entwicklung des FCH von Bedeutung sein könnten: Vereinsidentität, Mitgliederbindung, wirtschaftliche Stabilität und eine klarere strategische Ausrichtung.
Die neue Zusammensetzung eröffnet nun in den kommenden vier Jahren die Möglichkeit, vorhandene Erfahrung mit zusätzlichen Ideen zu verbinden und behutsam Veränderungen anzustoßen. Der Wunsch nach sportlichem Erfolg ist beim FC 08 Homburg weiterhin vorhanden, ebenso die Bereitschaft, wirtschaftlich und strukturell an besseren Voraussetzungen zu arbeiten. Entscheidend wird nun sein, ob aus den unterschiedlichen Vorstellungen eine gemeinsame Linie entsteht, die über die nächste Saison hinaus Bestand hat.
Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung ist bereits für Mittwoch, den 3. November 2027, angekündigt.























