Rund jedes vierte Elternpaar raucht, drei von vier Müttern und Vätern greifen zum Alkohol: Eine aktuelle Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeichnet ein ernüchterndes Bild vom Familienalltag. Für viele Kinder gehören Zigarettenrauch und das Feierabendbier schlicht zur Normalität – mit Folgen, die weit über die Gesundheit der Eltern hinausreichen.
Für die repräsentative Erhebung wurden 2026 insgesamt 1.005 gesetzlich und privat versicherte Eltern befragt. Das Ergebnis: 27 Prozent konsumieren Zigaretten, Zigarillos oder Pfeife, 17 Prozent davon sogar täglich. Beim Alkohol fällt die Quote noch deutlicher aus. 76,5 Prozent trinken Bier, Wein, Sekt oder Hochprozentiges, jeder Zehnte davon regelmäßig bis täglich. Gerade der tägliche Griff zur Flasche kann nach Einschätzung der Kasse auf eine beginnende Abhängigkeit hindeuten.
Was Erwachsene vorleben, prägt den Nachwuchs tiefer, als vielen bewusst ist. „Wenn Eltern Alkohol und Tabak konsumieren, kann dies nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die körperliche und seelische Entwicklung ihres Nachwuchses stark beeinträchtigen, vor allem, wenn im Beisein der Kinder geraucht und getrunken wird“, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm. Schon im Vorschulalter ahmen Kinder rauchende Eltern im Spiel nach – und entwickeln dabei die Vorstellung, dass Rauchen harmlos und ein ganz normaler Teil des Erwachsenseins sei.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Kinder von Rauchern werden später deutlich häufiger selbst zu Rauchern, besonders wenn beide Elternteile zur Zigarette greifen. Selbst wer nur außerhalb der Reichweite seiner Kinder raucht, senkt das Risiko zwar, hebt es aber nicht auf. Ähnlich verhält es sich mit Alkohol, der als Kulturgut gilt, überall verfügbar und gesellschaftlich akzeptiert ist. Erleben Kinder, dass Stress mit einem Glas Wein heruntergespült wird, fehlt ihnen oft der Blick für gesündere Bewältigungsstrategien.
Besonders gravierend wird es, wenn eine echte Suchterkrankung im Spiel ist. „Kinder aus betroffenen Familien fühlen sich häufig alleingelassen und überfordert, nicht selten suchen sie die Schuld für die Sucht der Eltern bei sich“, erläutert Klemm. Manche Kinder vermeiden es, Freunde mit nach Hause zu bringen, weil sie den Zustand von Mutter oder Vater nicht einschätzen können. Andere übernehmen früh Verantwortung, kümmern sich um Geschwister, erledigen den Haushalt oder versuchen sogar, Geld zu verdienen – oft auf Kosten von Schule und Freundschaften.
Umso wichtiger sei es, diesen Kindern eines deutlich zu machen: Sie tragen keine Schuld. „Es sind die Eltern, die dringend Hilfe und Unterstützung benötigen – und nur Erwachsene können sie ihnen geben“, betont die Psychologin. Lehrkräfte, Betreuungspersonal, Verwandte und Freunde der Familie sollten deshalb genau hinschauen und gegebenenfalls Hilfe vermitteln.
Die Fachfrau rät Eltern, ihre eigene Vorbildrolle ehrlich zu hinterfragen. Entscheidend seien nachvollziehbare Regeln und ein offenes Gespräch – gerade in der Pubertät, wenn Jugendliche beginnen, Grenzen auszutesten. Widersprüchliche Signale nach dem Motto „Wir dürfen das, weil wir älter sind“ sollten vermieden werden. „Welche Regeln sie genau aufstellen, sollten Eltern individuell entscheiden. Wichtig ist nur, dass sie sie nachvollziehbar begründen können“, so Klemm.
Unterstützung bietet die KKH über mehrere Programme, darunter die „NichtraucherHelden“ zur Rauchentwöhnung, Angebote zur Alkoholprävention sowie Klassenworkshops für Schülerinnen und Schüler, die auch die Eltern einbeziehen.




















