Harte Sitzbänke, aufgeweichte Wege und die ständige Angst vor einem Achsenbruch: Wer im 18. Jahrhundert eine Kutsche bestieg, verband damit alles andere als Erholung. Das heutige Bild vom gemächlichen Rollen durch idyllische Landschaften hat mit der damaligen Wirklichkeit wenig zu tun. Genau dieser Diskrepanz widmet sich der nächste Abend der Vortragsreihe „K&K. Kunstgeschichte trifft Kammerzofe“ am Donnerstag, 29. Oktober, im Römermuseum Schwarzenacker.
Unter dem Titel „Hin und weg“ nehmen die Veranstalter das Publikum mit auf eine Zeitreise in das Barock. Hitze, Kälte, schlechte Luft, Krankheiten und nicht zuletzt raffiniert geplante Überfälle gehörten zum Alltag der Reisenden. Was heute nach Romantik klingt, war für die Menschen jener Epoche ein mühsames und bisweilen gefährliches Unterfangen.
Die Veranstaltung entsteht in Kooperation mit dem Kulturmanagement des Saarpfalz-Kreises. Zwei Perspektiven treffen dabei aufeinander: Kammerzofe Henrietta, dargestellt von Monika Link, berichtet aus „erster Hand“ von den Gepflogenheiten am Hof. Die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schwan ordnet die Geschichten in ihren historischen Zusammenhang ein. Gemeinsam beleuchten sie, welche Rolle das Reisen am Pfalz-Zweibrücker Hof spielte.
Denn für die herzogliche Familie war das Unterwegssein fester Bestandteil des Lebens. Aufenthalte in Jagd- und Sommerschlössern wollten ebenso geplant sein wie die weiten Fahrten nach Paris, wo der Herzog ein eigenes Stadtpalais unterhielt. Auch die Kunst profitierte von dieser Reiselust: Hofmaler Johann Christian Mannlich wurde auf die sogenannte „Grand Tour“ nach Italien entsandt, um berühmte Werke zu studieren, zu kopieren und frische Anregungen mit nach Hause zu bringen.
Nicht jeder Aufbruch geschah allerdings aus freien Stücken. In den Wirren der Französischen Revolution konnte der richtige Zeitpunkt über Leben und Tod entscheiden. Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken entkam einer drohenden Gefahr nur, weil er rechtzeitig gewarnt wurde und mit seiner Gemahlin per Kutsche nach Mannheim floh.
Dass die Strapazen des Reisens auch prominente Zeitgenossen plagten, zeigt ein weiteres Beispiel: Wolfgang Amadeus Mozart beklagte sich auf seinen ausgedehnten Fahrten durch Europa wiederholt über die unbequemen Sitze der Postkutschen. Zwischen höfischer Planung, künstlerischer Bildungsreise und dramatischer Flucht entsteht so das vielschichtige Bild einer Zeit, in der das Unterwegssein weit mehr bedeutete als nur den Weg von einem Ort zum anderen.
Der Vortrag beginnt am Donnerstag, 29. Oktober, um 19 Uhr im Römermuseum Schwarzenacker. Die Veranstaltung ist Teil der gemeinsamen Reihe des Museums und des Kulturmanagements des Saarpfalz-Kreises. Der Eintritt ist frei.




















