Fast 200 Jahre nach ihren ersten Abdrucken druckt sie wieder: Im Homburger Siebenpfeifferhaus ist in der vergangenen Woche eine historische Stanhope-Presse nach aufwendiger Aufarbeitung erneut in Betrieb genommen worden. Für viele Gäste war es ein bewegender Moment, denn die Maschine erzählt ein zentrales Kapitel der Stadtgeschichte und der deutschen Demokratiebewegung. Eingebettet war die Präsentation in das Programm der „HomBuch. Das Lesefest 2026“.
Die Presse trägt nicht ohne Grund auch den Namen Wirth-Presse. Auf ihr druckte Johann Georg August Wirth zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Homburg seine Flugblätter. Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer zählten zu den wichtigsten Vorkämpfern der Freiheitsbewegung im Vormärz und gehörten zu den Hauptinitiatoren des Hambacher Festes von 1832. Dass der bayerische König die Druckpresse einst als „Waffe der Demokraten schlechthin“ bezeichnete, unterstreicht die politische Sprengkraft, die von diesen Blättern ausging. Martin Baus, Geschäftsführer der Siebenpfeifferstiftung, zeichnete diese bewegte und bis heute nicht vollständig erforschte Geschichte für die Gäste nach.
Vor ihrer Rückkehr nach Homburg war die Presse ein Jahr lang in Regensburg zu sehen, als Exponat der Bayerischen Landesausstellung „Ludwig I. – Bayerns größter König?“ im Haus der Bayerischen Geschichte. Anschließend nahm sich Klaus Meissner des rund 880 Kilogramm schweren Stücks an und machte es in der Tadano-Lehrwerkstatt in Zweibrücken wieder betriebsbereit. Der pensionierte Maschinenbauingenieur schilderte seine Arbeit lebhaft. „Die Presse weist sehr viele Spuren auf, die zeigen, dass sie viel genutzt, aber auch schlecht behandelt wurde“, sagte er.

Besonders knifflig war, dass die Maschine irgendwann falsch zusammengesetzt worden war. Selbst die Nachbildung beim Freiheitsbrunnen Am Rondell gibt diesen fehlerhaften Zustand wieder und entspricht damit nicht der ursprünglichen Konstruktion. Meissner stellte nun den Originalzustand wieder her, gefertigt wurde das Gerät einst vom Zweibrücker Maschinenbauer Christian Dingler. Oberbürgermeister Michael Forster zeigte sich froh, einen Fachmann gefunden zu haben, der neben dem nötigen Wissen auch eine persönliche Verbindung zur Zweibrücker Industriegeschichte mitbringt. Da die Presse im Eigentum der Stadt Homburg steht, war Forster bereits zur Ausstellungseröffnung nach Regensburg gereist.
Zur Begrüßung der zahlreichen Gäste, unter ihnen Landrat Frank John und Hauptsponsor Giuseppe Nardi von der Naturwaren Dr. Theiss GmbH, betonte Dekan Dr. Thomas Holtmann als Hausherr, dass das Siebenpfeifferhaus mehr sei als eine kirchliche Einrichtung. Es sei ein Ort der Bildung und Kultur, und sein Name stehe zugleich als Verpflichtung für Demokratie und Zusammenhalt. Enthüllt wurden an diesem Abend auch zwei Plaketten mit QR-Codes, über die sich Beiträge aus der ARD-Mediathek und -Audiothek kostenlos vor Ort abrufen lassen. Die Aktion von Saarländischem Rundfunk, Museumsverband und Städte- und Gemeindetag umfasst mittlerweile rund 50 solcher Punkte im Saarland.

Kaum war die Presse präsentiert, füllte sich der Saal für den zweiten Programmpunkt des Abends. Ahmad Mansour, Diplompsychologe mit arabisch-israelischen Wurzeln und deutscher Staatsangehörigkeit, las aus seinem neuen Buch „Haltung ohne Hass – Eine Aufforderung“. Mansour engagiert sich seit Jahren gegen Extremismus und Antisemitismus und wurde dafür unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Gespräch mit Moderator Peter König und dem Publikum stellte er sich den Fragen des Abends.























