Eine geplante Termingarantie für Facharztpraxen sorgt für scharfe Kritik aus der Ärzteschaft. Grund ist ein Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion, das am 13. Oktober 2026 veröffentlicht wurde und eine verbindliche Frist von drei Wochen für Facharzttermine vorsieht. Niedergelassene Mediziner sehen darin keinen Fortschritt für die Versorgung, sondern den Auftakt zu einer schleichenden Umwälzung des gesamten Gesundheitssystems.
Konkret heißt es in dem Papier, dass gesetzlich Versicherten ein ambulanter Termin in einem zugelassenen Krankenhaus mit passender Fachabteilung angeboten werden müsse, falls die Vermittlung bei einem niedergelassenen Vertragsarzt innerhalb der Dreiwochenfrist scheitert. Geprüft werden soll zudem, ob die Abrechnung dieser Klinikbehandlung zulasten der vertragsärztlichen Gesamtvergütung direkt mit der Krankenkasse abgewickelt wird.
Die Kritiker verweisen auf die finanzielle Ausgangslage. Durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz würden der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung im Jahr 2027 rund 2,7 Milliarden Euro entzogen. Besonders Facharztpraxen gerieten dadurch teils in existenzielle Not. Gleichzeitig verschwänden die Mittel des Terminservicegesetzes vollständig, die laut einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung rund 1,8 Millionen zusätzliche kurzfristige Termine für dringende Behandlungsfälle ermöglicht hätten.
Genau an diesem Widerspruch entzündet sich der Unmut. Den Fachärzten werde eine Garantie abverlangt, ohne dass die nötige Vergütung dafür bereitstehe. Wer die Vorgabe nicht erfülle, dem drohe der Entzug von Honorar. Die Verfasser der Mitteilung bezeichnen diesen Ansatz als realitätsfern, zumal die Kliniken gar nicht über die Strukturen verfügten, um derart hohe Patientenzahlen ambulant zu bewältigen.
Aus Sicht der niedergelassenen Fachärzte lässt die Konstruktion nur einen Schluss zu: Man plane den systematischen Rückzug der Fachärzte aus der Fläche über den Hebel finanzieller Repression. Die seit Jahrzehnten erhobene Forderung nach einer Abschaffung der sogenannten doppelten Facharztschiene rücke damit erstmals in greifbare Nähe.
Die Mediziner fordern eine ehrliche Kommunikation. Die Pläne dürften nicht als Verbesserung der Versorgung verkauft werden, denn das werde sich nicht einlösen lassen. Fairer sei es, die Bevölkerung auf eine künftig womöglich eingeschränkt leistungsfähige Staatsmedizin vorzubereiten, wie sie in anderen EU-Ländern bereits Realität geworden ist.




















