Foto: Lukas
Anzeige

Nicht nur Hände wurden geschüttelt, sondern auch Spaten in die Erde gestochen: Eine zehnköpfige Delegation aus Homburg reiste über den Feiertag zur Wiedervereinigung in die thüringische Partnerstadt Ilmenau und machte dort aus einem symbolischen Besuch ein konkretes Projekt. Gemeinsam mit Ilmenauer Bürgerinnen und Bürgern setzten die Saarländer junge Bäume in den geschundenen Boden des Thüringer Waldes.

„Ideen sind wie Samen oder kleine Pflänzchen. Man muss sie pflanzen, pflegen, geduldig sein und manchmal auch sehr hartnäckig nachhelfen. So können wunderbare Bäume mit festen Wurzeln und breit ausladenden Zweigen werden“, beschreibt Simone Lukas, bei der Stadt Homburg verantwortlich für die Partnerschaften mit Ilmenau und La Baule, den Grundgedanken der Reise. Entstanden war die Pflanzaktion aus einer Beobachtung des Vorjahres: graue Baumstümpfe, abgestorbenes Geäst, große Lücken in den Wäldern auf den Kämmen, hinterlassen von Unwettern, Dürre und dem Borkenkäfer.

Anzeige

Der Entschluss, Aufforstungshilfe zu leisten, war schnell gefasst. Am Montag kamen bei strahlendem Sonnenschein 200 Lärchenstecklinge in die Erde, gespendet über das Forstamt Homburg, dazu weitere 20 Stecklinge und Nüsse, welche die Gäste eigens mitgebracht hatten. Der Ilmenauer Stadtrat nutzte die Gelegenheit, seinen traditionellen Baum, eine Zitterpappel, bei Unterpörlitz hinzuzufügen. Dass die frisch gepflanzten Setzlinge auch begossen wurden, versteht sich – und ganz nebenbei kam man dabei leicht ins Gespräch.

Foto: Lukas

Oberbürgermeister Schultheiss verwies auf die Bedeutung der grünen Wälder, die für Thüringen weit mehr sind als Kulisse. Sie prägen die Identität der Region, bieten Lebensraum für Mensch und Tier und laden Familien ein, mit ihren Kindern darunter zu spielen und zu wandern. Gerade die Jugend, so der Gedanke, könne hier nachhaltig für ihre eigene Zukunft mitwirken.

Begonnen hatte die Reise vom 3. bis 6. Oktober 2026 an einem geschichtsträchtigen Ort: auf der Wartburg bei Eisenach, wo Bach- und Lutherhaus sowie die Altstadt den kulturellen Rahmen setzten. Begrüßt wurde die Gruppe herzlich von Bürgermeisterin Beate Misch und der Veranstaltungsverantwortlichen Katarina Griesbach, gemeinsam mit Ilmenauer Kulturschaffenden und Mitgliedern des Seniorenbeirates. In der Traditionsgaststätte „Zur Post“ ließ man den Tag bei Thüringer Spezialitäten ausklingen.

Foto: Lukas

Der Sonntag folgte den Spuren Goethes. Der Goetheverein Stützerbach empfing die Gäste mit einer Spezialführung durch Martin Strauch, in der Kulturscheune entführte eine Ausstellung zur traditionellen Spielzeugherstellung mit Filztieren und bunten Spielbausteinen der Designerinnen Heide Bürmann und Doris Lachnitt in kindliche Traumwelten. Besonders eindrücklich blieb das Gespräch mit Dr. Karl-Heinz Schmidt in der Laborglasausstellung des ehemaligen Ilmenauer Vereins für Glastradition, die mit über 1500 Exponaten die internationale Bedeutung des Industrieglases bis hin zum Glasfaserkabel vor Augen führte – samt der schicksalhaften Geschichte der Werke und ihrer Menschen.

Anzeige

Eine kleine Wanderung mit Blick vom Kickelhahn, der Besuch des Goethehäuschens und sogar die Einfahrt in einen ehemaligen Stollen für die Feldspatgewinnung rundeten das Programm ab. Der letzte Abend führte die bunt gemischte Runde noch einmal zusammen, man tauschte Einladungen aus und ging mit neuen Bekanntschaften auseinander. Dass man wiederkommen müsse, darin waren sich das Ehepaar Kapitän und weitere Teilnehmer einig. Erfurt mit Dom, Zitadelle und bezaubernder Altstadt bot auf der Rückfahrt ein letztes Glanzlicht. Für Lukas steht fest: Städtepartnerschaften zwischen Ost und West bleiben wertvoll – aus gegenseitigem Verständnis, Respekt und Neugier können auch Bäumchen eines Tages Früchte tragen.

Foto: Lukas
💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein