Lehrstuhl Prof. Dr. Andreas Keller Foto: Oliver Dietze
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Länger leben ist das eine – gesund alt werden das andere. Zwischen beidem liegt oft ein ganzes Jahrzehnt: So groß ist im Durchschnitt die Lücke zwischen der statistischen Lebenserwartung und den Jahren, die wir tatsächlich bei guter Gesundheit verbringen. Genau dieser Zwischenraum steht im Mittelpunkt eines öffentlichen Vortrags, zu dem der MINT-Campus Alte Schmelz am Dienstag, 20. Oktober 2026, ab 19:30 Uhr einlädt.

Referent ist Prof. Dr. Andreas Keller, der an der Universität des Saarlandes den Lehrstuhl für Klinische Bioinformatik innehat und zugleich die entsprechende Abteilung am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) leitet. Sein Thema: Warum das eigentliche Ziel der Altersforschung nicht die bloße Verlängerung des Lebens ist, sondern die Vermehrung der gesunden Jahre.

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Dass Altern dabei kein gleichmäßiger Prozess ist, gehört zu den zentralen Erkenntnissen seiner Arbeit. Organe altern unterschiedlich schnell, und der Blick in den Personalausweis sagt oft weniger über den Zustand eines Menschen aus als die molekularen Spuren in seinem Körper. Solche Spuren lassen sich in Blut und Gewebe messen – etwa in Form kleiner RNA-Moleküle, die die Proteinbildung steuern und sich mit den Jahren charakteristisch verändern.

Eine überraschend große Rolle spielen dabei Infektionen und das lebenslange Zusammenleben mit Mikroorganismen. Krankheitserreger hinterlassen im Immunsystem ebenso Spuren wie die vielen nützlichen Bakterien in und auf uns – und diese Spuren wirken über Jahrzehnte nach. Chronische Entzündung gilt heute als einer der wichtigsten Treiber des Alterns, und Infektionen zählen zu ihren bedeutendsten Auslösern.

Um solche Zusammenhänge überhaupt sichtbar zu machen, braucht es Datenmengen, die kein Mensch mehr überblickt. Aus einer einzigen Blutprobe entstehen heute Messwerte zu Millionen von Molekülen; aus Studien mit Tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden Datenberge im Terabyte-Bereich. Hier setzt Künstliche Intelligenz an: Verfahren des maschinellen Lernens erkennen Muster, die klassischen Auswertungen verborgen bleiben. Sie schätzen das biologische Alter einzelner Organe, können Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson Jahre vor den ersten Symptomen andeuten und helfen, in Bakterien neue Wirkstoffe aufzuspüren.

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An konkreten Beispielen aus der Saarbrücker Forschung will Keller zeigen, was die Wissenschaft heute über das Altern weiß, wo die Grenzen des Machbaren liegen und welche Chancen sich daraus für ein langes, gesundes Leben ergeben. Der Referent gehört seit Jahren zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlern, forschte unter anderem als Gastprofessor an der Stanford University und verbindet in seiner Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz mit großen molekularen Datensätzen.

Die Veranstaltung findet im Wissenschaftsforum des SFTZ-Gebäudes in der Alten Schmelz statt (Saarbrücker Str. 38e, 66386 St. Ingbert) und ist kostenfrei. Wer vor Ort dabei sein möchte, meldet sich per E-Mail bei Koordinator Prof. Dr. Horst Altgeld (horst.altgeld@mintcampus.de) an. Parallel wird der Vortrag online übertragen, erreichbar unter t1p.de/Wissenschaftsforum.

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