Als 2015 Tausende Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland kamen, war auch Zweibrücken gefordert. Unterkünfte mussten in kürzester Zeit entstehen, erste Hilfen organisiert werden. Was damals als Notlösung begann, ist heute ein dichtes Netz aus Beratungs- und Unterstützungsangeboten – und feiert nun sein zehnjähriges Bestehen.
Die Aufgaben haben sich seither grundlegend gewandelt. Ging es anfangs vor allem um Orientierung im fremden Land, begleiten die Dienste die Menschen heute über Jahre hinweg: bei Fragen zum Asylverfahren, beim Spracherwerb, in Schule und Ausbildung, bei der Wohnungssuche und beim Weg in die Arbeitswelt. Eine tragende Rolle übernahm dabei das Deutsche Rote Kreuz, das 2015 auf dem Flughafen Zweibrücken eine Notunterkunft einrichtete und später im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ein Beratungsbüro in der Schwalbenstraße betrieb.
Wie schnell Hilfe organisiert werden kann, zeigte sich 2022 erneut. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, errichtete das DRK gemeinsam mit der GeWoBau binnen zwei Tagen eine Notunterkunft in der Canada-Siedlung. Insgesamt 140 Menschen fanden dort Versorgung, bevor sie in eigene Wohnungen vermittelt wurden. Heute liegt ein Schwerpunkt des DRK auf der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter, die feste Ansprechpartner erhalten und Schritt für Schritt in Schulen und Ausbildungsplätze begleitet werden.

Auf langfristige Begleitung setzt auch die Caritas. Ihr Fachbereich Migration und Integration berät zu Bildung, Beruf, Sprache und Behördenfragen – und erreicht mit mobilen Angeboten in Waldfischbach-Burgalben und Dahn selbst Menschen im ländlichen Raum. „Was unsere Arbeit besonders macht, ist die Nähe zu den Menschen“, sagt Björn Heinrich, Leiter des Caritas-Zentrums Pirmasens. Wie aus Unterstützung Eigeninitiative werden kann, verkörpert Rahim Sarchashmayee: Der 44-Jährige kam aus Afghanistan nach Deutschland, nahm zunächst selbst Beratung in Anspruch und arbeitet heute als Migrationsberater.
Der Migrationsfachdienst der Diakonie im Haus der Diakonie in der Wallstraße wiederum konzentriert sich auf Menschen im Asylverfahren. Sozialarbeiter Stefan Karn erläutert Rechte und Pflichten, ordnet Behördenentscheidungen ein und ebnet bei einer Bleibeperspektive den Zugang zu Sprache, Bildung und Arbeit. Dass daraus ganze Lebenswege entstehen, belegt die Geschichte eines jungen Afghanen, der als unbegleiteter Minderjähriger kam und weder lesen noch schreiben konnte. Heute hat er eine Ausbildung zum Busfahrer absolviert – und sein Einbürgerungsverfahren läuft.
Speziell an junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren richtet sich der Jugendmigrationsdienst Pirmasens in Trägerschaft der IB Südwest gGmbH. Neben sozialpädagogischer Beratung und einem längerfristigen Case Management stehen Sprach- und Kommunikationstrainings im Mittelpunkt. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration, aber genauso wichtig sind Vertrauen, Perspektiven und soziale Zugehörigkeit“, betont das Team.
Anspruchsvoll bleibt die Arbeit dennoch. Fehlender Wohnraum, der schwierige Zugang zu Ausbildung und Arbeit, der Fachkräftemangel und die psychischen Belastungen nach Krieg und Flucht fordern die Beratungsstellen täglich. Was über zehn Jahre gleich geblieben ist, ist der Grundgedanke dahinter: Menschen nicht ihren Weg abzunehmen, sondern ihnen die Orientierung und die Chancen zu geben, ihn selbst zu gehen.




















