13 Punkte aus sieben Spielen, Tabellenplatz fünf und nur drei Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Kickers Offenbach: Der FC 08 Homburg liegt vor dem Heimspiel gegen Hessen Kassel am morgigen Samstag tabellarisch durchaus im Soll. Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass sogar noch etwas mehr möglich gewesen wäre. Denn ein Trend zieht sich durch die ersten Wochen der Saison: Der FCH investiert viel, erspielt sich enorm viele Möglichkeiten – macht daraus aber noch zu wenig Tore.
Im Vergleich zu den vergangenen Jahren hat sich bei den Grün-Weißen dennoch etwas verändert. Rückstände gegen Mainz und Kaiserslautern wurden gedreht, nach dem enttäuschenden Auftritt in Freiberg folgte die starke Reaktion in Sandhausen. Auch in Mannheim stemmte sich die Mannschaft bis zum Ende gegen den Punktverlust, zuletzt brachte sie die englische Woche mit sieben Punkten aus drei Spielen ordentlich über die Bühne. Trainer Roland Seitz sieht darin ebenfalls eine Entwicklung: Dass seine Mannschaft nach Rückschlägen zweimal nacheinander gewonnen habe, „zeigt den Charakter und die Mentalität der Mannschaft. Natürlich auch eine gewisse Qualität.“
Fußballerisch ist dabei längst noch nicht alles rund. Aber der FCH arbeitet, läuft, geht in die Zweikämpfe und bringt mit Ausnahme des Freiberg-Spiels konstant eine hohe Bereitschaft auf den Platz. Die bisherige Punkteausbeute gibt dieser Linie zunächst recht. Spannender ist aber momentan, was die Zahlen hinter den Ergebnissen erzählen.
Und die fallen durchaus widersprüchlich aus. Mit bislang 112 kreierten Torchancen stellt Homburg nach den vorliegenden Zahlen sogar den Ligabestwert. Auch bei den herausgeholten Eckstößen liegt der FCH ganz vorne. Trotzdem rangiert die Offensive gemessen an den erzielten Treffern lediglich im Mittelfeld. Aus all den Eckbällen ist bislang noch kein einziges Tor entstanden. Der Aufwand ist also vorhanden – der Ertrag könnte deutlich größer sein.
Gerade gegen Stuttgart und in Mannheim wurde das sichtbar. Homburg brachte sich immer wieder in gute Positionen, traf Aluminium, vergab freie Abschlüsse und ließ aussichtsreiche Situationen liegen. Gegen Frankfurt funktionierte es zuletzt besser: Hilal El-Helwe verwandelte früh vom Punkt, Emir Kuhinja machte später das 2:0. Es muss nicht jedes Spiel drei oder vier Tore geben – aber aus der Menge an Möglichkeiten sollte sich auf Dauer mehr entwickeln.
Auch defensiv gibt es einen Punkt, der genauer beobachtet werden muss. Drei Gegentreffer fielen bereits nach Eckbällen, zwei weitere nach hohen Hereingaben. Für eine Mannschaft, die ansonsten über längere Phasen kompakt verteidigt, ist das auffällig. Gerade die Lufthoheit im eigenen Strafraum bleibt damit ein Thema. Seitz formuliert die Zielsetzung für Samstag entsprechend pragmatisch: „Dass wir erstmal die Null halten und dann auf unsere Chancen warten.“ Gleichzeitig weiß auch er: „Wir müssen auch noch mehr Tore machen.“
Mit Hessen Kassel kommt allerdings ein Gegner ins Waldstadion, gegen den sich der FCH traditionell schwertut. Beide Duelle der vergangenen Saison endeten unentschieden, insgesamt gab es in 22 Regionalliga-Partien neun Homburger Siege, sechs Kasseler Erfolge und sieben Remis. Seitz bringt es knapp auf den Punkt: „Kassel ist immer schwer für den FC Homburg.“
Auch der Blick auf den vergangenen Spieltag reicht als Warnung. Der KSV bezwang den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer Kickers Offenbach mit 2:1 und kletterte mit neun Punkten auf Rang zehn. Gerade zu Hause sind die Nordhessen mit drei Siegen aus vier Partien stark, auswärts dagegen noch ohne Punkt. Homburg sollte allerdings nicht darauf vertrauen, dass diese Serie automatisch Bestand hat. Seitz verweist auf die Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Kräften – und darauf, wie Kassel Offenbach gerade in den ersten 60 Minuten kontrollierte.
Emir Kuhinja kennt diese Art von Gegner aus eigener Erfahrung. „Hessen-Kassel ist immer ein sehr ekliger Gegner“, sagt der bislang treffsicherste Homburger Angreifer. Entscheidend sei, von Beginn an dagegenzuhalten: „Am besten von der ersten Sekunde an die Zweikämpfe annehmen. Es ist eine richtige Herrenmannschaft.“ Danach müsse der FCH seine eigenen Akzente setzen und sein Spiel durchziehen.
Personell entspannt sich die Lage zumindest ein wenig. Michael Heilig hat seine Zwei-Spiele-Sperre abgesessen und steht wieder zur Verfügung. Frederik Schumann und Jacob Roden fehlen weiterhin langfristig. Nico Jörg und Michael Guthörl sind zwar noch keine Optionen für Samstag, machen in der Platzreha aber Fortschritte. Seitz rechnet damit, dass beide in absehbarer Zeit wieder vollständig ins Mannschaftstraining einsteigen können. „Wir können zwar nicht ganz aus dem Vollen schöpfen, aber wir werden trotzdem wieder einen guten Spieltagskader haben.“
Damit ist die Aufgabe klar umrissen. Homburg muss die zuletzt erkennbare Mentalität mit mehr Konsequenz in beiden Strafräumen verbinden. Standards und hohe Bälle dürfen hinten nicht weiter so leicht zu Gefahr führen, vorne müssen aus den vielen Chancen häufiger Tore entstehen. Gelingt das, stehen die Chancen gut, dass sich der FCH nach dem gelungenen Abschluss der englischen Woche im oberen Tabellendrittel weiter festsetzt.
Dass dabei nicht jeder Blick sofort zur Tabellenspitze gehen muss, dürfte allen Beteiligten guttun. Nach sieben Spieltagen steht Homburg ordentlich da – mehr nicht, aber eben auch nicht weniger. Bis zur Winterpause bleibt genügend Zeit, um zu sehen, wohin sich diese Mannschaft tatsächlich entwickelt. Gegen Kassel kann sie am Samstag den nächsten Baustein dafür setzen. Anstoß ist um 14:00 Uhr im Homburger Waldstadion.

















