Das Saarland ist bundesweit das letzte Bundesland, das bei Landtags- und Kommunalwahlen noch nach dem sogenannten d’Hondt-Verfahren rechnet. Genau daran wollen Grüne, FDP und Linke im Land etwas ändern. Die drei Parteien fordern gemeinsam, die Sitzverteilung künftig nach dem Modell Sainte-Laguë/Schepers zu berechnen. Doch SPD und CDU stellen sich quer.
Der Streit dreht sich um eine auf den ersten Blick technische, in ihrer Wirkung aber hochpolitische Frage: Wie werden abgegebene Stimmen möglichst gerecht in Mandate übersetzt? Das d’Hondt-Verfahren, so das zentrale Argument der Kritiker, verschaffe größeren Parteien einen systematischen Vorteil und rüttele damit an der Wahl- und Chancengleichheit.
Volker Morbe, Landesvorsitzender der Saar-Grünen, verweist auf die jüngste Rechtsprechung. „Der Hessische Staatsgerichtshof hat die Wiedereinführung von d’Hondt bei Kommunalwahlen im Januar 2026 für verfassungswidrig erklärt, weil das Verfahren größere Parteien systematisch begünstigt und damit die Wahl- und Chancengleichheit beeinträchtigt“, sagt er. Auch der Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen habe sich im Mai 2025 mit diesen Verzerrungseffekten befasst. Niedersachsen habe bereits gehandelt und d’Hondt für künftige Landtagswahlen durch Sainte-Laguë/Schepers ersetzt.
Besonders im Saarland fällt diese Rechenlogik nach Ansicht der Reformbefürworter ins Gewicht. Florian Spaniol, Landesvorsitzender der Linken, macht das an der Größe des Parlaments fest. „Der saarländische Landtag ist das kleinste Landesparlament Deutschlands. Je kleiner ein Parlament ist, desto stärker können sich systematische Effekte des Sitzzuteilungsverfahrens auswirken“, erklärt er. Dasselbe gelte für die Ausschüsse des Landtages und der Kommunalparlamente.
Wichtig ist den Initiatoren der Hinweis, dass es nicht um einen Umbau der politischen Grundstruktur geht. Wahlkreise, Verhältniswahl und die bestehenden Wahlvorschläge blieben unangetastet. Verändert würde allein die mathematische Methode, mit der aus Stimmen Sitze werden.
Die drei Parteien betonen, den Dialog gesucht zu haben. Sie luden Saar-SPD und Saar-CDU zu Beratungen ein, die Gespräche fanden statt. Ein Ergebnis brachten sie jedoch nicht: Weder SPD noch CDU sehen einen Grund für eine Reform.
Für Angelika Hießerich-Peter, Landesvorsitzende der Saar-FDP, ist diese Haltung schwer zu begreifen. „Demokratische Regeln dürfen nicht allein deshalb unverändert bleiben, weil sie schon immer so waren“, sagt sie. Wenn ein anderes Verfahren die Wahl- und Chancengleichheit besser gewährleiste, müsse das Saarland handeln – „offen, verantwortungsvoll und ohne parteipolitische Scheuklappen“.




















