Ohne Schiffe stünde der Welthandel still. Rund 80 Prozent aller international gehandelten Güter gelangen über die Meere zu ihren Zielen. Doch dieser Warenstrom hat einen hohen Preis für das Klima: Zwischen zwei und drei Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen gehen auf das Konto der internationalen Schifffahrt. Genau hier setzt Bosch an – und zeigt auf der Fachmesse SMM in Hamburg, wie sich Großmotoren künftig mit regenerativen Kraftstoffen betreiben lassen.
Im Zentrum steht ein neuer Injektor, den das Unternehmen für alternative Kraftstoffe entwickelt hat. Das Bauteil ist flexibel angelegt und kommt sowohl mit flüssigen als auch mit gasförmigen Energieträgern zurecht. Ob Wasserstoff, Methanol, Ethanol oder Ammoniak – der Injektor lässt sich je nach Anwendung anpassen und eignet sich für die Saugrohreinspritzung ebenso wie für die Niederdruck-Direkteinspritzung. Bei asiatischen Kunden wird die Technik derzeit im Praxiseinsatz erprobt.
„Der Schiffsmarkt wird in den kommenden Jahren weiter wachsen, gleichzeitig soll die Umweltbelastung drastisch sinken“, sagt Dr. Stefan Schenk, der im Bosch-Geschäftsbereich Power Solutions den Produktbereich Large Engines verantwortet. Damit dieser Spagat gelingt, brauche es breite Zusammenarbeit. Politik, Kraftstoffindustrie, Schiffsbauer und Reeder müssten weltweit gemeinsam vorangehen, um nachhaltige Kraftstoffe dauerhaft in der Branche zu verankern.
Der Handlungsdruck ist erheblich. Die UN-Handels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD rechnet damit, dass der weltweite Seeverkehr bis 2030 jährlich um rund zwei Prozent zulegt. Andere Szenarien gehen noch weiter und halten eine annähernde Verdopplung der globalen Güterverkehrsleistung zwischen 2019 und 2050 für möglich. Gleichzeitig hat sich die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO das Ziel gesetzt, bis zur Mitte des Jahrhunderts Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. „Der Markt für klimafreundliche Schiffsantriebe wird in den kommenden Jahren dynamisch wachsen“, so Schenk.
Bislang arbeiten die Einspritzsysteme von Bosch überwiegend mit Diesel oder dieselbasierten Kraftstoffen. Sie stecken in mittelschnell- und schnelllaufenden Großmotoren, wie sie etwa Fähren, Schlepper und Yachten antreiben oder als Generatoren die Bordstromversorgung großer Frachter sichern. Schon heute vertragen die Komponenten sogenannte Drop-in-Kraftstoffe wie Biodiesel oder paraffinischen Diesel und können bei entsprechender Betankung CO₂ einsparen.
Doch der Weg zu Methanol oder Ammoniak ist technisch anspruchsvoll. Bestehende Bauteile sind für diese Kraftstoffe ohne Anpassung schlicht nicht geeignet. Die Entwickler beschäftigen die veränderte Schmierfähigkeit, die Materialverträglichkeit, ein zuverlässiger Kaltstart und angepasste Brennverfahren. Für die gasförmige Einblasung von Erdgas, Wasserstoff oder Ammoniak im Saugrohr hat Bosch zudem eigene Einblasventile im Programm. Die Technik kommt nicht nur auf See zum Einsatz, sondern auch in stationären Großmotoren, Baumaschinen und Lokomotiven.
Um die Forschung zu beschleunigen, hat Bosch am österreichischen Standort Hallein eine neue Methanol-Infrastruktur in Betrieb genommen und dafür einen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Hallein gilt konzernweit als das Kompetenzzentrum für Großmotoren-Einspritzsysteme. „Für die Dekarbonisierung von Großmotoren braucht es technologische Vielfalt – insbesondere dort, wo Elektrifizierung an ihre Grenzen stößt“, betont Schenk. Mit der neuen Anlage schaffe das Unternehmen die Voraussetzungen, um solche Technologien bis zur Serienreife zu bringen.


















