Wie sieht die Energieversorgung Deutschlands im Jahr 2045 aus? Antworten auf diese Frage sucht die Bundesnetzagentur nun im offenen Dialog. Ab sofort können sich Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Unternehmen und Behörden an der Konsultation zu den Entwürfen des Szenariorahmens Strom sowie des Szenariorahmens Gas und Wasserstoff beteiligen.
Der entscheidende Unterschied zu früheren Verfahren: Beide Bereiche werden erstmals parallel betrachtet. „Die Transformation der Energiesysteme kann nur gemeinsam gelingen“, betont Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Die Netzbetreiber beider Sektoren hätten ihre Annahmen bereits im Entwurf zusammengeführt. „Das verzahnt die Planungsprozesse von Anfang an“, so Müller. Er freue sich auf die Diskussion mit der Zivilgesellschaft in den kommenden Wochen.
Inhaltlich zeichnen die Papiere die Bandbreite möglicher Entwicklungen bis zu einem klimaneutralen Energiesystem im Jahr 2045. Für den Stromsektor legen die Übertragungsnetzbetreiber jeweils drei Szenarien für die Jahre 2040 und 2045 vor. Auffällig dabei: Die angenommene Leistung der Elektrolyseure fällt durchweg deutlich geringer aus als noch im vorangegangenen Szenariorahmen. Die Folge ist eine spürbar höhere Abhängigkeit von Wasserstoffimporten.
Ein anderer Trend bleibt hingegen bestehen. Der Boom bei Rechenzentren und großen Batteriespeichern setzt sich nach Einschätzung der Netzbetreiber fort. In allen Szenarien führt das zu höheren Leistungen und Verbräuchen als zuvor angenommen – ein Zeichen dafür, wie stark die Digitalisierung den Energiebedarf antreibt.
Beim Gas und Wasserstoff zeigt sich das Bild differenzierter. Während die Ausspeisekapazitäten für Wasserstoff in den ersten beiden Szenarien auf ähnlichem Niveau verbleiben, rechnet das dritte Szenario für 2040 und 2045 mit höheren Erdgas- und geringeren Wasserstoffkapazitäten. Neu ist zudem, dass die Netzbetreiber neben einer Modellierungsvariante für Erdgas erstmals auch eine für Wasserstoff im Jahr 2035 vorschlagen. Anders als zuletzt erhält diesmal auch Biomethan ein deutlich stärkeres Gewicht.
Beide Entwürfe stehen zwar inhaltlich in Bezug zueinander, bleiben aber eigenständige Planungsverfahren. Wer sich einbringen möchte, findet die Dokumente auf der Website der Bundesnetzagentur. Ein Begleitdokument gibt Hinweise, zu welchen Themen die Behörde konkrete Stellungnahmen erwartet. Diese können bis zum 28. September 2026 eingereicht werden. Bereits am 10. September 2026 lädt die Bundesnetzagentur zudem zu einer Online-Informationsveranstaltung ein, für die eine Anmeldung ab sofort möglich ist.

















