Wo Menschen auch mit geschultem Blick an ihre Grenzen stoßen, setzt die Deutsche Bahn auf eine feine Nase: Auf einem Gelände in Homburg-Beeden haben Mobilitätsministerin Petra Berg und Ismail Ertug, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, am 14. Juli einen Artenspürhund bei seiner Arbeit begleitet. Die Tiere durchkämmen im Auftrag der DB InfraGO Flächen, auf denen gebaut oder instand gesetzt werden soll, und schlagen an, sobald sie geschützte Arten wittern.
Hinter dem Einsatz steckt eine handfeste rechtliche Verpflichtung. Zauneidechse, Mauereidechse, Schlingnatter, Gelbbauchunke, Haselmaus und Fledermaus fallen unter das Bundesnaturschutzgesetz. Wer baut, muss ihren Fortbestand sichern. „Es ist essenziell, bei Bauvorhaben auch an den Fortbestand dieser geschützten Arten zu denken“, betonte Berg vor Ort. Hunde seien dabei ein unschätzbarer Helfer: „Hunde verfügen über einen außergewöhnlichen Geruchssinn und können die Tiere deutlich schneller und intensiver wahrnehmen als Menschen.“
Wird eine geschützte Art auf einer Fläche entdeckt, greifen Ausgleichsmaßnahmen. Notfalls werden die Tiere umgesiedelt. Der Vorteil dieser Methode liegt auf der Hand: Wo früher aufwendig und langwierig kartiert wurde, verkürzen sich Planung und Bauzeit spürbar, ohne dass der Artenschutz auf der Strecke bleibt.
Für Ismail Ertug ist genau diese Verbindung der Kern der Sache. „Natur- und Artenschutz spielen bei Instandhaltung und Bauprojekten der Deutschen Bahn eine wichtige Rolle“, erklärte er. Mit den Spürhunden lasse sich zuverlässig aufspüren, wo Schutz nötig sei. So verbänden Mensch und Hund modernen Naturschutz mit einer verantwortungsvollen Umsetzung von Infrastrukturprojekten.
Bis ein Hund einsatzbereit ist, vergeht allerdings viel Zeit. Das Kompetenzzentrum Artenkartierung kauft die Welpen bei Züchtern ein, danach folgt zunächst eine mehrmonatige externe Vorausbildung. Erst mit etwa einem Jahr beginnt die eigentliche, rund zwölf Monate dauernde Spezialausbildung. Trainiert wird an der Ausbildungsstätte bei Erfurt sowie unter realistischen Bedingungen, etwa an stillgelegten Gleisanlagen. Als Übungsmaterial dienen Geruchsproben wie Eierschalen, Kot oder abgestoßene Haut der jeweiligen Arten.
Die Idee ist noch jung, setzt sich aber rasch durch. Die ersten Artenspürhunde nahmen 2022 in Bayern ihre Arbeit auf, inzwischen sind deutschlandweit 17 Tiere für die DB InfraGO im Einsatz. Sechs weitere junge Hunde wurden in diesem Jahr angeschafft, durchlaufen derzeit ihre Vorausbildung und starten Anfang 2027 in die eigentliche Ausbildung. Sowohl die Hunde als auch die Kartiererinnen und Kartierer werden im hauseigenen Kompetenzzentrum geschult.

















