Symbolbild

Eine groß angelegte Prüfung der Stiftung Warentest sorgt in der Anlegerszene für erhebliche Beunruhigung: Die Verbraucherorganisation hat 21 Alternative Investmentfonds der Münchner Deutsche Finance Group unter die Lupe genommen und dabei gleich acht gravierende Schwachstellen identifiziert. Betroffen sind rund 50.000 Privatanleger, die etwa 1,5 Milliarden Euro in diese Produkte gesteckt haben. Doch das Problem reicht weiter – auch Versorgungswerke, Versicherungen und Pensionskassen gehören zum Kreis der Investoren.

Die Bilanz, die die Prüferinnen und Prüfer ziehen, fällt ernüchternd aus. Bei keinem einzigen der untersuchten Fonds erreicht der aktuelle Wert der Anteile – selbst inklusive bereits geflossener Ausschüttungen und Steuerguthaben – die ursprüngliche Einzahlungssumme der Anleger samt Ausgabeaufschlag. Zwei Fonds dümpeln sogar unterhalb der Hälfte des einst eingesammelten Kapitals. „Diese Fonds werden es schwer haben, ein positives Ergebnis zu erzielen – und damit ist ungewiss, ob Anleger zumindest ihre Einzahlungen herausbekommen“, warnt Ulrike Sosalla, Finanzexpertin der Stiftung Warentest.

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Besonders heikel: Für 17 der 21 Fonds liegen die gesetzlich vorgeschriebenen Jahresabschlüsse für 2024 bis heute nicht vor. Ausgerechnet jenes Geschäftsjahr also, in dem nach Recherchen der Tester erstmals Probleme bei US-Investments offen zutage traten, bleibt rechnerisch eine Blackbox. Anleger, die wissen wollen, wie es um ihr Geld bestellt ist, tappen damit weitgehend im Dunkeln.

Hinzu kommen strukturelle Auffälligkeiten, die das Risiko zusätzlich erhöhen. Mehrere Fonds halten parallel Anteile an denselben Zielfonds – eine vermeintliche Streuung, die in Wahrheit ein Klumpenrisiko erzeugt. Zwei dieser Zielfonds standen im Januar 2026 zeitweise ohne den vorgeschriebenen Manager da; ob die Position inzwischen neu besetzt wurde, ist unklar. Auch die Praxis, Investments offenbar innerhalb des eigenen Konzernumfelds weiterzureichen, wirft Fragen auf. Die Stiftung Warentest sieht hier mögliche Interessenkonflikte zu Lasten der Anleger.

Welche Dimension der Fall annehmen kann, zeigt ein Blick auf die institutionellen Investoren. Die Bayerische Versorgungskammer, die über die Deutsche Finance 1,6 Milliarden Euro in den USA platziert hatte, räumte 2025 ein, dass 853 Millionen Euro voraussichtlich verloren sein dürften. Auf die Renten habe das jedoch keine Auswirkungen, betonte die Kammer gegenüber den Testern. Insgesamt verwaltet die Deutsche Finance Group nach eigenen Angaben Vermögenswerte von mehr als 12 Milliarden US-Dollar.

„Unsere Analyse zeigt: Diese Fonds haben bedenkliche Schwachstellen, die große potenzielle Risiken für Anleger darstellen“, fasst Sosalla zusammen. „Das gibt Anlass zur Sorge, da zehntausende Privatanleger betroffen sind und darüber hinaus auch institutionelle Anleger wie Versorgungswerke zu den Investoren zählen.“ Die Deutsche Finance Group selbst wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Man kommentiere grundsätzlich weder laufende Verfahren noch vertrauliche Geschäfts- und Investorenbeziehungen oder interne Fonds- und Beteiligungsstrukturen, hieß es lediglich. Die ausführliche Untersuchung ist auf test.de abrufbar.

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