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Auf dem Papier sieht die deutsche Wasserstoffwirtschaft erstaunlich vital aus: Knapp 12.000 Megawatt an Erzeugungskapazität stecken in der Projektpipeline. Doch hinter dieser stattlichen Zahl verbirgt sich eine ernüchternde Realität. Gerade einmal 44 Anlagen mit zusammen 181 Megawatt sind tatsächlich am Netz – fast ausschließlich solche, die staatliche Förderung erhalten haben. Das ist das Kernergebnis des neuen Wasserstoffmonitors, den der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf Basis der Datenbanken des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) vorgelegt hat.

Die Diskrepanz zwischen Ambition und Umsetzung ist groß. Lediglich 27 Vorhaben mit einer Gesamtleistung von 1.271 Megawatt befinden sich derzeit im Bau oder haben zumindest die finale Investitionsentscheidung hinter sich. Der mit Abstand größte Block, nämlich 98 Projekte mit fast 11.900 Megawatt, verharrt dagegen in der Planungsphase. Eine Welle, die zwar bereitsteht, aber noch nicht bricht.

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Für Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sind diese Zahlen ein deutliches Warnsignal. „Die Ergebnisse des BDEW-Wasserstoffmonitors zeigen: Der Wasserstoffhochlauf in Deutschland muss dringend angeschoben werden“, erklärte sie bei der Vorstellung der Daten. Damit aus Planungen tatsächlich Baugenehmigungen, Investitionen und ein funktionierender Markt entstehen, brauche es jetzt „klare, verlässliche und europäisch anschlussfähige Rahmenbedingungen“. Wasserstoff sei der zentrale Hebel zur Dekarbonisierung der Industrie – entsprechend dränge die Zeit.

Als Schlüsselinstrument bringt die Energiewirtschaft ein eigenes Wasserstoffgesetz ins Spiel. Es soll Rechtssicherheit für alle Marktakteure schaffen und ordnungspolitische Vorgaben mit Anreizen und Förderinstrumenten in einem stimmigen Rahmen verbinden. Ein solches Gesetz, so die Idee des Verbandes, würde den juristischen Grundstein für den Aufbau eines tragfähigen Wasserstoffmarkts in Deutschland legen.

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Ein zweiter Vorschlag zielt auf das wirtschaftliche Kernproblem: Noch klafft eine erhebliche Lücke zwischen dem, was Abnehmer für grünen Wasserstoff zu zahlen bereit sind, und den tatsächlichen Bereitstellungskosten. Der BDEW plädiert deshalb für die Einführung sogenannter Wasserstoff-CfDs – Differenzverträge, die diese Lücke ausgleichen – flankiert durch staatliche Garantieinstrumente, die Risiken für Investoren abfedern sollen.

Darüber hinaus mahnt der Verband mehr Tempo auf europäischer Ebene an. Deutschland solle, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, die Führungsrolle beim Aufbau einer Wasserstoff-Allianz der EU-Mitgliedstaaten übernehmen. Ohne grenzüberschreitende Kooperation, so die Botschaft, werde weder der Import noch der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur gelingen.

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Der Wasserstoffmonitor selbst ist als Werkzeug für mehr Transparenz konzipiert. Er bündelt Daten zu Erzeugung, Importen, Infrastruktur, industriellen Anwendungen und Mobilität in interaktiven Grafiken und macht so sichtbar, wo der Markthochlauf voranschreitet – und wo er stockt. Aktualisiert wird das Instrument halbjährlich. Die nächste Bestandsaufnahme dürfte zeigen, ob den Forderungen aus der Branche politische Taten folgen.

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