Das Netzwerk „Fahrtziel Natur“ trifft sich in Potsdam, wo Pia Schramm die regionale Trägergruppe in der Biosphäre Bliesgau koordiniert. — Foto: www.oliver-lang.com

Was vor 25 Jahren mit sechs Schutzgebieten begann, hat sich zu einem der wichtigsten Netzwerke für nachhaltigen Tourismus im deutschsprachigen Raum entwickelt: Die Kooperation Fahrtziel Natur feierte am 12. Mai 2026 im historischen Kaiserbahnhof in Potsdam ihr Vierteljahrhundert. Rund 100 geladene Gäste, darunter Vertreter von BUND, NABU, VCD und Deutscher Bahn, stießen gemeinsam auf eine Erfolgsgeschichte an, die mittlerweile 24 Nationalparke, Naturparke und Biosphärenreservate in Deutschland, Österreich und der Schweiz umfasst. Mittendrin: das Biosphärenreservat Bliesgau, das seit 2012 Teil des Verbunds ist.

Bundesumweltminister Carsten Schneider würdigte die Initiative mit deutlichen Worten: „Abschalten und neue Kraft tanken – für viele von uns geht das am besten in der Natur. Wer in den Bergen Wandern geht, an Flüssen Fahrrad fährt oder im Wald spaziert, der spürt, wie gut die Natur uns Menschen tut.“ Zugleich betonte er, dass klimafreundliche Anreise ein konkreter Beitrag zum Naturschutz sei. Die Bahn nannte er „die beste Option“ und Fahrtziel Natur den „verlässlichen Kompass zu den schönsten Orten“.

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Dass das Bliesgau in dieses Netzwerk aufgenommen wurde, kam nicht von ungefähr. Das Biosphärenreservat verfügt über ein engmaschiges öffentliches Nahverkehrsnetz, das Besucherinnen und Besuchern die Anreise ohne eigenes Auto ermöglicht. Zwei Regionalbahn- und eine Stadtbahnstrecke verbinden 13 Haltepunkte im Schutzgebiet mit den umliegenden Städten Homburg, Saarbrücken, St. Ingbert und Zweibrücken. Ergänzt wird das Schienenangebot durch zahlreiche Buslinien – darunter die Regionallinien R6, R7, R8, R10 und R14 sowie die Linien 505, 506, 547 und der „Flitsaar“ –, die täglich verkehren und etwa Wanderungen ohne PKW-Anreise möglich machen.

Ein besonderes Aushängeschild ist der Biosphärenbus 501, der sich aus einer regulären Buslinie zu einem touristischen Vorzeigeprojekt entwickelt hat. Landrat Frank John, Verbandsvorsteher des Biosphärenzweckverbandes, beschrieb die Strecke mit sichtlichem Stolz: „Der Biosphärenbus fährt auf einer Länge von 54 Kilometern einmal pro Stunde von Homburg über Blieskastel und Reinheim bis Kleinblittersdorf und zurück.“ Sieben Tage die Woche, von morgens früh bis abends spät, verbinde die Linie zahlreiche Freizeit- und Naturerlebnisse miteinander. An drei Haltestellen bestehe zudem eine direkte Verknüpfung mit dem Schienenverkehr – ein Detail, das den Umstieg zwischen Bahn und Bus besonders unkompliziert macht.

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Die Grundidee von Fahrtziel Natur ist so simpel wie wirkungsvoll: Wertvolle Naturlandschaften sollen bequem per Bahn erreichbar sein, und vor Ort ermöglicht eine Gästekarte die kostenlose Nutzung von Bussen und Bahnen. Was am 25. April 2001 als Pilotprojekt startete, trägt heute messbar zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei und unterstützt den Erhalt der biologischen Vielfalt in den beteiligten Regionen. Für das Bliesgau bedeutet die Mitgliedschaft seit nunmehr 14 Jahren nicht nur überregionale Sichtbarkeit, sondern auch einen konkreten Anreiz, das ohnehin dichte Mobilitätsangebot stetig weiterzuentwickeln.

Montags bis samstags sorgen zusätzliche Buslinien für ein noch engeres Netz, das Einheimischen wie Gästen gleichermaßen zugutekommt. Die Botschaft, die vom Potsdamer Jubiläum ausgeht, ist klar: Naturerlebnis und klimafreundliche Mobilität schließen sich nicht aus – im Gegenteil, sie bedingen einander. Das Biosphärenreservat Bliesgau liefert dafür seit über einem Jahrzehnt den praktischen Beweis.

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