Der Informatiker Michael Hahn von der Universität des Saarlandes gehört zu den diesjährigen Trägern des Heinz Maier-Leibnitz-Preises. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft zeichnet ihn damit für seine Forschung an den Grenzen großer Sprachmodelle aus – jener Technologie, die hinter Systemen wie ChatGPT steckt und längst weit über akademische Kreise hinaus Wirkung entfaltet. Der Preis, dotiert mit 200.000 Euro, gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem frühen Karrierestadium in Deutschland.
Hahn ist Professor für „Language, Computation and Cognition“ in Saarbrücken und bewegt sich in seiner Arbeit an der Schnittstelle von maschinellem Lernen und Computerlinguistik. Was ihn von vielen Kolleginnen und Kollegen unterscheidet: Er nimmt die viel gefeierten Transformer-Architekturen, auf denen moderne KI-Sprachmodelle basieren, aus einer formalen Perspektive auseinander. Ihn interessiert nicht nur, was diese Systeme leisten, sondern vor allem, wo sie scheitern – beim logischen Schlussfolgern etwa oder bei der Verarbeitung komplexer sprachlicher Abhängigkeiten.
Genau diese Schwachstellenanalyse macht seine Forschung so relevant für den praktischen Einsatz von KI. Denn wer nicht versteht, wo ein System versagt, kann es auch nicht verlässlich einsetzen. Hahn entwickelt darüber hinaus Methoden, um die internen Repräsentationen solcher Modelle transparent zu machen – ein Beitrag zur Erklärbarkeit, der in Zeiten zunehmender KI-Durchdringung von Wirtschaft und Verwaltung an Bedeutung gewinnt. In interdisziplinären Projekten liefert er zudem Erkenntnisse darüber, wie menschliche Sprachverarbeitung funktioniert und worin sie sich von maschineller unterscheidet.
Saarlands Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker würdigte die Auszeichnung im Namen der Landesregierung mit deutlichen Worten. „Mit Prof. Michael Hahn wird ein Wissenschaftler ausgezeichnet, der an einer der zentralen Zukunftsfragen unserer Zeit arbeitet: dem Verständnis und den Grenzen großer Sprachmodelle“, erklärte er. Hahns Forschung zeige, wie leistungsfähig moderne KI-Systeme seien und wo zugleich ihre Grenzen lägen. „Genau dieses tiefere Verständnis ist entscheidend für ihren verantwortungsvollen und verlässlichen Einsatz in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft“, so von Weizsäcker weiter.
Der Minister betonte zudem die Signalwirkung für den Standort. Dass sich Hahn in einem hochkompetitiven Auswahlverfahren durchgesetzt habe, unterstreiche die internationale Sichtbarkeit der saarländischen Informatik und die Forschungsqualität an der Universität des Saarlandes. Man wolle dafür sorgen, dass exzellente Köpfe wie er vor Ort beste Bedingungen vorfänden und ihre Arbeit auf höchstem Niveau weiterentwickeln könnten.
Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis wird jährlich von der DFG vergeben und richtet sich gezielt an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Er soll herausragende Leistungen sichtbar machen und jungen Forschenden den Rücken stärken. Für die Universität des Saarlandes, die seit Jahrzehnten als einer der profiliertesten Informatik-Standorte im deutschsprachigen Raum gilt, ist die Auszeichnung eine weitere Bestätigung ihres Kurses – gerade in einem Feld, das sich so rasant entwickelt wie die Erforschung künstlicher Intelligenz.























