Die Gasspeicher in Deutschland sind so leer wie lange nicht – und das Saarland will das nicht länger hinnehmen. Am Freitag brachte das Bundesland eine Bundesratsinitiative auf den Weg, die eine nationale Gasspeicherstrategie einfordert. Energieminister Barke begründet den Vorstoß mit einer Kombination aus geopolitischen Risiken und alarmierend niedrigen Füllständen: „Die Speicher sind die Achillesverse der Gasversorgung unseres Landes und dürfen deshalb nicht auf Kante genäht sein.“
Die Zahlen, auf die sich das saarländische Wirtschaftsministerium beruft, sind deutlich: Aktuell liegen die Füllstände der deutschen Gasspeicher bei rund 22 Prozent. Im Vergleich dazu lag der Durchschnitt der Vorjahreszeiträume bei etwa 40 Prozent – fast doppelt so hoch. Barke macht dafür nicht allein den besonders kalten Winter verantwortlich. Bereits im vergangenen Sommer sei weniger Gas eingespeichert worden, nachdem das Bundeswirtschaftsministerium die Mindestfüllstände 2025 von 90 auf 80 Prozent abgesenkt hatte. Die Konsequenz: Allein um die geringeren Einspeicherungen des Vorjahres auszugleichen, rechnet das Ministerium mit preisbedingten Mehrkosten von ein bis zwei Milliarden Euro.
Der anhaltende Nahost-Konflikt verschärft die Lage zusätzlich. Die Preisvolatilität auf den Gasmärkten setzt die Betreiber der Speicherinfrastruktur unter erheblichen Druck, und Barke warnt vor einer Kettenreaktion, die auch Verbraucherinnen und Verbraucher treffen dürfte: „Was wir derzeit an den Tankstellen sehen, droht sich zeitverzögert auch bei den Gasendkundenpreisen niederzuschlagen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns jetzt für die nächste Heizperiode rüsten.“ Die marktlichen Verwerfungen dürften keinesfalls dazu führen, dass Einspeicherungen ausbleiben oder wichtige Speicherinfrastrukturen sogar stillgelegt werden.
Der saarländische Minister erkennt durchaus an, dass in den vergangenen Jahren viel geschehen ist. Die Diversifizierung der Gasimporte über LNG-Terminals und neue Lieferländer nach dem Stopp russischer Energielieferungen habe die Versorgungslage grundsätzlich verbessert. Doch genau deshalb müsse nun auch die Speicherseite nachziehen. „Umso wichtiger ist es, dass wir auch die Gasspeicherauslastung resilienter aufstellen. Für die notwendige Flexibilität in der Gasversorgung sind die Gasspeicher unverzichtbar“, betont Barke. Die Bundeswirtschaftsministerin sei gefordert, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Speicher als krisenfeste Infrastruktur stärken.
Konkret schlägt das Saarland neben höheren Mindestfüllständen und wirtschaftlichen Anreizen für Speicherbetreiber auch die Prüfung einer gesetzlich verankerten nationalen Gasreserve vor. Ein angemessener Teil der Speicherkapazitäten – etwa ein bis zwei durchschnittliche Monatsverbräuche – solle dauerhaft für den Fall existenzieller Versorgungsengpässe vorgehalten werden. Damit ginge Deutschland über die bisherige Praxis hinaus und würde sich ein strategisches Polster zulegen, das in akuten Krisensituationen den Unterschied machen könnte.
Barke drängt auf Tempo. „Die Zeit bis zum nächsten Winter läuft – die Bundesregierung muss jetzt handeln, um die Risiken zu minimieren“, mahnt er. Ob die Initiative im Bundesrat eine Mehrheit findet, wird sich zeigen. Die Dringlichkeit der Debatte dürfte angesichts der aktuellen Füllstände und der geopolitischen Unsicherheiten allerdings kaum jemand bestreiten.
















