Oberbürgermeister Michael Forster begrüßt in der Galerie des Saalbaus zahlreiche Gäste bei der Vorstellung des Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepts der Stadt, das von Simon Müller, Lisa Kirchner, Isabell Zech vom saarländischen Umweltministerium und der Klimaschutzmanagerin der Stadt, Andrea Lippmann, präsentiert wird.
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Die Unwetter der vergangenen Jahre haben in Homburg tiefe Spuren hinterlassen – und die Erkenntnis reifen lassen, dass die Stadt sich systematisch gegen Starkregen und Hochwasser wappnen muss. Genau diesem Ziel dient ein umfassendes Vorsorgekonzept, das die Stadtverwaltung nun in der Galerie im Saalbau der Öffentlichkeit präsentierte. Oberbürgermeister Michael Forster begrüßte die zahlreich erschienenen Bürgerinnen und Bürger, erinnerte an die Unwetter vom Mai 2022, das Pfingsthochwasser 2024 sowie weitere Schadensereignisse zwischen 2018 und 2022 und machte unmissverständlich klar: Die Stadt werde handeln, doch auch jede Einzelne und jeder Einzelne sei gefordert, sich zu informieren und bei gefährdeten Gebäuden selbst Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Erarbeitet wurde das Konzept in enger Zusammenarbeit mit der Firma Weber Ingenieure, der städtischen Klimaschutzmanagerin Andrea Lippmann und dem saarländischen Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz. Lisa Kirchner und Simon Müller von Weber Ingenieure übernahmen die Vorstellung der Ergebnisse, unterstützt von Isabell Zech aus dem Umweltministerium. Dem eigentlichen Konzept waren zahlreiche Bürger- und Expertenworkshops in den Ortsteilen sowie Begehungen vor Ort vorausgegangen, wie Forster erläuterte. Die Landesregierung habe das Vorhaben von Beginn an begleitet und gefördert.

Im Zentrum des Abends standen die neu entwickelten Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten. Sie bilden parzellengenau ab, welche Bereiche bei extremen Niederschlägen betroffen wären – konkret bei Regenmengen von 50 Millimetern pro Stunde, was einem sogenannten hundertjährigen Ereignis entspricht, und bei 90 Millimetern, dem Szenario eines tausendjährigen Ereignisses. Neben den möglichen Überflutungstiefen zeigen die Karten auch Fließgeschwindigkeiten und Erosionsgefahren an. Wer sein eigenes Wohngebäude überprüfen möchte, kann die Karten auf der Internetseite der Stadt Homburg unter der Rubrik Umwelt und Klima einsehen oder direkt über das Geoportal Saarland abrufen.

Das Vorsorgekonzept selbst gliedert sich in drei Säulen: eine Gefährdungsanalyse, eine Defizitanalyse und das daraus abgeleitete Maßnahmenpaket. Bei der Risikobewertung wurden 303 kommunale Objekte und Objekte mit kommunaler Relevanz identifiziert. Insgesamt beschreibt das Konzept 158 flächenhafte Maßnahmen, von denen 66 als besonders vorteilhaft eingestuft wurden, weil sie eine hohe Schutzwirkung bei vergleichsweise geringen Kosten versprechen. Die Defizitanalyse nahm gefährdete Siedlungsbereiche, Gebäude und Infrastruktureinrichtungen ebenso unter die Lupe wie Wasser-, Strom- und Entsorgungssysteme. Bauliche Schutzmaßnahmen, verbesserte Frühwarnsysteme und angepasste Nutzungsarten sollen helfen, mögliche Schäden zu reduzieren.

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Betont wurde auch die Eigenverantwortung der Hauseigentümer. Schon vergleichsweise einfache Lösungen wie der Einbau einer Rückstauklappe oder eines Schutzelements könnten verhindern, dass Wasser in Keller und Wohnräume eindringt. Wer es genauer wissen will, kann mit Hilfe von Fachleuten einen Hochwasserpass für sein Gebäude erstellen lassen – das Land fördert diesen mit 500 Euro. Darüber hinaus plant die Stadt bereits konkrete bauliche Eingriffe: Im Bereich der Hohenburgschule und des Ilmenauer Platzes etwa geht Homburg bei der Entsiegelung von Flächen voran, damit Regenwasser besser versickern kann. Auch die Rückhaltung von Wasser, etwa durch Rigolen, und die Begrünung versiegelter Flächen gehören zum Maßnahmenkatalog.

Klimaschutzmanagerin Andrea Lippmann richtete zum Abschluss einen eindringlichen Appell an die Anwesenden: Man solle das Thema Hochwasser- und Starkregenschutz nicht auf die lange Bank schieben, denn es sei nur eine Frage der Zeit, bis das nächste Extremwetterereignis eintrete. Zugleich warb sie um Geduld, da die Umsetzung des Konzepts auf Jahre angelegt sei. Einzelne Maßnahmen würden schrittweise realisiert, müssten evaluiert und weiterentwickelt werden, bevor sie ihre volle Wirksamkeit entfalteten. Starkregenvorsorge sei eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der die Stadt auf Mitstreiter angewiesen sei. Als Beispiel nannte Lippmann die Bepflanzung landwirtschaftlicher Flächen mit Zwischenfrucht: In Einöd und Schwarzenacker am Ohligberg hätten Landwirte diese Methode bereits im vergangenen Jahr erprobt, um Bodenerosion zu verringern, Fließgeschwindigkeiten zu verlangsamen und langfristig die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden zu verbessern.

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