Die Sporthalle des SV Beeden war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Gerhard Wagner das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt – ein Festakt, der nicht in einer Landeshauptstadt, sondern ganz bewusst daheim stattfand. Wagner hatte darauf bestanden, die Ehrung in seinem Ort zu begehen – bei den Menschen, „die mich das ganze Jahr unterstützt haben“, wie er später sagte. Dass daraus eine warmherzige Hommage an einen Lebensweg zwischen Unternehmergeist, Ehrenamt, Kommunalpolitik und Heimatliebe wurde, lag auch an den vielen Wegbegleitern, die ihre Geschichten und Dankbarkeit teilten.
Innenminister Reinhold Jost nahm die Auszeichnung im Namen des Bundespräsidenten vor – und ordnete sie ein: Der Bundesverdienstorden sei „die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik um Verdienste für das Gemeinwohl ausspricht“. In Wagners Biografie erkenne man „viele gute Taten, ohne dafür selbst eine Entlohnung zu verlangen“. Engagement dieser Art sei „gerade in der heutigen Zeit etwas Besonderes“, so Jost.
Oberbürgermeister Michael Forster würdigte Wagners Spannweite – als Unternehmer, Kommunalpolitiker, Vereinsmensch, Mentor, Unterstützer und Familienmensch: „Du bist ein Mensch, der präsent ist, der Verantwortung übernimmt und anpackt – mit Herz, Verstand und unglaublicher Energie.“ Das Besondere sei Wagners Verlässlichkeit: „Gerade heraus, direkt und dabei immer herzlich und menschlich.“ Forster überreichte als Zeichen der Verbundenheit zudem ein Kunstbuch – ein Gruß an den „Freund der Kunst“ und Mäzen, der Homburger Künstler seit Jahren fördert.
Was dieses Engagement konkret bedeutet, zeichnete Jost in seiner Laudatio nach: von Wagners frühen Jahren, seiner Bundeswehrzeit und dem Schritt in die Selbstständigkeit über Jahrzehnte in Beedens Vereins- und Ortsleben bis hin zu seiner Rolle als langjähriger Ortsvertrauensmann und heutigem Ortsvorsteher. Genannt wurden Initiativen wie Heringsessen, Weihnachtsmarkt, Heilig-St.-Gartensfest oder Neujahrsempfang – Veranstaltungen, die Gemeinschaft stiften; dazu die Unterstützung von Kirchen, AWO und Vereinen sowie die Förderung von Kita, Freiwilliger Ganztagsschule und Kunst im Stadtgebiet. Besonders hob Jost den Biotopverein hervor, den Wagner seit 2007 mit Mitstreitern zu einem Vorzeigeprojekt von Natur- und Artenschutz entwickelt habe – vom Wasserbruch über Koniks und Heckrinder bis zu den Störchen.
Persönliche Stimmen und Erinnerungen
Aus dem großen Bogen wurden an diesem Abend viele kleine, persönliche Erzählungen. SPD-Landtagsabgeordnete Sevim Kaya-Karadağ sprach von zwei gemeinsamen Jahrzehnten und Wagners besonderer Art, Klartext zu reden – „es kann manchmal wehtun, aber es kommt von Herzen“ –, und dankte seiner Familie für die Ausdauer hinter den Kulissen. „Wir sind stolz auf dich, Gerhard – das hast du dir verdient“, schloss sie.
Sehr nah ging das familiäre Kapitel, das Wagners Schwester eröffnete: „Ich bin wirklich stolz“, sagte sie – und erinnerte an die gegenseitige Unterstützung in der Familie, an gemeinsame Pflegejahre für den Vater und an das schmerzliche Fehlen der in diesem Frühjahr verstorbenen Schwester Edith.
Auch Weggefährten aus Vereinen steuerten Bilder bei, die den Menschen hinter den Funktionen zeigten: vom unermüdlichen Netzwerker, der Türen öffnet und Projekte schultert, bis zum Stifter von Zeit, Tatkraft und Geld. „Seit vielen Jahren bist du ein großer Unterstützer unserer Beeder Vereine“, hieß es – und: Mit dem Weihnachtsmarkt habe Wagner „einen Ort geschaffen, an dem wir zusammenkommen und Gemeinschaft erleben können“. Die Auszeichnung sei deshalb „absolut verdient“.
Eine Portion launige Erinnerung durfte nicht fehlen. So schilderte Dieter Knicker, früherer SPD-Stadtverbandsvorsitzender, wie Wagner ihm einst kurzerhand eine Lehrstelle organisierte – und wie dessen Pragmatismus zur Maxime wurde: Probleme werden nicht beklagt, sie werden gelöst. In jenem Ton lag auch Knickers augenzwinkerndes Lob: „Der kann arbeiten wie Maschinen – egal wo.“
Wagners Dankesworte
In seiner Dankesrede griff Gerhard Wagner viele dieser Punkte auf – und sprach mit großer Bescheidenheit. „Allein kann man nichts bewegen“, betonte er und erklärte, warum diese Ehrung für ihn nach Beeden gehörte: „Wenn man das feiert, dann feiern wir das hier in Homburg-Beeden mit den Leuten, die helfen.“ Das Bundesverdienstkreuz sei zwar „bei mir“, aber „ihr seid alle Teilhaber“. Ohne Ehrenamt, so Wagner, „geht es nicht“.
Ganz der Pragmatiker nutzte er den Moment, um auch Innenminister Reinhold Jost eine klare Botschaft mitzugeben: „Reinhold, wir brauchen Geld – für das Waldstadion und das Sportzentrum.“ Damit machte er deutlich, dass die Ehrung für ihn kein Schlusspunkt ist, sondern Ansporn, sich weiter für die Belange seines Stadtteils einzusetzen.
Ein bleibendes Gefühl von Zusammenhalt
Was von diesem Abend bleibt, ist mehr als eine Auszeichnung. Es ist das Gefühl einer Dorfgemeinschaft, die einem ihrer prägenden Gesichter dankt. Und es ist das Bild eines 77-Jährigen, der seinen Erfolg immer als Gemeinschaftsleistung verstanden hat – als Unternehmer, Ortsvorsteher, Vereinsstütze, Kunstmäzen und treibende Kraft hinter dem Beeder Biotop. Der Applaus am Ende galt deshalb nicht nur Gerhard Wagner, sondern einem Wir-Gefühl, das er seit Jahrzehnten befeuert.
Alle Bilder: Friedel Simon











































































































































