Symbolbild Foto: Bundesrat
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Rund 170 Jugendliche aus ganz Deutschland haben Mitte März im Bundesrat Platz genommen – nicht als Zuschauer, sondern als Akteure. Vom 14. bis 18. März 2026 fand die 27. Ausgabe des Modell Europa Parlaments statt, bei dem Schülerinnen und Schüler von 19 Schulen in die Rolle von Abgeordneten des Europäischen Parlaments schlüpften. Höhepunkt der mehrtägigen Simulation war wie in jedem Jahr die zweitägige Plenarsitzung im Saal der Länderkammer.

Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte, der traditionell die Schirmherrschaft über das Planspiel übernimmt, begrüßte die Teilnehmenden zu Beginn per Videobotschaft. Er hob darin hervor, wie wichtig politische Bildung und europäische Zusammenarbeit gerade in Zeiten seien, die von Unsicherheiten geprägt sind. Damit setzte er den Rahmen für eine Woche, in der die Jugendlichen erleben konnten, wie komplex und zugleich konkret europäische Gesetzgebung funktioniert.

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Den offiziellen Startschuss für die Konferenz gab am Morgen des 16. März Nancy Böhning, Bremens Bevollmächtigte beim Bund und Schriftführerin des Bundesrates, im Bundespresseamt. Sie richtete ermutigende Worte an die jungen Delegierten: „Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einbringen. Gerade junge Menschen zeigen, wie groß das Interesse an Europa und politischer Mitgestaltung ist. Das Modell EU-Parlament macht erlebbar, wie europäische Politik funktioniert: durch Diskussion, Kompromisse und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg.“ Böhning betonte darüber hinaus, dass solche Projekte Demokratie und Zusammenhalt in Europa stärkten und zeigten, dass Europa keine abstrakte Idee sei, sondern von engagierten Bürgerinnen und Bürgern getragen werde.

Der Ablauf folgte dem bewährten Muster parlamentarischer Arbeit: In Ausschüssen erarbeiteten die Jugendlichen zunächst Resolutionen, die sie anschließend dem gesamten Plenum vorstellten und zur Abstimmung brachten. Nicht jeder Entwurf fand eine Mehrheit – doch genau darin lag der Lerneffekt. Die Teilnehmenden erlebten hautnah, dass politische Prozesse auf europäischer Ebene von Verhandlungsgeschick, Kompromissbereitschaft und dem Ringen um gemeinsame Positionen leben. Die Themenpalette, mit der sich die Nachwuchsparlamentarier auseinandersetzten, war dabei bemerkenswert breit gefächert. Auf der Tagesordnung standen Resolutionen zu Rassismus, Pressefreiheit im digitalen Zeitalter, hybriden Bedrohungen und der Rolle der Europäischen Union im Welthandel. Ebenso wurde über europäische Technologie-, Klima-, Energie-, Weltraum- und Bildungspolitik debattiert.

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Einen besonderen Akzent setzte die mittlerweile zur Tradition gewordene Fishbowl-Diskussion. Diesmal stellten sich die Bundestagsabgeordneten Chantal Kopf von den Grünen und Tilman Kuban von der CDU den Fragen der Jugendlichen. Das Gespräch ging weit über Höflichkeitsfloskeln hinaus: Neben persönlichen Erfahrungen aus dem politischen Alltag diskutierten die Parlamentarier mit den Schülerinnen und Schülern über Atomkraft, Rüstungspolitik, ein mögliches Tempolimit auf Autobahnen und ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Gerade diese direkte Begegnung zwischen gewählten Volksvertretern und politisch interessierten Jugendlichen machte greifbar, dass der Weg in die aktive Mitgestaltung kürzer sein kann, als viele denken.

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Das Modell Europa Parlament wird seit 2001 unter der Schirmherrschaft der jeweiligen Bundesratspräsidentschaft durchgeführt und ist Teil eines europaweiten Dialogs zwischen Politik und Jugend. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt aus dem EU-Programm „Erasmus plus“. Darüber hinaus tragen das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung sowie der Bundesrat selbst dazu bei, dass die Simulation jedes Jahr aufs Neue stattfinden kann. Für die rund 170 Teilnehmenden dürfte die Erfahrung, im Plenarsaal des Bundesrates über europäische Zukunftsfragen abgestimmt zu haben, weit über den Schulunterricht hinaus nachwirken.

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