Die Venture-Capital-Tochter des Bosch-Konzerns steigt erneut bei Quantum Motion ein – diesmal im Rahmen einer 160 Millionen US-Dollar schweren Series-C-Finanzierungsrunde. Für das Londoner Deep-Tech-Startup ist es der bislang größte Kapitalzufluss, für Bosch Ventures die Fortsetzung eines Engagements, das bereits 2023 mit der Anführung der 50 Millionen Dollar umfassenden Series-B-Runde begann. Die jüngste Runde wird gemeinsam von den Investoren DCVC und Kembara angeführt, weitere Mittel kommen von der British Business Bank, Firgun sowie bestehenden Geldgebern.
Quantum Motion verfolgt einen Ansatz, der sich grundlegend von vielen Wettbewerbern im Quantencomputing unterscheidet. Statt auf exotische Materialien oder aufwendige Spezialtechnik zu setzen, baut das Unternehmen seine Quantencomputerarchitektur auf industrieüblichen Siliziumtransistoren auf – also genau jener Technologie, die bereits das globale Halbleiterökosystem trägt. Dieser Weg verspricht nach Angaben des Startups eine bis zu hundertfache Reduktion bei Kosten und Platzbedarf sowie einen bis zu tausendfach geringeren Energieverbrauch gegenüber alternativen Quantencomputing-Technologien. Die Systeme sollen in herkömmlichen Rechenzentren betrieben werden können, ohne dass spezialisierte Infrastruktur nötig wäre.
Gerade der Aspekt der Energieeffizienz dürfte ein wesentlicher Treiber hinter dem Investment sein. Der Stromhunger moderner Rechenzentren – befeuert durch den Boom bei künstlicher Intelligenz – gehört zu den drängendsten Herausforderungen der digitalen Infrastruktur. Quantencomputer, die sich in bestehende Serverfarmen integrieren lassen, ohne den Energiebedarf weiter in die Höhe zu treiben, könnten hier einen entscheidenden Unterschied machen. Genau dieses Potenzial sieht offenbar auch Bosch Ventures. „Durch den Einsatz von Silizium bringt das Team Quantencomputing auf einen technologisch überzeugenden und wirtschaftlich nachhaltigen Entwicklungspfad“, erklärte Co-Geschäftsführer Dr. Ingo Ramesohl. Man freue sich, Quantum Motion als verlässlicher Partner bei der Weiterentwicklung dieser Schlüsseltechnologie in Richtung industrieller Anwendungen zu unterstützen.
Auch auf Seiten des Startups wird die Partnerschaft mit dem Stuttgarter Technologiekonzern als strategisch bedeutsam eingestuft. CEO und Mitgründer James Palles-Dimmock betonte, Bosch Ventures bringe neben tiefem technischen Verständnis auch Erfahrung bei der Skalierung von Deep-Tech-Unternehmen mit. „Die erneute Unterstützung – gemeinsam mit dieser herausragenden Investorengruppe – bestätigt unsere gemeinsame Überzeugung, dass siliziumbasiertes Quantencomputing der skalierbarste und energieeffizienteste Weg nach vorn ist“, sagte Palles-Dimmock. Gemeinsam wolle man den Übergang von Quantencomputing aus dem Labor hin zu realen, wirkungsvollen Anwendungen beschleunigen.
Das Investment reiht sich in eine breitere Innovationsoffensive des Bosch-Konzerns ein. Erst kürzlich hatte das Unternehmen die Erweiterung seiner Einheit Bosch Business Innovations angekündigt, die neue Geschäftsfelder aus dem Konzern heraus entwickelt. Während Bosch Ventures gezielt in externe Startups investiert und deren Technologien beim Wachstum begleitet, ergänzt Bosch Business Innovations diesen Ansatz durch interne Gründungsinitiativen. Beide Einheiten zusammen sollen die Innovationskraft des Konzerns aus unterschiedlichen Richtungen stärken.
Für Quantum Motion markiert die Series-C-Runde einen Wendepunkt auf dem Weg vom Forschungsprojekt zum industrietauglichen Produkt. Das 2017 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in London und arbeitet daran, Quantencomputer so weit zu miniaturisieren und zu standardisieren, dass sie sich nahtlos in bestehende digitale Infrastrukturen einfügen. Mit dem frischen Kapital soll die Entwicklung der nächsten Gerätegeneration vorangetrieben werden – mit dem erklärten Ziel, Quantencomputing aus der Nische der Grundlagenforschung in die breite industrielle Anwendung zu überführen.























