„Der Tod von Siegfried Thiel ist eine traurige Nachricht für die Volkshochschule St. Ingbert, insbesondere für alle die treuen Besucherinnen und Besucher seiner philosophischen Veranstaltungen, verliert die Volksschule doch mit ihm einen ebenso kompetenten wie beliebten Dozenten. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist das Philosophie-Angebot der VHS mit seinem Namen verbunden. Nach mehreren anderen Versuchen im früheren Jahrzehnten der VHS ist es Siegfried Thiel gelungen, das zarte Pflänzchen Philosophie endlich erfolgreich im Bildungsangebot unserer Volkshochschule zu installieren. Dass diese erfreuliche Entwicklung möglich war, liegt einerseits daran, dass Siegfried Thiel die Themen seines philosophischen Arbeitskreises stets sorgsam und wohlüberlegt gewählt hat, gewiss aber auch daran, wie er mit seinem ganz persönlichen pädagogischen Sensus andere für lebensnahes philosophisches Denken, Fragen und Hinterfragen interessieren konnte. Er wollte nicht dozieren, das war nicht seine Art, er wollte nicht bei vermeintlichen Gewissheiten verharren. Er wollte vielmehr im Gespräch mit anderen, im dialogischen Miteinander sich der Erkenntnis nähern. Insofern hat er sich an den Prinzipien des Gründervaters der europäischen Philosophie, an Sokrates, orientiert, der seine philosophischen Bemühungen mit der Hebammenkunst verglich und sich sozusagen als Geburtshelfer beim Denken und Erkennen verstand.

Das waren für Siegfried Thiel selbstverständliche Prämissen, von denen aus er seine Themen wählte. Und diese Themen waren vielfältig, ob es nun um Platons Dialoge, die Nikomachische Ethik des Aristoteles, um Arthur Schopenhauer oder Hannah Arenolt, um Hans Georg Gadamer oder Martin Heidegger ging. Besonders beliebt und gefragt waren seine sonntäglichen Matineen unter dem Motto „Philosophie im Gespräch“, Matineen, die dann gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei einem Restaurantbesuch fortgesetzt werden konnten. Besonderen Zuspruch fanden auch die von ihm organisierten philosophischen Wochenend-Seminare im Kloster Himmerod. Gelegentlich gab es auch „philosophische Picknicks“ im Biosphärenreservat.

Alle, die Interesse zeigten, waren bei Siegfried Thiels Veranstaltungen willkommen. Seine gewinnende freundliche Art, seine humorvolle Natürlichkeit ließen bei niemand Schwellenangst zu. Auch in dieser Hinsicht war er für die Volkshochschule als Referent und Dozent prädestiniert.

Auch als Mitglied des Beirates der VHS hat Siegfried Thiel mit Engagement die Arbeit der Volkshochschule gefördert. Auch dafür gebührt ihm Dank.“

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