Anzeige

Kinder in Deutschland fahren gern Fahrrad – doch auf dem Weg zur Schule oder zur Kita lassen viele von ihnen das Rad stehen. Zu gefährlich, zu viel Verkehr, zu wenig geschützte Wege: So lautet das Fazit des Fahrrad-Monitors 2025, der erstmals auch die jüngsten Verkehrsteilnehmer systematisch in den Blick nimmt. Die repräsentative Studienreihe des SINUS Instituts, seit 2009 vom Bundesministerium für Verkehr gefördert und alle zwei Jahre veröffentlicht, liefert damit in ihrer neunten Ausgabe ein deutlich erweitertes Bild der Radmobilität in Deutschland.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder nutzte die Veröffentlichung für einen klaren Appell an Länder und Kommunen: „Erstmals liefert der Fahrrad-Monitor Erkenntnisse, wie Kinder Radfahren in unserem Land erleben. Die Umfrage zeigt, dass vor allem positive, früh gewonnene Erfahrungen auf dem Rad Voraussetzung für eine langfristige Fahrradnutzung sind.“ Nur eine sichere und gut ausgebaute Infrastruktur ermögliche es Kindern, unbeschwert das Radfahren zu erlernen. Schnieder empfahl den zuständigen Stellen, ihre Maßnahmen konsequent an den Bedürfnissen der jungen Generation auszurichten, „um die Radverkehrsinfrastruktur noch attraktiver und sicherer zu machen“.

Die Zahlen der neuen Kinderbefragung, die sechs- bis 13-Jährige und deren Eltern einbezog, untermauern diese Forderung eindrücklich. 88 Prozent der Rad fahrenden Kinder geben an, gern auf dem Sattel zu sitzen – besonders die Jüngeren und jene, deren Eltern selbst regelmäßig in die Pedale treten. Gleichzeitig offenbaren die Daten eine markante Lücke zwischen Freizeitvergnügen und Alltagsnutzung: Das Fahrrad kommt bei Kindern weit überwiegend in der Freizeit zum Einsatz, während der Schulweg oder der Weg zur Kita deutlich seltener radelnd zurückgelegt wird.

Die Gründe dafür benennen die Kinder selbst erstaunlich klar. 75 Prozent fühlen sich im motorisierten Verkehr unsicher, 78 Prozent haben dabei besonders vor großen Fahrzeugen Respekt. Zu viel Verkehr stört 57 Prozent, mangelhafte Radwege bemängeln 41 Prozent, und 35 Prozent beklagen, dass Radwege schlicht fehlen. Diese Hindernisse wirken sich langfristig aus, denn der Fahrrad-Monitor belegt einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen dem Alter beim Erlernen des Radfahrens und der späteren Nutzung: Kinder, die bereits mit zwei bis drei Jahren – etwa über ein Laufrad – erste Erfahrungen sammelten, fahren später zu 81 Prozent regelmäßig Rad. Wer hingegen erst mit 8 Jahren lernte, kommt nur auf 57 Prozent regelmäßige Nutzung.

Anzeige

Auch bei den Erwachsenen und Jugendlichen zwischen 14 und 69 Jahren zeigt die Studie eine stabile bis leicht wachsende Radbegeisterung. 80 Prozent der Menschen in Deutschland bezeichnen sich selbst als Radfahrerin oder Radfahrer, 41 Prozent nutzen Fahrrad oder Pedelec regelmäßig – ein leichter Anstieg gegenüber den 39 Prozent aus dem Jahr 2023. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt zudem an, das Rad künftig noch häufiger nutzen zu wollen. Damit bleibt das Fahrrad das Verkehrsmittel mit dem größten subjektiven Wachstumspotenzial.

Doch auch unter den Erwachsenen trübt das Sicherheitsgefühl die Bereitschaft, öfter aufzusteigen. Rund vier von zehn Radfahrenden fühlen sich im Straßenverkehr unsicher. Als Hauptursachen nennen sie hohes Verkehrsaufkommen, überhöhte Geschwindigkeiten und rücksichtsloses Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine übersichtliche, vom motorisierten Verkehr getrennte Infrastruktur nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern generationenübergreifend eine zentrale Voraussetzung für regelmäßiges Radfahren darstellt.

Ein positives Signal liefert die Studie beim Thema Verkehrserziehung: 85 Prozent der Kinder zwischen zehn und 18 Jahren haben den Fahrradführerschein erworben, der in der Regel in der vierten Klasse abgelegt wird. Er bescheinigt, dass die jungen Radlerinnen und Radler die wichtigsten Verkehrsregeln kennen und ihr Fahrrad sicher beherrschen. Ob dieses Wissen im Alltag auch tatsächlich zum Einsatz kommt, hängt allerdings maßgeblich davon ab, ob die Wege vor der Haustür das Radfahren zulassen – oder ob Kinder und Eltern am Ende doch lieber ins Auto steigen, weil ihnen die Straße zu unsicher erscheint.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein