Wenn Neuntklässler im Unterricht über Lootboxen, In-Game-Käufe und Glücksspielmechaniken sprechen, dann ist das kein Ausflug in die Freizeitwelt, sondern Teil eines neuen Bildungsangebots. Am Saarpfalz-Gymnasium in Homburg steht am 3. und 4. Februar 2026 zum ersten Mal „Gaming und Gambling“ offiziell auf dem Stundenplan – eingebettet in ein Modellprojekt, das digitale Lebenswelten von Jugendlichen in den Mittelpunkt rückt.
Unter dem Titel „SMART CAMP – create & play responsibly“ holt das Saarland ein bundesweit etabliertes Präventionsformat des Digitalbildungsunternehmens BG3000 an die Schulen. Träger des Projekts ist Saartoto, das damit ein zweitägiges Camp am Saarpfalz-Gymnasium ermöglicht. Die Schirmherrschaft übernimmt Christine Streichert-Clivot, Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes. Das Camp in Homburg ist Teil einer dreiteiligen Reihe im Land und knüpft an das Digitale-Bildung-Gesetz (DiBiG) an, das vor wenigen Monaten in Kraft getreten ist.
Ziel der Reihe ist es, Chancen und Risiken der digitalen Spielewelt verständlich zu machen – vom verantwortungsvollen Umgang mit Gaming bis zur klaren Abgrenzung zu Glücksspielangeboten. „Digitale Bildung ist für uns kein Zusatzangebot, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Schule. Mit dem Gesetz zur digitalen Bildung schaffen wir im Saarland verbindliche Rahmenbedingungen, damit alle Kinder und Jugendlichen – unabhängig vom Elternhaus – Zugang zu zeitgemäßer digitaler Infrastruktur und zu hochwertigen Lernmitteln erhalten“, erklärte Bildungsministerin Streichert-Clivot. Gleichzeitig gelte der Grundsatz „Befähigung statt Verbote“. Kinder und Jugendliche sollten lernen, digitale Angebote kritisch zu reflektieren, ihre Grenzen zu erkennen und sich sicher in digitalen Räumen zu bewegen. „Genau hier setzt das SMART CAMP an: Es stärkt Medienkompetenz, fördert digitale Mündigkeit und schützt junge Menschen vor Risiken im Netz. So verbinden wir konsequent moderne Bildungsarbeit mit wirksamem Jugendmedienschutz und machen digitale Bildung im Saarland pädagogisch verantwortungsvoll und zukunftsfest“, so Streichert-Clivot.

Am Camp in Homburg nehmen 60 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 teil. Sie beschäftigen sich an beiden Tagen mit einem sicheren und vor allem gesunden Umgang mit digitalen Möglichkeiten. Saartoto versteht das Engagement als Beitrag zur Umsetzung des neuen Landesrahmens für digitale Bildung und zur Stärkung digitaler Mündigkeit im Saarland. Die Geschäftsführer Stefan Pauluhn und Peter Strobel ordnen das Projekt als Teil einer verantwortungsbewussten Glücksspielpolitik ein: „Als Landeslotterie tragen wir Verantwortung – nicht nur für ein sicheres, reguliertes Spiel, sondern auch für Aufklärung und Prävention. Kinder und Jugendliche bewegen sich täglich in digitalen Spielwelten und stoßen dabei auf Angebote, die nicht dem deutschen Jugend- und Verbraucherschutz unterliegen. Unser Anliegen ist es, frühzeitig zu sensibilisieren, statt erst im Krisenfall zu reagieren. Gaming zu verteufeln bringt nichts – entscheidend ist, einen reflektierten Umgang zu lernen. Im SMART CAMP werden Jugendliche genau dazu befähigt: Risiken erkennen, Grenzen ziehen und ein gesundes Online-Offline-Gleichgewicht finden.“
Inhaltlich ist das Camp zweigeteilt. Am ersten Tag arbeiten Psychologinnen und Psychologen sowie Internet- und Rechtsexpertinnen und -experten mit den Jugendlichen. Themen sind Stress und Sucht in virtuellen Welten, Datenschutz und Geldspielmechaniken. Am zweiten Tag werden die Teilnehmenden selbst aktiv: In den Workshops „Next Level Gaming“, „Smart Photography“ und „Youtube – Broadcast Yourself“ entstehen eigene Medienprodukte. Sie sollen zeigen, wie digitale Inhalte verantwortungsbewusst und kreativ genutzt werden können.

Für das Saarpfalz-Gymnasium ist das Angebot eng mit dem Schulalltag verknüpft. Schulleiterin Katja Grauvogel verweist auf die Lebensrealität der Jugendlichen: „Viele Schülerinnen und Schüler bewegen sich täglich in digitalen Spielwelten und Gaming gehört ganz selbstverständlich zu ihrer Lebenswirklichkeit. Das SMART CAMP setzt genau hier an und verbindet sehr spannend fachliche Aufklärung mit praktischer Medienarbeit. Die Jugendlichen lernen, hinter die Mechanismen von Spielen und Glücksspielen zu schauen, zu verstehen, wie diese Systeme funktionieren, und entwickeln Strategien gegen Stress, Suchtgefahren und unseriöse Anbieter. Gleichzeitig erfahren sie, wie sie digitale Medien sinnvoll und kreativ nutzen können. Für uns ist das eine wertvolle Ergänzung unserer schulischen Medienbildung.“
BG3000-Geschäftsführerin Simone Stein-Lücke verweist auf die Erfahrungen mit dem Format an anderen Standorten: „Das SMART CAMP ist evaluiert und wirkt, die Schulen sind begeistert: Jugendliche verstehen, wie Gaming-Mechaniken funktionieren, erkennen Glücksspielrisiken und werden zugleich produktiv. Vom passiven Nutzer zum kreativen Gestalter – das ist der Kern unseres Ansatzes. Ein großes Dankeschön an Saartoto und Ministerin Streichert-Clivot für die Initiative, dieses Thema in Saarlands Schulen zu bringen.“

Hinter dem Projekt stehen zwei Akteure, die sich seit Jahren mit digitaler Bildung und Glücksspielregulierung befassen. Saartoto ist der staatliche Lotterieanbieter des Saarlandes und verbindet ein Spielangebot mit Jugend- und Verbraucherschutz. Prävention, Aufklärung und Compliance-Standards sind Teil der Unternehmensstrategie, die Lotterieerträge fließen in Projekte aus Sport, Kultur und Soziales. BG3000 arbeitet seit 2015 als Social-Impact-Unternehmen mit Schwerpunkt auf Medien- und Digitalkompetenz. Das Unternehmen entwickelt Bildungsprogramme für Schulen, Kommunen und Unternehmen – darunter die SMART CAMPS zur Gaming- und Gambling-Prävention sowie Module zu Datenschutz, IT-Sicherheit, Stress- und Suchtprävention, KI-Kompetenz und kreativer Medienproduktion. Ziel ist es, junge Menschen zu souveränem, verantwortungsvollem Handeln in digitalen Räumen zu befähigen und Lehrkräfte bei der Verankerung dieser Themen im Schulalltag zu unterstützen.
















