Zölle, Migration, das Ringen um europäische Integration: Es sind genau jene Themen, die derzeit politische Debatten prägen, mit denen sich Valentin Lang seit Jahren wissenschaftlich beschäftigt. Nun bringt er seine Expertise an die Universität des Saarlandes ein. Der Ökonom wurde zum Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Makroökonomie und Wirtschaftspolitik ernannt und tritt seinen Dienst zum 1. Oktober 2026 an.
Im Zentrum seiner Arbeit steht eine Entwicklung, die ganze Gesellschaften spaltet. Die Globalisierung der vergangenen Jahrzehnte habe Gewinner und Verlierer hervorgebracht, so die Ausgangsthese seiner Forschung. Während viele Menschen von offenen Grenzen, Handel und europäischer Zusammenarbeit profitiert hätten, sähen sich andere als Leidtragende und fürchteten den wirtschaftlichen Abstieg.
Aus dieser Kluft speist sich für Lang ein politisches Klima, das er präzise zu vermessen sucht. Der Ruf nach Zöllen, Einwanderungsstopps und einer Abkehr von internationaler wie europäischer Integration wird vielerorts lauter. Lang fragt nach den Zusammenhängen: Wie hängen ökonomischer Nationalismus und wachsende Ungleichheit zusammen? Und kann eine kluge Wirtschaftspolitik den negativen Folgen tatsächlich etwas entgegensetzen?
Für seine Antworten verlässt sich der Ökonom nicht auf Vermutungen, sondern auf Daten. Er wertet administrative und geografische Informationen ebenso aus wie Firmen- und Individualdaten und führt eigene Umfragen durch. Entscheidend sind dabei moderne statistische Verfahren, die es erlauben, kausale Schlüsse zu ziehen, also echte Ursache-Wirkungs-Ketten zu identifizieren statt bloßer Zufälle.
An der Saar-Universität will Lang gezielt an den Europa-Schwerpunkt der Hochschule anknüpfen. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit dem Projekt SOUNDS, dem Societal Observatory Using Novel Data Sources. Gemeinsam sollen bislang ungenutzte Datenquellen wie Satellitenbilder und Textdaten für die Globalisierungsforschung erschlossen werden. Im Blick hat der Wissenschaftler dabei vor allem die Frage, wie wirksam die einzelnen Instrumente der EU-Wirtschaftspolitik in Zeiten wiederkehrender Krisen tatsächlich sind.
Auch in der Lehre setzt Lang auf aktuelle, quantitativ-empirische Forschung. Seine Veranstaltungen zu Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und Politischer Ökonomie sollen interdisziplinär angelegt sein und verschiedene Felder der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung miteinander verzahnen.
Den fachlichen Hintergrund dafür bringt er reichlich mit. Lang studierte Ökonomie, Politikwissenschaft und Philosophie in Cambridge, Heidelberg und Paris. Nach einer Tätigkeit für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris promovierte er an der Universität Heidelberg über die politische Ökonomie internationaler Organisationen. Von 2018 bis 2020 arbeitete er als Oberassistent an der Universität Zürich, seit 2020 ist er Juniorprofessor in Mannheim. Beratend war er zudem für den Internationalen Währungsfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus und die OECD tätig.



















