Kinderschutz lässt sich nicht an einen einzigen Berufsstand delegieren. Genau diesen Gedanken stellt die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in den Mittelpunkt ihres neuen Angebots. Mit der E-Learning-Plattform „Systemischer Kinderschutz“ bündelt die Klinik erstmals Wissen für ganz unterschiedliche Fachrichtungen an einem Ort.
„Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betont Dr. Esther Strittmatter, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, die das Projekt federführend leitet. „Unser Anliegen ist es, den Kinderschutz fach- und sektorenübergreifend zu verbessern. Daher haben wir eine Plattform aufgesetzt, die alle wichtigen Aspekte und Inhalte aus der Sicht unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure bündelt.“
Das Angebot richtet sich bewusst breit aus. Studierende der Human- und Zahnmedizin, der Rechtswissenschaft, der Sozialen Arbeit und des Lehramts können sich schon früh mit dem Thema befassen und über das Wahlpflichtfach „Kinderschutz in Theorie und Praxis“ einen Schein erwerben. Der Vorteil des neuen Formats liegt in seiner Flexibilität: Die Inhalte lassen sich zeit- und ortsunabhängig im Selbststudium durcharbeiten.
Doch die Plattform denkt über den Hörsaal hinaus. Auch Fachkräfte aus Gesundheitsversorgung und Pflege, aus Jugendämtern, von Familiengerichten oder der Polizei finden hier praxisrelevantes Wissen. Vermittelt werden rechtliche Grundlagen und Schutzkonzepte ebenso wie die Rollen, Zuständigkeiten und Handlungsabläufe der beteiligten Stellen. Ziel ist es, mögliche Gefährdungslagen von Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen, korrekt einzuordnen und sicher zu handeln. Ergänzt wird das Material durch Vorlesungsvideos, Informationen zu Kinderrechten, die Kinderschutz-Hotline und Hinweise auf weiterführende Kurse.
Prof. Dr. Eva Möhler, Direktorin der Klinik, sieht in dem Angebot einen verbindenden Rahmen für alle Beteiligten. „Alle Projekt- und Kooperationspartner verfolgen das gemeinsame Ziel, eine auf Hilfe, Beteiligung und Kooperation basierende interdisziplinäre Arbeit von Fachkräften mit den betroffenen Kindern, Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen des Familiensystems aufzubauen“, erklärt sie. Die Plattform biete hierfür „einen gemeinsamen Anker und ein innovatives Studiengang-übergreifendes Lehr- und Lernformat“.
Der Zugang zur Plattform ist kostenfrei. Wer an der Universität des Saarlandes Human- oder Zahnmedizin studiert oder am Universitätsklinikum arbeitet, meldet sich über die AD-Kennung an, externe Interessierte registrieren sich als Gast. Nach erfolgreicher Lernerfolgskontrolle und ausgefüllter Evaluation lässt sich der Wahlpflichtschein im Sekretariat von Prof. Möhler abholen.
Wer den direkten Austausch bevorzugt, kann ab dem 16. Oktober 2026 an der regulären Online-Vorlesung teilnehmen, die jeweils freitags von 13 bis 14 Uhr läuft und für Studierende der Medizin, Psychologie, des Lehramts und der Rechtswissenschaft mit zwei Punkten bewertet wird. Darüber hinaus bietet die Universität ein berufsbegleitendes Zertifikat „Kinderschutz“ an. Dieses kostenpflichtige Angebot für 990 Euro startet am 15. Oktober 2026 und umfasst zwölf Online-Termine sowie einen Fachtag in Präsenz am 26. Februar 2027 auf dem Uni-Campus Saarbrücken.




















