Symbolbild - MichaelGaida/Pexels
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Eine neue Studie des Instituts Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt belegt, dass das 9-Euro-Ticket den Zugang zum Verkehrssystem und damit die Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe von Menschen mit geringen Einkommen wesentlich verbessert hat. Das Ticket ermöglichte für die Befragten vermehrte Sozialkontakte, mehr Aktivitäten außer Haus und eine verbesserte Erreichbarkeit von Angeboten der Daseinsvorsorge und führte damit insgesamt zu mehr Lebensqualität für einkommensschwache Menschen.

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Im Rahmen einer schriftlichen Haushaltsbefragung in sechs ausgewählten Erfurter Stadtteilen wurden im August 2022 durch Mobilitätsforscher der Fachhochschule Erfurt insgesamt 6.000 Fragebögen verteilt, von denen insgesamt 1.157 Fragebögen ausgefüllt zurückgesendet und ausgewertet wurden. Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor und bestätigen noch einmal das große Interesse am 9-Euro-Ticket.

Für viele Befragte ermöglicht das Ticket einen Zugang zu Mobilitätsangeboten, die sie vorher nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzen konnten. Im Rahmen der Erhebung hat sich bestätigt, dass ein Großteil der Befragten während des Ticketbesitzes häufiger unterwegs war. Dieser Effekt ist insbesondere in den unteren Einkommensschichten (unter 1.250 Euro netto im Monat) sichtbar und nimmt mit zunehmendem Einkommen der Befragten mit einem 9-Euro-Ticket signifikant ab. Zugleich konnte die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel bei den Befragten unabhängig vom Einkommen deutlich gesteigert werden. Gleichzeitig waren die Befragten vor allem weniger mit dem Pkw unterwegs, aber auch Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad wurden seltener angetreten.

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In der Summe hat der verbesserte Zugang zu Mobilität auch zu besseren Möglichkeiten für die soziale Teilhabe der Befragten geführt. Dies zeigt sich zum einen in der statistischen Analyse vor allem für die unteren Einkommensgruppen in einem höheren Maß an Freizeitaktivitäten, zum anderen zeigt die inhaltsana-lytische Auswertung der schriftlichen Kommentare aber auch eine gesteigerte Lebenszufriedenheit vieler Befragten durch vermehrte Sozialkontakte, außerhäusige Aktivitäten und die verbesserte Erreichbarkeit von Angeboten der Daseinsvorsorge. Die große Mehrheit der Befragten wünscht sich ein Nachfolgeangebot zum 9-Euro-Ticket. Die Zahlungsbereitschaft der Befragten liegt hier im Mittel bei 25 Euro pro Monat.

Dr. Claudia Hille, die die Studie am Institut Verkehr und Raum der FH Erfurt leitete, erklärt dazu: „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen es eindrücklich: das 9-Euro-Ticket hat Menschen mit geringen Einkommen vielfach einen Zugang zu Mobilität und damit gesellschaftlicher Teilhabe ermöglicht, der so vorher für sie nicht möglich war. Wenn der Fahrschein für den Weg zum Facharzt zum unüberwindbaren Hindernis wird oder Menschen einsam sind, weil die Pflege von persönlichen Kontakten sich am Ticketpreis entscheidet, dann zeigt das einen eklatanten gesellschaftlichen Missstand. Die Diskussion um ein Nachfolgeticket wird so auch zur Frage, wie gerecht wir unser Verkehrssystem gestalten wollen. Mit Blick auf die Studienergebnisse sollte eine Nachfolgeregelung sich auch an den Bedürfnissen der unteren Einkommensgruppen orientieren, denn für diese hat das Ticket einen echten Zugewinn in Sachen Lebensqualität gebracht.“

Originalpublikation: Die vollständige Studie, die von Dr. Claudia Hille und Prof. Dr. Matthias Gather, Professor für Verkehrspolitik und Raumplanung, verfasst wurde, gibt es hier zum Download: https://ivr.fh-er-furt.de/fileadmin/Dokumente/IVR/IVR_Schriftenreihe/Band_29_fin…

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