Symbolbild
Anzeige

Wenn ein Gurtschloss im entscheidenden Moment aufspringt, verliert ein Kindersitz seine einzige Daseinsberechtigung. Genau das ist bei zwei aktuell geprüften Modellen passiert. Die Stiftung Warentest warnt eindringlich vor dem Britax Römer Baby-Safe Pro in Kombination mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z sowie vor dem Axkid Minikid Core. In beiden Fällen besteht für die Kinder im Ernstfall Lebensgefahr.

„Wir raten dringend vom Gebrauch dieser Kindersitze ab“, sagt Testleiterin Sarah Vasconi. „Das Versagen von Gurtschloss oder Stützfuß beim Crash ist inakzeptabel. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ein Kindersitz bei einem Unfall das Kind schützt.“ Die Ergebnisse stammen aus einem laufenden Gemeinschaftstest mit dem ADAC und internationalen Partnern.

Anzeige

Besonders tückisch verhält sich der Britax Römer Baby-Safe Pro, der für Babys von 40 bis 85 Zentimetern Größe zugelassen ist. Im Frontal-Crashtest war die Schale geneigt in die Isofix-Basis eingeklickt. Beim Aufprall verbog sich die Babyschale stark nach hinten, die Gurtschnalle öffnete sich, die Einrasthaken brachen, und der Testdummy flog durch die Prüfkarosse. Das Problem tritt ausschließlich in der Liegeposition auf.

Für betroffene Eltern gibt es eine klare Empfehlung: „Eltern, die diese Kombination nutzen, sollten nur noch die aufrechte Position wählen oder auf den Fahrzeuggurt umsteigen“, erläutert Vasconi. Denn in aufrechter Stellung hielt der Sitz stand. Auch ohne die Basis, direkt mit dem Autogurt befestigt, bestand die Schale den Crashtest in beiden Positionen. Der Hersteller untersucht nach eigenen Angaben noch die Ursache, einen Rückruf oder kostenlosen Austausch gibt es bislang nicht.

Beim Axkid Minikid Core, zugelassen für Kinder bis zu einer Größe von 125 Zentimetern, versagte ein anderes Bauteil. Der rückwärtsgerichtete Sitz wird mit dem Drei-Punkt-Gurt befestigt. Geprüft wurde mit einem Dummy, der einem etwa sechsjährigen Kind entspricht. In geneigter Position gab der Stützfuß beim Frontalcrash so stark nach, dass das Gurtschloss samt Schrittgurt herausriss. Der Dummy schleuderte in einer halben Rückwärtsrolle über den Kopf, Beine und Körper drückten mit voller Wucht auf den Nacken.

Anzeige

„Bei einem ernsten Frontalaufprall führt das unserer Ansicht nach zu einem deutlich erhöhten Verletzungsrisiko“, so die Testleiterin. „Dieser Kindersitz sollte nicht mehr genutzt werden.“ Hier reagierte der Anbieter deutlich konsequenter: Axkid hat den Verkauf gestoppt und einen freiwilligen Rückruf eingeleitet. Betroffene Kunden werden direkt informiert und können den Sitz kostenlos tauschen, auch über ein Onlineformular. Erkennbar sind die Modelle an einer Zulassungsnummer, die mit E9 beginnt.

Die Stiftung Warentest prüft gemeinsam mit dem ADAC und weiteren europäischen Verbraucherorganisationen regelmäßig Autokindersitze. Die vollständigen Testergebnisse aller neu geprüften Modelle erscheinen Ende Oktober. Schon jetzt finden Verbraucher online mehr als 180 getestete Sitze, darunter auch sichere und bequeme Varianten für unter 100 Euro.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein