Dr. Jutta Schwan (re.) war in Begleitung ihrer Kammerzofe Henrietta zur Buchpräsentation in die Stadtbücherei gekommen. Foto: Jürgen Bost
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Silberputzen, Barockgeheimnisse und ein Buch voller verschwundener Adelssitze: In der Stadtbücherei St. Ingbert verwandelte sich eine Buchvorstellung in eine kleine Zeitreise, die das zahlreich erschienene Publikum sichtlich begeisterte. Auf Einladung des Literaturforums präsentierte Dr. Jutta Schwan den im Conte-Verlag erschienenen Band „Verborgene Schlösser und verlorene Adelssitze im Saarpfalz-Kreis“ – und brachte dafür Verstärkung aus einer anderen Epoche mit.

Denn die Herausgeberin, die stellvertretend für ihr gesamtes Rechercheteam auftrat, kam nicht allein. An ihrer Seite agierte Gästeführerin und Barockexpertin Monika Link in der Rolle der Kammerzofe Henrietta, standesgemäß kostümiert und mit feinem Gespür für den großen Auftritt. Link begann zunächst unauffällig mit dem Polieren von Silber, entpuppte sich dann aber rasch als kenntnisreiche Zeitzeugin, die mit pointierten Anekdoten aus dem höfischen Alltag den wissenschaftlichen Vortrag auflockerte. Das Zusammenspiel der beiden verlieh dem Abend eine bühnenreife Qualität, die weit über eine klassische Lesung hinausging.

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Der reich bebilderte Band selbst widmet sich den architektonischen Spuren einer kurzen, aber glanzvollen Epoche im Saarpfalz-Kreis. Neben noch erhaltenen Zeugnissen wie der Blieskasteler Altstadt oder den Adelssitzen am Würzbacher Weiher rückt das Werk auch Ruinen und längst verschwundene Bauten in den Blick. Historische Karten, Zeichnungen und Fotografien ergänzen den Text, während bildliche Rekonstruktionen einen Eindruck davon vermitteln, welche Pracht einst an diesen Orten herrschte.

Besonders eindrücklich gerieten die Passagen über Zerstörung und Rettung. Jutta Schwan schilderte, wie Johann Christian von Mannlich im Jahr 1793 zahlreiche Gemälde aus Schloss Karlsberg in Sicherheit brachte, bevor französische Revolutionstruppen das Anwesen verwüsteten. Eine Episode, die das Publikum fesselte – und die Kammerzofe Henrietta natürlich nicht unkommentiert ließ. Gerade dieses Wechselspiel zwischen historischer Einordnung und spielerischer Inszenierung machte den Reiz des Abends aus.

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Zum Ende der Veranstaltung bedankte sich Jutta Schwan beim Publikum für das lebhafte Interesse sowie bei allen Sponsoren, ohne deren Unterstützung das Buchprojekt nicht hätte realisiert werden können. ILF-Sprecher Jürgen Bost, der zuvor in die Lesung eingeführt hatte, richtete den Blick bereits nach vorn: Am Donnerstag, den 21. Mai 2026, steht in der Stadtbücherei St. Ingbert die nächste Autorenbegegnung auf dem Programm. Dann wird Barbara Leciejewski ihren Roman „Am Meer ist es schön“ vorstellen, der sich mit dem Leid auseinandersetzt, das durch die Praxis der Kinderverschickung entstanden ist.

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