Foto: Maria Müller-Lang
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Am Tag der Städtebauförderung führte die Stadt St. Ingbert ihre Besucher durch ein besonderes Gebäude. Das ehemalige Gefängnis der Stadt wurde saniert und wird in Kürze die St. Ingberter Musikschule beherbergen.

„In den Knast wollte ich schon immer mal“, lachte ein etwa 12-jähriger Trompetenschüler. „Mit der Trompete kann man da mal richtig für Aufruhr sorgen!“ Es ist schon etwas Besonderes, wenn die kleinen und großen Musikschüler von St. Ingbert nach den Sommerferien zum Musizieren in eine ehemalige Haftanstalt gehen. Aber natürlich kommen sie freiwillig und dürfen auch wieder gehen, wenn der Unterricht beendet ist.

Das alte Gebäude wurde denkmalgerecht saniert – die alten Fenster wurden nachgebildet, die Raumstruktur größtenteils beibehalten. Einige Räume kann man alternativ zu einer Tür mit Normbreite sogar durch die alten „Knasttüren“ betreten, und im Keller, wo die „lauten“ Musiker wie Blechbläser und Schlagzeuger üben werden, atmet das Gemäuer durch den ursprünglichen, atmosphärischen Sandstein.

„Der Umbau hat uns vor einige Herausforderungen gestellt“, erzählte Architekt Jan Hemmann. „Vor allem im Wandputz waren die Untergründe über die vielen Jahre seit der Errichtung des Gebäudes im Jahr 1890 sehr dick und unprofessionell gearbeitet. Hier galt es, eine haltbare und kosteneffiziente Lösung zu finden, was für Verzögerungen im Bauplan geführt hat.“ Schallschutz und Akustik standen für das Musikschul-Gebäude im Vordergrund. Alle Räume sind mit speziellem Putz und Deckenverkleidung ausgestattet, damit das Musizieren zum Vergnügen und die Ruhe der Anwohner bewahrt wird. Der barrierefreie Zugang erfolgt nicht mehr über den ursprünglichen Haupteingang, sondern über einen neuen gläsernen Anbau mit Aufzug auf der anderen Gebäudeseite.

Moderne Musikschule in geschichtsträchtigem Gemäuer

In zwei Rundgängen führten der Architekt und der Musikschulleiter Ingo Nietert am Tag der Städtebauförderung etwa 20 Besucher durch das geschichtsträchtige Gemäuer. „Ich danke allen Verantwortlichen für ihr Engagement und die professionelle Umsetzung der Sanierung. Dieses charmante Gebäude spiegelt die Geschichte von St. Ingbert wider. Die Musikschule erhält hier einen ehrenvollen Platz mit hochmoderner Ausstattung“, freute sich Ingo Nietert. Auch dankte er den Lehrkräften und Schülern der Musikschule für ihre Flexibilität, nutzen sie doch seit etwa einem Jahr eine „Zwischenheimat“ in Hassel.

Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer unterstrich das Stadtentwicklungskonzept, das hinter der Musikschulsanierung steht: „Die Sanierung des St. Ingberter Gefängnisses zur Musikschule ist Teil des neuen innerstädtischen Quartiers zwischen Alter Bahnhofstraße, Wollbachstraße und Fußgängerzone, das mit der Baumwollspinnerei als neuer Verwaltungssitz und Museum vervollständigt wird. In diesem Bereich entsteht ein toller Treffpunkt für die St. Ingberter.“

Vertreter des saarländischen Ministeriums für Inneres, Bauen und Sport, also des Fördermittelgebers, zeigten sich hoch erfreut von dem Ergebnis der Sanierung. Auch Albrecht Hauck, Beigeordneter für Kultur, Tourismus und Demografie der Stadt St. Ingbert, ist begeistert: „In dieser Musikschule finden die Musikschüler und -lehrer großartige Bedingungen vor.“ Der bisher noch fehlende Orchesterproberaum wird in der Baumwollspinnerei verfügbar sein. Bis dieser nutzbar sein wird, ist eine angemessene Übergangslösung in St. Ingbert in Vorbereitung.

Damit der Unterricht der Musikschüler unterbrechungsfrei laufen kann, ist der Einzug der Musikschule für die Sommerferien geplant.

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