An den deutschen Zapfsäulen ist Bewegung drin. Wer in den vergangenen Tagen getankt hat, dürfte den Unterschied auf der Rechnung deutlich gespürt haben – besonders Dieselfahrer. Im Schnitt zahlten sie zuletzt 9,1 Cent weniger pro Liter als noch eine Woche zuvor. Damit pendelt sich der Preis bundesweit bei 1,797 Euro je Liter ein.
Auch beim Benzin entspannt sich die Lage. Super E10 kostet im Durchschnitt aktuell 1,854 Euro pro Liter, ein Rückgang um 5,2 Cent gegenüber der Vorwoche. Das sind, wie der ADAC in seiner jüngsten Auswertung festhält, die niedrigsten Werte seit Anfang März. Für Pendler und Vielfahrer ein Lichtblick, für den Automobilclub jedoch nur ein Etappensieg.
Denn der eigentliche Treiber dieser Entwicklung sitzt deutlich tiefer in der Preiskette: am Rohölmarkt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent wird derzeit für rund 79 US-Dollar gehandelt – ein Absturz um gut zwölf Dollar binnen einer Woche. Auslöser sind das sich abzeichnende Friedensabkommen im Nahen Osten und die wieder geöffnete Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schlagadern des globalen Ölhandels.
Genau hier setzt die Kritik des ADAC an. Aus Sicht des Clubs hätten die Spritpreise weitaus deutlicher nachgeben müssen, als es bislang an den Tankstellen sichtbar ist. Das Argument lässt sich anhand eines Vergleichs nachvollziehen: Sowohl Brent-Öl als auch die Kraftstoffpreise bewegen sich derzeit auf einem ähnlichen Niveau wie Anfang März. Mit einem entscheidenden Unterschied. Damals galt der Tankrabatt noch nicht, der die Energiesteuer für Benzin und Diesel im Mai und Juni um jeweils rund 17 Cent gesenkt hat. Das Potenzial nach unten, so die Schlussfolgerung, ist also längst nicht ausgeschöpft.
Wer den Preisspielraum dennoch zu seinen Gunsten nutzen will, sollte auf die Tageszeit achten. Die günstigsten Werte liegen laut ADAC kurz vor 12 Uhr mittags. Pünktlich zur Mittagsstunde ziehen die Preise sprunghaft an, um anschließend langsam wieder zu sinken. Die Spannen sind dabei beachtlich: Im vergangenen Monat lagen zwischen dem teuersten und dem günstigsten Zeitpunkt eines durchschnittlichen Tages 14,6 Cent je Liter bei Super E10 und sogar 18,4 Cent bei Diesel.
Ebenfalls hilfreich ist der direkte Vergleich zwischen den Anbietern. Über die Spritpreis-App „ADAC Drive“ lassen sich die aktuellen Tarife der mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland rund um die Uhr abrufen. Weiterführende Marktdaten stellt der Club unter www.adac.de/tanken bereit. Ob die Zapfsäulen den nachgebenden Rohölpreis in den kommenden Tagen vollständig weiterreichen, dürfte die spannendere Frage des Sommers werden.





















