Fast eine halbe Milliarde Mal hat Schaeffler ein Bauteil gefertigt, das die meisten Autofahrer nie zu Gesicht bekommen – und das doch in Millionen Fahrzeugen seinen Dienst verrichtet. Rund 480 Millionen Nockenwellenversteller liefen seit 1996 vom Band. Nun feiert das fränkische Unternehmen am Standort Hirschaid drei Jahrzehnte Produktgeschichte.
Begonnen hat alles in Herzogenaurach. Dort ging 1996 der erste hydraulische Nockenwellenversteller in Serie, zunächst für einen Vierzylinder-Benzinmotor. Die Technik sorgt dafür, dass sich die Steuerzeiten eines Motors flexibel an den jeweiligen Bedarf anpassen lassen. Das Ergebnis: mehr Leistung, ein gleichmäßigeres Drehmoment und ein sparsamerer Betrieb – längst auch in Hybridfahrzeugen.
Matthias Zink, im Vorstand der Schaeffler AG für Powertrain und Chassis verantwortlich, sieht in der langen Serie mehr als nur eine beeindruckende Stückzahl. „Die Erfolgsgeschichte unserer Nockenwellenverstellsysteme steht beispielhaft für die Innovationskraft und Kundenorientierung von Schaeffler“, sagt er. Die stetige Weiterentwicklung helfe den Kunden, steigende Ansprüche an Verbrauch, Emissionen, Akustik und Fahrkomfort zu erfüllen. „Ob hydraulische oder elektrische Technologien – Schaeffler überzeugt mit Lösungen für unterschiedliche Antriebskonzepte und Marktanforderungen.“
Technisch stützt sich die bewährte Variante auf den Öldruck des Motors, der die Position der Nockenwelle präzise verschiebt. Je nach Motorkonzept kommen unterschiedliche Bauweisen zum Einsatz. Gemeinsam ist ihnen eine robuste Konstruktion, geringe Leckage und ein minimaler Platzbedarf. Ein Verriegelungsmechanismus in der Grundstellung sorgt für einen sicheren Motorstart.
Parallel dazu hat Schaeffler sein Angebot um eine elektrische Variante erweitert, die unabhängig vom Öldruck arbeitet und moderne Motoren für die Euro-7-Abgasnorm rüstet. Ein bürstenloser Gleichstrommotor, ein Getriebe und ein Kettenrad bilden den Kern. Weil sich die Nockenwelle so besonders schnell und genau verstellen lässt, sinken Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß gerade beim Motorstart und im Hybridbetrieb spürbar. Zugleich verbessert sich das Geräusch- und Schwingungsverhalten.
Der Weg bis hierhin war eine lange Entwicklungsarbeit. Nach dem Start der Forschung 1990 und der ersten Serie 1996 folgten ab Ende der neunziger Jahre Aufträge europäischer und nordamerikanischer Hersteller. Mit der zweiten Generation wanderte die Fertigung ab dem Jahr 2000 nach Hirschaid, das sich seither zum Dreh- und Angelpunkt der gesamten Produktgruppe entwickelte. Hier startete 2015 auch die Serienfertigung des elektrischen Verstellers.
„Hirschaid ist das Leitwerk von Schaeffler für alle weltweiten Aktivitäten im Bereich der Nockenwellenverstellsysteme“, erklärt Horatiu Dan Socaciu, Leiter des Geschäftsbereichs Ventiltriebsysteme. Von dort aus steuere das Unternehmen Weiterentwicklung, Industrialisierung und den internationalen Wissenstransfer. Das globale Netz ermögliche kurze Vertriebswege und eine enge Zusammenarbeit mit den Kunden vor Ort.
Neben Hirschaid betreibt Schaeffler sechs Werke in Europa, Nord- und Südamerika, China und Asien. Der nächste Schritt ist bereits gesetzt: 2028 soll in Indien ein weiterer Standort die Produktion aufnehmen. Dass die Technik auch jenseits des Pkw gefragt ist, zeigt der Einsatz in Nutzfahrzeugen, wo sich die Ventilsteuerzeiten über den gesamten Last- und Drehzahlbereich anpassen lassen.





















