Das Saarland macht im Bundesrat Druck gegen die geplanten Kürzungen beim Schienengüterverkehr. In der Sitzung am 16. Oktober 2026 brachte das Land einen eigenen Entschließungsantrag ein, der die Bundesregierung auffordert, die vorgesehenen Einschnitte beim Einzelwagenverkehr zurückzunehmen und stattdessen eine dauerhaft verlässliche Finanzierung zu garantieren.
Für Umweltministerin Petra Berg steht dabei weit mehr auf dem Spiel als eine einzelne Transportform. „Wer den Einzelwagenverkehr aufs Abstellgleis schiebt, gefährdet nicht nur eine Verkehrsart. Er gefährdet industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes“, warnte sie. Gerade für ein Industrieland wie das Saarland sei diese Verkehrsform unverzichtbar: Die Stahlindustrie und viele weitere Betriebe seien auf zuverlässige Schienentransporte angewiesen.
Das System des Einzelwagenverkehrs funktioniert anders als klassische Ganzzüge. Einzelne Güterwagen oder kleinere Wagengruppen verschiedener Firmen werden gesammelt, zu Zügen zusammengestellt und an ihre jeweiligen Ziele gebracht. So erhalten auch Unternehmen mit geringeren Transportmengen Zugang zur Schiene. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Der enorme Rangieraufwand, die benötigte Infrastruktur und der Personaleinsatz machen das Verfahren teuer, weshalb es sich nicht allein über die Transportpreise tragen lässt.
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik des Saarlandes an. Der Entwurf des Bundeshaushalts 2027 sieht vor, die Förderung von 384 Millionen Euro im laufenden Jahr auf 274 Millionen Euro abzusenken. Das bedeutet einen Rückgang um 110 Millionen Euro und damit knapp 30 Prozent. Für Berg ist das ein fatales Signal zur falschen Zeit.
„Unsere Industrie steht bereits unter erheblichem Wettbewerbs- und Kostendruck. Zusätzliche Belastungen beim Gütertransport können wir gerade jetzt nicht gebrauchen“, betonte die Ministerin. Fielen Angebote auf der Schiene weg, gerieten eingespielte Lieferketten ins Wanken, und im Zweifel verlagere sich der Verkehr auf die Straße. Deshalb müsse der Bund die Kürzung korrigieren und den Einzelwagenverkehr langfristig sichern.
Der saarländische Antrag fordert konkret, die Förderung ab 2027 und über das Jahr 2029 hinaus auf gesetzlicher Grundlage mindestens auf dem Niveau von 2026 festzuschreiben. Die Mittel sollen dabei vollständig und zielgerichtet dem Erhalt des Einzelwagenverkehrs zugutekommen.
Darüber hinaus verlangt das Land eine rasche Reform des Trassenpreissystems. Die Entgelte für die Nutzung der Schieneninfrastruktur müssten für alle Verkehrsarten bezahlbar bleiben, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene auf Dauer zu erhalten. Ziel der Initiative ist es, leistungsfähige Transportketten für die Industrie zu bewahren und zugleich die Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf die Schiene voranzubringen.




















