Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland zeigt nach oben: Zwischen Januar und August 2026 erteilten die Behörden grünes Licht für 169.400 Wohnungen in Neu- und Umbauten. Das entspricht einem Plus von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und nährt die Hoffnung auf eine Entspannung am angespannten Wohnungsmarkt.
Besonders deutlich fällt der Zuwachs im Geschosswohnungsbau aus. Neue Mehrfamilienhäuser, die für zwei Drittel aller Neubauwohnungen stehen, legten um 14,5 Prozent auf 90.600 genehmigte Einheiten zu. Auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern setzte sich der positive Trend fort: Hier verzeichnet die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Statistik 41.200 Wohnungen, ein Anstieg um 10,8 Prozent.
Doch die guten Zahlen täuschen nicht über die strukturellen Hürden hinweg. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, dämpft voreilige Euphorie. Zwischen Genehmigung und fertiger Wohnung liege ein langer Weg. „Der Aufwärtstrend ist erfreulich, eine heute genehmigte Wohnung ist aber erst frühestens Ende 2028 fertiggestellt“, erklärt er. Steigende Materialkosten und teurere Finanzierungen ließen viele Investoren und Bauherren vor dem Projektstart zögern.
Genau an dieser Stelle sieht Müller die Politik in der Pflicht. „Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung nicht nachlässt, für Planungssicherheit zu sorgen. Denn kurzfristig wird es nicht ohne finanzielle Hilfen gehen, um Wohnungsbauprojekte in die Wirtschaftlichkeit zu bringen“, so der Verbandschef. Das Kernproblem bleibe die Kluft zwischen Kostenmiete und Marktmiete, die viele Vorhaben schlicht unrentabel mache. Nicht jede genehmigte Wohnung werde deshalb auch tatsächlich gebaut.
Wie groß dieser Rückstau inzwischen ist, verdeutlicht ein Blick auf den sogenannten Bauüberhang. Die Zahl der genehmigten, aber nicht realisierten Wohnungen kletterte binnen zehn Jahren von 522.700 im Jahr 2015 auf 760.700. Für Müller ist damit klar, dass die Wohnraumknappheit eines der drängendsten Themen bleibt, das im Bundeshaushalt 2027 über sozialen Wohnungsbau und verlässliche Förderprogramme angegangen werden müsse.
Etwas Zuversicht verschafft der Branche die jüngste Entscheidung von Bundesbauministerin Verena Hubertz, die EH55-Plus-Förderung für bereits genehmigte Neubauprojekte aufzustocken, damit das Programm wie angekündigt bis Jahresende weiterlaufen kann. Doch Müller warnt vor der nächsten Hürde. „Die Aufstockung des EH55-Plus-Programms verschafft dem Markt etwas Luft, aber die nächste Förderlücke ab Beginn des neuen Jahres ist schon in Sichtweite“, betont er. Entscheidend sei nun, diese Lücke in den Haushaltsverhandlungen bis zum Start der neuen Förderlandschaft Mitte 2027 zu schließen.




















