Im Saarland ist eine prägende Stimme der Frauenbewegung verstummt. Am 4. Februar ist die Feministin, Autorin und Kommunalpolitikerin Marlies Krämer gestorben. Die saarländische Landesregierung würdigt sie als Frau, die über Jahrzehnte hinweg mit großer Konsequenz für Gleichberechtigung eingetreten ist und wichtige gesellschaftliche Diskussionen angestoßen hat.
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger erinnert in ihrem Nachruf an eine Kämpferin, die sich nicht beirren ließ. „Ihr ganzes Leben lang hat Marlies Krämer mit Mut, Beharrlichkeit und großer persönlicher Überzeugung für die Gleichberechtigung gekämpft – oft gegen Widerstände“, erklärte Rehlinger. Krämer habe Debatten angestoßen und vorangebracht, „insbesondere dort, wo es um die Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in unserer Sprache und in unserem Alltag ging“. Ihr Engagement habe weit über das Saarland hinaus Wirkung entfaltet und vielen Frauen Mut gemacht, für ihre Rechte einzutreten. „Ihr Wirken wird in Erinnerung bleiben und uns auch für die Zukunft eine Verpflichtung sein.“
Auch Sozialminister Magnus Jung hebt die Bedeutung von Krämers Einsatz für die Gleichstellung hervor. „Mit Marlies Krämer verliert das Land eine der engagiertesten und beharrlichsten Fürsprecherinnen für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern – auch, aber nicht nur in der Sprache“, betonte Jung. Sie sei „Feministin aus tiefster Überzeugung“ gewesen und habe sich auf ihre „ganz eigene, sympathische Art unermüdlich für die Gleichstellung von Frau und Mann“ eingesetzt.
Jung beschreibt Krämer als Persönlichkeit mit klarer Haltung und großer Standfestigkeit. „Sie wusste, wofür sie stand, und sie hatte den Mut, ihre Stimme zu erheben, wenn es darauf ankam, obwohl ihre Vorhaben und sie persönlich immer wieder auch viel Kritik aushalten mussten“, so der Minister. In ihrem ganzen Wesen sei sie „eine echte Saarländerin“ gewesen: „bodenständig, herzlich, direkt und voller Lebensnähe“. Ihre Sprache, ihre Haltung und ihr Humor seien „’saarländisch‘ im besten Sinne“ gewesen, sie sei immer nahbar und ehrlich geblieben.
Die Landesregierung verweist zudem auf die grundsätzlichen Werte, für die sich Marlies Krämer eingesetzt hat. Über viele Jahrzehnte habe sie für Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit und Frieden gestritten, ebenso für das Recht auf einen respektvollen Umgang miteinander. Damit habe sie, so die Würdigung, zentrale Grundlagen einer lebendigen Demokratie verteidigt und immer wieder eingefordert.
Für ihr Engagement wurde Marlies Krämer im Jahr 2024 von der saarländischen Landesregierung mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Auszeichnung galt ihrer außergewöhnlichen Lebensleistung und ihrem langjährigen Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft. „Die Lebensleistung von Marlies Krämer inspiriert nicht nur Frauen und Mädchen, sondern uns alle, entschlossen für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten“, erklärte Jung. „Ihr Mut, ihre Überzeugungen und ihre unverwechselbare Art werden uns fehlen – und in dankbarer Erinnerung bleiben. Mein tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihren Freunden.“
Der Nachruf der Landesregierung wurde auf Wunsch der Angehörigen erst am Tag der Beerdigung veröffentlicht. Die Trauerfeier fand im engsten Kreis statt. So blieb der Abschied von Marlies Krämer, deren Wirken weit in die Öffentlichkeit hineinreichte, ein bewusst persönlicher Moment für Familie und Freunde.




















