In Zukunft sollen in Saarbrücken mehr Streetworker eingesetzt werden.  „Obwohl es in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt in Saarbrücken einen Konsumraum gibt, spielt sich vieles weiterhin auf der Straße ab. Gerade dort müssen wir also versuchen, die Drogensüchtigen und Konsumenten harter Drogen aufzufangen und unsere Hilfe anzubieten“, so Staatssekretär und Landesdrogenbeauftragter Stephan Kolling.

Als Streetwork bezeichnet man eine Art der aktiven, zugehenden Sozialarbeit, bei der man sich betroffenen Personen in der Drogenszene annähert und versucht Hilfe zu leisten. Mit einem neuen Streetwork-Projekt in Saarbrücken sollen so insbesondere Konsumenten aufgefangen werden, die bisher nicht bekannt sind und/oder nicht im Drogenhilfezentrum versorgt werden.

Dies ist ein Ergebnis der Sondersitzung des Expertenbeirats Drogen vom heutigen Donnerstag (16. Januar), die Staatssekretär Stephan Kolling bereits Ende letzten Jahres für Januar einberufen hatte. Hintergrund war die hohe Anzahl der insgesamt 36 Drogentoten im Saarland im Jahr 2019. „Wir sind uns alle einig, dass die hohe Anzahl an Drogentoten extrem Besorgnis erregend ist. Aber es ist auch wichtig, an dieser Stelle nicht in Panik zu geraten, sondern dem Problem gemeinsam entgegen zu wirken. Wir werden die Situation genau evaluieren und die passenden Lösungsansätze finden.“ Der Expertenbeirat besteht unter anderem aus Vertretern der Polizei, des Drogenhilfezentrums, der Rechtsmedizin sowie Fachleuten aus den Bereichen Prävention und Gesundheit.

Um einen treffenden Lösungsansatz zu finden, muss zunächst festgestellt werden, um welche Personengruppen es sich bei den Drogentoten handelt. „Die Mehrzahl der Drogentoten im zu Ende gegangenen Jahr waren männliche Langzeitkonsumenten zwischen 30 und 50 Jahren, die meisten aus dem Ballungsraum Saarbrücken. Bei dem Versuch, diese „Zielgruppe bestmöglich zu erreichen und zu begleiten, wird uns das Streetwork-Projekt maßgeblich voranbringen.“, erklärt Kolling. Besonders auffällig bleibt auch der enorme Mischkonsum, bei dem nicht nur illegale Drogen, sondern auch verschreibungspflichtige Medikamente miteinander konsumiert werden. Hier gilt es Patienten, aber auch Ärzte zu sensibilisieren und auf das Potential zum Missbrauch von Medikamenten hinzuweisen.

Ein weiterhin zentrales Element bleibt das sogenannte „Naloxon-Projekt“. Dabei werden bekannte Konsumenten selbst im Umgang mit dem Medikament „Naloxon“ geschult, das eine Art Gegenmittel für Opiat-Überdosierungen ist. Besonders vielversprechend ist das Projekt, weil es direkt in der Drogen-Szene ansetzt und die Betroffenen einbezieht. Meist sind sie es auch, die zuerst zur Stelle sind und so die Chance haben, das Leben Anderer zu retten.

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