An der Grundschule Wiesbach-Dirmingen ist am Mittwoch ein Schritt gestartet worden, der den Schulalltag im gesamten Saarland spürbar verändern dürfte. Mit dem offiziellen Start des KI-Chatbots „telli“ erhalten alle Schulen im Land ab sofort Zugang zu einem eigenen System für künstliche Intelligenz – datenschutzkonform, abgesichert und speziell für den Unterricht entwickelt.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot nutzte die Vorstellung von „telli“ am 25. November 2025, um die Bedeutung des Projekts für die saarländische Bildungsstrategie einzuordnen. „Künstliche Intelligenz ist längst Teil dieser Welt geworden. Sie ist in den Zimmern unserer Schülerinnen und Schülern angekommen. Das macht deutlich: Wir haben keine Zeit zu verlieren“, sagte Streichert-Clivot. Es gehe darum, dass Kinder und Jugendliche KI nicht nur verwenden, „sondern verstehen, kritisch hinterfragen und selbstbestimmt nutzen können“.
Mit „telli“ steht nun erstmals allen Lehrkräften sowie allen Schülerinnen und Schülern im Saarland ein KI-gestütztes Lern- und Arbeitsmittel zur Verfügung, das nach Angaben des Ministeriums höchsten Datenschutzstandards entspricht. Entwickelt wurde das System im Rahmen des länderübergreifenden Projekts „Adaptives Intelligentes System (AIS)“ vom FWU – Medieninstitut der Länder – speziell für den schulischen Einsatz. Die Server stehen ausschließlich in Deutschland oder innerhalb der EU, der Zugang erfolgt über die Online-Schule-Saarland. Für die Schulen ist die Nutzung kostenfrei.
Im Unterricht soll „telli“ an vielen Stellen unterstützen. Lehrkräfte können Materialien an unterschiedliche Lernstände anpassen, strukturierte Erklärungen und Arbeitsaufträge erstellen oder organisatorische Aufgaben vereinfachen. Hinzu kommt die Möglichkeit, sogenannte Lernszenarien oder Dialogpartner anzulegen, die Schülerinnen und Schüler über zeitlich begrenzte QR-Codes erreichen. So lassen sich etwa historische Persönlichkeiten, Gesprächssituationen oder thematische Lernbegleiter simulieren und sicher in den Unterricht einbinden. „Mit ‚telli‘ schaffen wir für unsere Schulen einen geschützten Raum, in dem Künstliche Intelligenz neue innovative Möglichkeiten eröffnet“, erklärte Streichert-Clivot. Man gebe den Lehrkräften ein Werkzeug an die Hand, „das sie gezielt unterstützt – und gleichzeitig Schülerinnen und Schülern individuelle Lernwege ermöglicht“.
Der Weg zur landesweiten Einführung war vorbereitet: Seit Anfang November lief eine Pilotphase an sechs Schulen im Saarland, die eng vom Bildungscampus Saarland begleitet wurde. Mit Beginn der Pressekonferenz wurde „telli“ nun für alle Schulen freigeschaltet. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Zertifikatskurs, der rechtliche, technische und pädagogische Grundlagen für einen sicheren KI-Einsatz vermittelt und sich am EU-AI-Act orientiert. Jede Lehrkraft, die diesen Kurs absolviert hat, kann „telli“ unabhängig vom restlichen Kollegium unmittelbar einsetzen. Streichert-Clivot betonte in diesem Zusammenhang, „‚telli‘ ist deshalb kein Technikprojekt, sondern ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit und moderner Bildung im Saarland“.
Begleitend baut der Bildungscampus Saarland ein breites Fortbildungsangebot aus. Im laufenden Schuljahr stehen mehr als 80 Veranstaltungen auf dem Programm. Sie reichen von fachspezifischen Lernbausteinen über Multiplikatorennetzwerke bis hin zu monatlichen Sprechstunden und praxisnahen Unterrichtsbeispielen. Ziel ist es, KI sinnvoll in Lernprozesse zu integrieren, Lernstände transparenter zu machen und individuelle Lernwege zu eröffnen. Die Ministerin kündigte an, dass Schulen dabei „eng“ begleitet würden, „damit KI verantwortungsvoll, sicher und pädagogisch sinnvoll zum Einsatz kommt – immer mit dem Ziel, dass aus digitaler Technologie echte Zukunftschancen für alle werden“.
Auch bei der Leistungsbewertung hat das Land Leitlinien festgelegt. Grundlage ist der seit dem Schuljahr 2023/24 geltende Leistungsbewertungserlass, der KI-unterstützte Arbeitsprozesse zulässt, solange die eigenständige Leistung der Schülerinnen und Schüler klar erkennbar bleibt. KI darf demnach beim Strukturieren von Gedanken, bei Erklärungsprozessen oder als Sprachanregung helfen, sie darf aber weder komplette Aufgaben übernehmen noch Bewertungen ersetzen. Entscheidend bleibt die reflektierte Auseinandersetzung mit dem, was die KI ausgibt.
Auf Basis der Erfahrungen aus der Pilotphase will das Bildungsministerium weitere Lern- und Prüfungsbausteine entwickeln. Zudem soll ein Expertengremium aus Wissenschaft, Schule und Bildungsinstitutionen eingerichtet werden, das Empfehlungen für den Einsatz von KI im Bildungsbereich erarbeitet und für eine einheitliche Linie entlang der gesamten Bildungskette sorgt. Ein begleitendes Diskussionsforum soll Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und Schulleitungen Raum für Austausch bieten und dazu beitragen, Fragen und Sorgen rund um KI im Schulalltag offen zu thematisieren.

















