Anzeige

Die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen der russischen Invasion in die Ukraine lassen die Rezessionswahrscheinlichkeit in Deutschland spürbar ansteigen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in eine Rezession gerät, ist von 16,1 Prozent im Februar auf jetzt 23,9 Prozent gestiegen. Zudem weist das Frühwarnsystem, das die aktuell verfügbaren Wirtschaftsdaten bündelt, auch eine höhere statistische Streuung aus.

Anzeige

Dieses Maß für die Unsicherheit von Wirtschaftsakteuren wächst von 11,6 Prozent auf 16,2 Prozent. In der Summe überschreiten Rezessionsrisiko und Unsicherheit nun den Schwellenwert von 30 Prozent, daher schaltet der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator von „gelbgrün“ auf „gelbrot“. Das signalisiert zunächst für den Zeitraum von März bis Ende Mai eine „erhöhte konjunkturelle Unsicherheit“.

„Die Eintrübung im Indikator spiegelt dabei nur die allerersten wirtschaftlichen Schocks vor allem bei den Finanzmarktindikatoren wider, die der Ukraine-Krieg ausgelöst hat“, erklärt IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald. Denn insbesondere realwirtschaftliche Frühindikatoren wie Auftragseingänge oder Produktionsdaten sind im Moment erst für den Zeitraum noch vor Beginn der russischen Angriffe verfügbar. Seit Kriegsbeginn dürfte die Produktion stärker zurückgegangen sein, etwa aufgrund von unterbrochenen Lieferketten und weiter drastisch gestiegenen Energiepreisen, die Unternehmen und private Haushalte gleichermaßen treffen. „Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass sich die Inflation über die Energiepreisschocks infolge der russischen Invasion vom ohnehin hohen Niveau noch weiter beschleunigen wird“, warnt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Somit trüben sich die realwirtschaftlichen Aussichten der deutschen Wirtschaft für die kommenden Monate ein. Zudem drohen neue Lieferengpässe, deren Schärfe und Dauer vom weiteren Konfliktverlauf abhängt.“

Anzeige

Maßgeblich für den bisher messbaren Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit sind Finanzmarktdaten. So ist der IMK-„Finanzmarktstressindex“, der einen breiten Kranz von Indikatoren zusammenfasst, um 5 Prozentpunkte gestiegen. Eine Ursache dafür sind deutlich höhere Prämien für Kreditrisikoversicherungen, ein anderer die schwächeren Börsenkurse. Außerdem hat sich der Zinsaufschlag, den Unternehmen bei ihren Anleihen gegenüber Staatspapieren zahlen müssen, deutlich erhöht, was für verschlechterte Finanzierungsbedingungen spricht. Dass die Rezessionswahrscheinlichkeit nicht noch stärker angezogen hat, liegt an der zuletzt weiter gestiegenen Zahl offener Stellenangebote und dem bislang relativ freundlichen ifo-Geschäftsklimaindex, der aber ebenfalls noch nicht die Stimmung nach Kriegsbeginn abbildet.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert. Eine detaillierte Einschätzung zu den wirtschaftlichen Aussichten bietet die neue Konjunkturprognose, die das IMK am 29. März auf einer digitalen Pressekonferenz vorstellen wird.

Zum IMK-Konjunkturindikator: www.imk-boeckler.de

Anzeige
Anzeige
Vorheriger ArtikelBundesdigitalminister Wissing legt Eckpunkte zur Gigabitstrategie vor
Nächster ArtikelIn der Pandemie sind 810 Minijobs im Saarpfalz-Kreis verloren gegangen – Beschäftigte im Gastgewerbe besonders betroffen

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.