Die Nachricht vom Tod von Tarek Ehlail erschüttert weit über das Saarland hinaus.
Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent wurde am 31. August 1981 in Homburg geboren und prägte das deutsche Kino mit seiner eigenständigen Handschrift. Nun ist er im Alter von nur 43 Jahren in Folge eines Autounfalls gestorben – viel zu früh, mitten aus einem kreativen Leben heraus.
Vom Punk zur Kamera
Ehlail wuchs als Sohn einer deutschen Mutter und eines palästinensischen Vaters im Saarland auf. Schon früh fand er in der Punk-Szene eine Heimat, in der er seinen Sinn für Freiheit und Eigenständigkeit entwickelte. Viele Jahre arbeitete er in Piercing- und Tattoo-Studios und betrieb zudem Wettkampfsport im Boxen – Erfahrungen, die seine Perspektive auf Menschen und Milieus prägten, die abseits des Mainstreams standen.
2003 gründete er die Produktionsfirma Sabotakt. Von Beginn an stand sie für Projekte, die sich nicht um Konventionen scherten, sondern mit Energie und Leidenschaft erzählt wurden. Dazu gehörte auch die europaweit tourende „Sabotakt Boxparty“, ein Punk-Kampfsport-Event, das wie vieles in seinem Leben das Überraschende mit dem Radikalen verband.
Filme mit Kraft und Profil
Sein Spielfilmdebüt „Chaostage – We Are Punks!“ (2009) war ein wilder, ehrlicher Blick auf eine Subkultur. Mit „Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor“ (2011) rückte er den FC St. Pauli und das Lebensgefühl rund um den Kiez ins Zentrum einer Erzählung, die weit über Fußball hinausreichte.
Mit „VOLT“ wagte er sich an ein ambitioniertes Science-Fiction-Drama: gedreht Ende 2015, uraufgeführt 2016 beim Filmfest München, im Februar 2017 in den deutschen Kinos gestartet. In beklemmenden Bildern erzählte er von Schuld, Verantwortung und einem Europa im Ausnahmezustand. Der Soundtrack stammte von Alec Empire (Atari Teenage Riot) und verstärkte die Intensität des Films.
Auch seine Dokumentarfilme trugen eine unverwechselbare Handschrift. In „Alles in Allem“ porträtierte er die Elektropunkband Egotronic, mit „Glaubenskrieger“ begleitete er eine internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes. Immer wieder richtete er seinen Blick auf Menschen und Welten, die sonst selten im Rampenlicht standen.

Bilder zur Musik
Neben Spielfilmen und Dokumentationen realisierte Tarek Ehlail auch eine ganze Reihe von Musikvideos – ein Feld, das ihm erlaubte, seine visuelle Energie mit der Kraft von Songs zu verbinden. So drehte er unter anderem für Egotronic (Hamburg soll brennen, 2010), Slime (Gewinnen werden immer wir, 2010), Nyze feat. Bushido (Ein letztes Mal, 2009), D-Bo (Frust, 2009; Diskothek, 2009), Volkskind (Veni, Vidi, Chaostage, 2008) sowie Johnny Mauser (Die Mauer, 2013). Diese Arbeiten zeigen, wie stark Ehlail auch in der Musikkultur verwurzelt war und wie selbstverständlich er zwischen Filmkunst und Subkultur vermittelte.
Mehr als Regisseur
Neben dem Kino engagierte sich Ehlail in vielen Bereichen. 2013 veröffentlichte er das Buch Piercing is not a crime, in dem er mit 33 Anekdoten voller Humor und Selbstironie auf seine Jahre als Piercer zurückblickte. Mit seiner Sicherheitsfirma Solid baute er außerdem ein weiteres Standbein auf. Für ihn gab es nie nur einen Weg – er suchte stets neue Ausdrucksformen, neue Felder, neue Herausforderungen.
Ein Sohn des Saarlandes
Sein Lebensmittelpunkt lag in Hamburg, doch er blieb seiner Heimat tief verbunden: regelmäßig war er im Saarland, besuchte Familie und Freunde und pflegte enge Kontakte. Dass ein Filmemacher aus Homburg es schaffte, bundesweit und international Aufmerksamkeit zu gewinnen, machte ihn zu einer besonderen Stimme aus der Region. Für viele war er ein Beispiel dafür, dass man auch von hier aus groß denken und Kunst schaffen kann, die Menschen bewegt.
Erinnerung und Vermächtnis
Tarek Ehlail hinterlässt ein Werk, das mutig, eigenständig und voller Energie ist. Seine Filme, seine Musikvideos, seine Geschichten und seine Projekte zeugen von einem Menschen, der leidenschaftlich lebte und arbeitete.
Freunde, Kolleginnen und Wegbegleiter erinnern sich an seine Kreativität, seinen Humor und seine Offenheit. An jemanden, der andere inspirierte und antrieb. An einen Künstler, der mit Herz und Kraft seinen Weg ging – und dabei nie die Wurzeln im Saarland verlor.
Das Saarland verliert mit Tarek Ehlail einen außergewöhnlichen Filmemacher, das deutsche Kino eine besondere Stimme – und viele Menschen einen Menschen, der sie geprägt hat.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm nahestanden.
Lieber Tarek, wir – Stephan und Daniel von Homburg1 – kannten dich schon seit vielen Jahren, und wie du stammen auch wir aus Homburg. Viele Erinnerungen und Begegnungen verbinden uns. Dein Mut, deine Kreativität und dein unbändiger Wille, deinen eigenen Weg zu gehen, haben uns tief beeindruckt. Du hast vieles bewegt und Menschen inspiriert – weit über unsere Heimat hinaus. Wir blicken voller Respekt auf dein Leben und verneigen uns vor dem, was du geleistet hast. Danke für alles, was bleibt. Du fehlst! Daniel & Stephan





















Ich bin geschockt. Von Tareks Tod. Aber auch tief berührt von dem tollen Nachruf auf ihn. Danke dafür, ihr beiden!