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Bei der elementaren Frage nach einer angemessenen Entlohnung von Arbeit gibt es zwei Bezugsebenen: die Märkte mit ihrem Gefüge aus Angebot, Nachfrage und Produktivität sowie die Bedürfnisse der Beschäftigten. Operativ entscheidend ist jedoch auch, wovon Managerinnen und Manager sich bei der Bemessung von Löhnen leiten lassen. Hierzu liefert eine jetzt veröffentlichte Studie von Forschenden des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) neue Erkenntnisse.

Bei der elementaren Frage nach einer angemessenen Entlohnung von Arbeit gibt es zwei Bezugsebenen: die Märkte mit ihrem Gefüge aus Angebot, Nachfrage und Produktivität sowie die Bedürfnisse der Beschäftigten. Operativ entscheidend ist jedoch auch, wovon Managerinnen und Manager sich bei der Bemessung von Löhnen leiten lassen. Hierzu liefert eine jetzt veröffentlichte Studie von Forschenden des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) neue Erkenntnisse.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass das jeweilige Anreizsystem, die Arbeitserfahrung, aber insbesondere auch das Geschlecht einen Einfluss darauf haben, welchen Lohn Managerinnen und Manager für ihre Beschäftigten festlegen“, sagt Nora Szech, Professorin für Politische Ökonomie am Institut für Volkswirtschaftslehre des KIT und Autorin der Studie, die gemeinsam mit David Huber und Leonie Kühl aus ihrem Team entstand.

Mit insgesamt 500 Testpersonen – die sich in „Monteure“ und „Manager“ unterteilten – sind die Forschenden diesen Einflussfaktoren im KD²Lab des KIT nachgegangen: „Die Monteure schraubten 100 Kugelschreiber zusammen und auseinander – eine nervtötende Tätigkeit, die über eine Stunde dauerte. Die Managerinnen und Manager legten das dafür angemessene Gehalt fest. Sie konnten Beträge bis zu 21 Euro wählen. Ein Teil der Managerinnen und Manager durfte den Rest der 21 Euro für sich behalten, bei dem anderen Teil wanderte der Rest der 21 Euro zurück in den Forschungstopf,“ erläutert Szech das Versuchsszenario.

Hierbei erwiesen sich die geschlechtsbezogenen Unterschiede als besonders signifikant: „Die Manager“, so Szech, „behielten, wenn möglich, den größten Teil der 21 Euro für sich; im Schnitt zahlten sie nur 7,59 Euro aus. Ohne die Möglichkeit des Eigennutzes legten sie hingegen 11,10 Euro als Entlohnung für die Monteurinnen und Monteure fest – ein Unterschied von 46 Prozent! Managerinnen entschieden deutlich konsistenter: „Wenn sie den Rest der 21 Euro für sich behalten konnten, legten Sie 8,54 Euro als Montagelohn fest. Ging der Rest der 21 Euro an die Forschung, erachteten sie 9,44 Euro als angemessen“, berichtet die Wissenschaftlerin.

„Diverse Studien beobachten, dass Frauen selbstloser und moralischer entscheiden als Männer. Wir waren allerdings geschockt, wie drastisch die Diskrepanz hier ausfiel“, betont Szech. „Unsere Studie zeigt, dass Diversität in den Führungsetagen wichtig ist, wenn die Atmosphäre in einem Unternehmen wertschätzend sein soll und Lohnungleichheit begrenzt werden soll.“

Weitere Informationen: Die Studie „Setting „Adequate Wages for Workers: Managers‘ work experience, incentive scheme and gender matter“ von Nora Szech, Leonie Kühl und David Huber ist in der Online-Fachzeitschrift PLOS ONE erschienen. Link: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0271762

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