Pornografie, Sexting, Cybergrooming, mit Künstlicher Intelligenz gefälschte Nacktbilder und ausufernde Klassenchats – all das ist für Kinder und Jugendliche heute keine ferne Bedrohung mehr, sondern Alltag. Die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) machte diese Realität nun zum Thema eines Diskussionsabends in Saarbrücken. Unter dem Titel „Aufgeklärt statt aufgeregt“ ging es um eine Frage, die viele Eltern und Lehrkräfte umtreibt: Wie viel Schutz braucht die digitale Pubertät wirklich?
Für LMS-Direktorin Ruth Meyer steht fest, dass Verbote allein nicht genügen. „Digitale Lebenswelten sind für Kinder und Jugendliche keine Parallelwelt. Pornografische Inhalte sind jederzeit verfügbar, intime Bilder können in Sekunden verbreitet und mit KI täuschend echt manipuliert werden“, sagte sie. Wer junge Menschen wirksam begleiten wolle, müsse dort ansetzen, wo diese tatsächlich leben und kommunizieren. Neben Regulierung brauche es vor allem Aufklärung und Medienkompetenz.
Den inhaltlichen Kern des Abends lieferte Madita Oeming. Die Sexual- und Medienpädagogin, Kulturwissenschaftlerin und Autorin des Buches „Aufgeklärt statt aufgeregt“ zeigte an konkreten Beispielen, wie sich die sexuelle Entwicklung junger Menschen im digitalen Zeitalter grundlegend gewandelt hat. Ihre Botschaft war deutlich: Ob gewollt oder ungewollt – Jugendliche machen ihre sexuellen Online-Erfahrungen ohnehin. Entscheidend sei, dass Erwachsene ihnen dabei Orientierung geben.
Oeming plädierte für einen offenen und wertfreien Dialog. Themen wie Pornografie, Sexting oder Cybergrooming, so ihre Überzeugung, gehörten nicht ins Schweigen abgeschoben, sondern auf den Tisch. „Diese Themen gehören in den Unterricht und an den Frühstückstisch, auch wenn uns das herausfordert“, sagte sie. Nur wer altersgerechte Räume für Sexualität eröffne, biete Kindern und Jugendlichen auch im Netz genügend Spielraum für eine gesunde Entwicklung.
Im anschließenden Austausch verschob sich der Blick auf die Praxis. Wie können Eltern, Schulen und pädagogische Fachkräfte junge Menschen im digitalen Raum tatsächlich stützen? Klar wurde: Technischer Schutz und Regulierung bleiben wichtige Bausteine, greifen aber zu kurz, wenn sie nicht durch die gezielte Vermittlung von Medienkompetenz ergänzt werden. Schutz und Selbstbestimmung, so der Tenor, müssen zusammengedacht werden.
Anlass für den Abend war ein doppeltes Jubiläum. Am Nachmittag war der Medienkompetenzausschuss der LMS zu seiner 100. Sitzung zusammengekommen. Karin Bickelmann, Leiterin der Abteilung Medienkompetenz und Medienprojekte, ließ in einem Rückblick die Entwicklung dieser Arbeit seit den Anfängen des Medienkompetenzzentrums Revue passieren. Ihren sichtbaren Höhepunkt fand die Bilanz in der Auszeichnung von Jürgen Cibardo Bisaccia als 100.000. Teilnehmer – ein Beleg für die Resonanz, die die Angebote der Anstalt in den vergangenen 25 Jahren erfahren haben.


















