Nicht nur das Informatikstudium öffnet die Tür in die IT-Branche. Der Physiker, der komplexe Projekte begleitet, die Soziologin, die Software auf Herz und Nieren testet, oder die Bürokauffrau, die am neuen Firmenauftritt im Netz feilt – längst führen viele Wege an die Rechner der Unternehmen. Und diese Vielfalt an Lebensläufen ist für die Betriebe keine Ausnahme mehr, sondern Alltag.
Fast sieben von zehn Unternehmen mit IT-Stellen beschäftigen inzwischen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger als Fachkräfte. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die mehr als 600 Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt wurden. 31 Prozent der Betriebe greifen häufig auf Seiteneinsteiger zurück, weitere 38 Prozent zumindest vereinzelt. Der Trend dürfte sich noch verstärken: 39 Prozent planen, künftig stärker auf diesen Weg zu setzen.
Den Grund dafür bringt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst auf den Punkt. „Deutschland fehlen weiterhin Zehntausende IT-Fachkräfte, zugleich werden KI-Kompetenzen immer wichtiger“, sagt er. Seine Forderung ist konkret: ein persönliches Budget, mit dem Beschäftigte gezielt in KI-Weiterbildungen investieren können, sowie ein gefördertes Weiterbildungsbudget speziell für kleine und mittlere Unternehmen.
Wer aus einem anderen Beruf in die IT wechselt, kommt dabei selten mit leeren Händen. 80 Prozent der Firmen, die auf Quereinsteiger setzen, achten auf vorhandene IT-Erfahrung. Mehr als die Hälfte stellt Menschen ein, die sich ihr technisches Wissen in der beruflichen Praxis angeeignet haben. 35 Prozent beschäftigen Absolventen von Weiterbildungen wie Bootcamps, 30 Prozent setzen auf Autodidakten. Doch auch ganz ohne IT-Hintergrund ist der Sprung möglich: 47 Prozent der Betriebe haben Quereinsteiger mit einer fachfremden Berufsausbildung, 30 Prozent sogar mit einem IT-fernen Hochschulabschluss.
Der Weg in die Branche beginnt dabei nicht zwangsläufig außerhalb. „Quereinstieg kann auch im eigenen Unternehmen beginnen“, betont Wintergerst. Entscheidend seien echtes Talent und Interesse – und die Chance, sich weiterzubilden und in neue Rollen hineinzuwachsen. Dafür brauche es passende Angebote, mehr geförderte Programme und finanzielle Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung.
Trotz aller Offenheit für ungewöhnliche Lebensläufe bleibt das Können der Maßstab. Für 51 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen wiegen praktische Kenntnisse schwerer als formale Abschlüsse. Das bedeutet jedoch keinen Abschied vom klassischen Bildungsweg: 83 Prozent der Betriebe beschäftigen Fachkräfte mit einer IT-Berufsausbildung, und fast sieben von zehn setzen weiterhin auf Beschäftigte mit einem IT- oder IT-nahen Hochschulabschluss. Erfahrung und Ausbildung schließen sich also nicht aus – sie ergänzen sich in einer Branche, die jede Hand gebrauchen kann.



















