Foto: BVTE

Ein Griff in die eigene Asservatenkammer hat beim Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) ein echtes Fundstück zutage gefördert: eine gefälschte Marlboro-Packung, die aus einer Phase massiver Tabaksteuererhöhungen stammt. Für die wöchentliche Serie „Schmuggelzigarette der Woche“ hat der Verband diesen Cold Case nun ausgewählt. Wie und wann die Packung einst in die Sammlung gelangte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Doch fast zwei Jahrzehnte später wirkt der alte Fall überraschend brisant.

Die erste Spur liefert eine ungewöhnliche Zahl. In der Packung steckten einst 17 Zigaretten statt der üblichen 19. Genau diese Größe gab es in Deutschland nur für einen kurzen Zeitraum: Ab September 2005 bot Marlboro zeitweise 17er-Packungen an, 2006 kostete eine davon 4,00 Euro. Ab Juli 2009 waren wieder mindestens 19 Stück vorgeschrieben. Damit lässt sich der nachgeahmte Zeitraum recht präzise eingrenzen.

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Die kleinere Packung erzählt zugleich ein Stück Marktgeschichte. Zwischen 2002 und 2005 wurde die Tabaksteuer gleich fünfmal angehoben. Die Hersteller reagierten auf die Preissprünge unter anderem mit weniger Inhalt pro Schachtel. Die Folgen waren deutlich spürbar: Zwischen 2002 und 2008 brach der Absatz versteuerter Zigaretten um rund 39 Prozent ein. Parallel gewannen Ausweichkäufe und nicht in Deutschland versteuerte Ware an Bedeutung.

Auch die Verpackung selbst liefert Hinweise. Auf den ersten Blick könnte die Schachtel tatsächlich aus jener Zeit stammen. Der damals noch übliche Grüne Punkt auf dem Steuerzeichen und die alten Gesundheitswarnungen fügen sich stimmig ins Bild. Das vermeintlich deutsche Steuerzeichen entpuppt sich jedoch als Fälschung, die gesamte Verarbeitung wirkt auffällig unsauber. Ein besonders unfreiwilliges Detail: Die Angaben zu Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid stehen auf der Schmalseite kurzerhand auf dem Kopf.

Was zunächst wie ein Kuriosum aus vergangenen Zeiten erscheint, hat heute wieder handfeste Aktualität. In Deutschland werden erneut spürbare Tabaksteuererhöhungen diskutiert. Die Erfahrungen der 2000er-Jahre legen nahe, dass starke Preissprünge Verbraucher zu günstigeren Alternativen und anderen Bezugsquellen treiben können. Damit steigt auch die Gefahr, dass illegal gehandelte und nicht hierzulande versteuerte Zigaretten wieder an Boden gewinnen.

„Geschichte wiederholt sich bekanntlich nicht immer als Farce. Bei der Tabaksteuer sollten wir es besser gar nicht erst darauf ankommen lassen. Die Fehler der Vergangenheit müssen wir nicht ein zweites Mal machen“, warnt BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke. Aus dem historischen Fundstück wird so ein Lehrstück für die laufende Steuerdebatte.

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Mit der Serie „Schmuggelzigarette der Woche“ will der Verband auf die vielen Gesichter des illegalen Tabakhandels aufmerksam machen. Die Dimension ist beträchtlich: Nach aktuellen Schätzungen wird bereits jede fünfte in Deutschland konsumierte Zigarettenpackung nicht hier versteuert.

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