Darstellerpreise:
Als beste Darsteller*in werden Nina Hoss und Mišel Matičević mit einem Preisgeld von jeweils 3.000 Euro geehrt.
Nina Hoss verkörpert in „Pelikanblut“ eine Pferdetrainerin und Mutter einer adoptierten Tochter, die ein weiteres Mädchen aus Bulgarien aufnimmt. Doch das schwer traumatisierte Kind droht durch ihre Aggressivität das Leben der kleinen Familie zu zerstören. Entgegen aller Ratschläge gibt die Mutter nicht auf und kämpft bis zur Selbstaufgabe um dieses Kind. Ein mutiger, kraftvoller und bildgewaltiger Kinofilm, der von Nina Hoss getragen wird, die hier höchst sehenswert viele Facetten ihrer großen Schauspielkunst zeigt.
Ebenso zieht Mišel Matičević die Zuschauer in dem Film „Exil“ in seinen Bann. Er verkörpert den Chemieingenieur Xhafer, der vor Jahrzehnten aus dem Kosovo nach Deutschland floh, wo er heimisch geworden ist. Doch in letzter Zeit fühlt er sich immer mehr ausgegrenzt. Er leidet unter Alltagsrassismus und sein Misstrauen gegenüber Kollegen, sogar gegenüber seiner eigenen Ehefrau wächst ständig. Was ist wahr, was ist Einbildung – das ambivalente Spiel Matičevićs zieht die Zuschauer fest in den Bann und lässt gleichwohl viel Raum für die eigene Fantasie.
Preis des Saarländischen Rundfunks:
Mit dem mit 5.000 Euro dotierten Preis des Saarländischen Rundfunks wird Ralf Husmann für das Drehbuch von „Der König von Köln“ ausgezeichnet. Die auf realen Begebenheiten im Kölner Klüngel basierende Gesellschaftssatire zeigt auf, wie ein Mitarbeiter des Kölner Bauamts zum Spielball eines neureichen Baumagnaten wird und immer tiefer in einen Korruptionsstrudel gerät. Überzeugend gestaltet ist das Drehbuch von Ralf Husmann mit mal heiteren, mal bissigen Dialogen. An den richtigen Stellen platziert und geschliffen vorgetragen, treiben sie die Handlung um Geld, Gier und Macht voran und sorgen für etliche brillante Szenen. Der Spagat zwischen wahren Gegebenheiten und Fiktion durch charismatische Figuren ist Ralf Husmann gemeinsam mit dem Regisseur Richard Huber hervorragend gelungen.
Preis der Saarland Medien GmbH:
Moritz Schultheiß erhält den mit 3.500 Euro dotierten Preis der Saarland Medien GmbH. Als Kameramann zeichnet dieser verantwortlich für die gewaltige Bildsprache im Mutter-Tochter-Drama „Pelikanblut“. Dem Kameramann gelingt es, die aufopfernde Mutterliebe ebenso wie die von dem kleinen Mädchen ausgehende, gänzlich emotionslose Gefahr in nachhaltigen Bildern einzufangen. Insbesondere die mystische Auflösung lässt dem Zuschauer viel Raum für Interpretation und erzeugt so große Spannung.
Preis des Oberbürgermeisters:
Mit dem Preis des Oberbürgermeisters (2.500 Euro) wird Alina Serban geehrt. In „Gipsy Queen“ verkörpert sie eine starke, mutige, alleinerziehende Mutter, die von ihrer Roma-Familie verstoßen wurde und infolgedessen nach Deutschland kommt. Früher war sie selbst eine ambitionierte Nachwuchsboxerin und wagt mit Hilfe des Boxtrainers Tanne (Tobias Moretti) in Hamburg ein Comeback. Mit der Kraft der Verzweiflung kämpft sie gegen Rassismus und um eine bessere Zukunft für ihre Kinder. Alina Serban verkörpert im wahrsten Sinne eine starke Frau und trägt diesen Film mit ihrer großen physischen Präsenz.
Die Auswahl:
Die Preisträgerjury 2020 bestand neben dem Jurypräsidenten und amtierenden Präsidenten der Deutschen Filmakademie, Ulrich Matthes, aus der Schauspielerin Franziska Weisz sowie Andrea Etspüler (Saarländischer Rundfunk), Thomas Reinhardt (Saarbrücker Zeitung), Uli Aselmann (die film gmbh), Ulrich Höcherl (Blickpunkt:Film) und dem Vorsitzenden der Günter Rohrbach Filmpreis Stiftung, Jürgen Fried.
56 Filme sind 2020 eingereicht worden. Die Vorjury um Gabriella Bandel, Melanie Mai, Barbara Wackernagel-Jakobs, Marisa Winter und Christian Bauer hat daraus acht Filme für die Endausscheidung ausgewählt.
Über den Günter Rohrbach Filmpreis:
Prof. Dr. Günter Rohrbach zählt zu den erfolgreichsten Filmproduzenten in Deutschland. Mit Filmen von Format wurde er im Laufe seiner fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere einer der wagemutigsten, innovativsten und einflussreichsten Produzenten, dessen Weg vom Redakteur des WDR über den Studiochef der Bavaria und Professor an der HFF München zum Präsidenten und jetzigen Ehrenpräsidenten der Deutschen Filmakademie führte.
Seit 1961 hat er Film- und Fernseharbeiten von Weltruf produziert, junge Talente gefördert, mit Studioarbeiten Maßstäbe gesetzt und die heimische Filmindustrie wohlwollend kritisch begleitet. Zu seinen Filmen zählen internationale Erfolgsproduktionen wie „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“ und „Die weiße Massai“, Höhepunkte der Fernsehgeschichte wie „Berlin Alexanderplatz“ und nationale Kinohits wie „Die Apothekerin“, „Rennschwein Rudi Rüssel“ und „Schtonk“.
Der nach dem gebürtigen Neunkircher benannte Preis wurde 2011 zum ersten Mal vergeben und jährt sich 2020 zum zehnten Mal. Am Wettbewerb können deutschsprachige Spielfilme mit einer Länge von mindestens 80 Minuten teilnehmen, die in den Themenbereich „Arbeitswelt und Gesellschaft“ gehören.





















