Start Gesundheit&Fitness Gefährlicher Trugschluss – Grippeimpfquote bei Senioren im Saarland bricht ein

Gefährlicher Trugschluss – Grippeimpfquote bei Senioren im Saarland bricht ein

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Symbolbild

Nicht einmal vier von zehn Saarländerinnen und Saarländern über 60 lassen sich gegen Grippe impfen – obwohl die Ständige Impfkommission genau das für diese Altersgruppe ausdrücklich empfiehlt. Der aktuelle Arzneimittelreport der BARMER offenbart eine Impfquote von lediglich 37,8 Prozent unter den ab 60-jährigen Versicherten im Saarland für das Jahr 2023. Damit liegt das Bundesland sogar noch unter dem ohnehin niedrigen Bundesdurchschnitt von 40,8 Prozent.

Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland, macht die Dringlichkeit deutlich: „Die Grippeimpfung rettet Leben, denn eine Grippe kann besonders für Ältere sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich verlaufen und sogar tödlich enden.“ Die Impfung senke nicht nur das Risiko einer Erkrankung, sondern erhöhe auch die Chancen auf einen milderen Verlauf. Der einzige wirksame Schutz gegen die Grippe bleibe die allgemein gut verträgliche Impfung.

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Besonders alarmierend ist der Trend, den die Zahlen zeichnen. Noch im Jahr 2020 lag die Quote bei 48,4 Prozent – seitdem sinkt sie kontinuierlich. 2021 waren es 44,8 Prozent, ein Jahr später nur noch 39,8 Prozent, bevor der Wert 2023 auf den bisherigen Tiefstand fiel. Innerhalb von drei Jahren hat das Saarland also mehr als zehn Prozentpunkte bei der Grippeimpfung eingebüßt, eine Entwicklung, die angesichts der demografischen Struktur des Landes Fragen aufwirft.

Auffällig ist zudem das Gefälle innerhalb der Altersgruppen. Bei den 60- bis 64-Jährigen lag die Impfquote 2023 bei mageren 23,2 Prozent. Erst mit steigendem Alter wächst offenbar das Bewusstsein für den Schutz: Unter den ab 90-Jährigen waren immerhin 49,2 Prozent geimpft. Dass ausgerechnet die jüngeren Seniorinnen und Senioren den Grippeschutz vernachlässigen, könnte daran liegen, dass sie sich noch nicht als besonders gefährdet wahrnehmen – ein Trugschluss, wie Mediziner immer wieder betonen.

Grippeviren verändern sich permanent, weshalb der Impfstoff jedes Jahr neu angepasst werden muss. Eine einmalige Impfung reicht also nicht aus, der Schutz muss jährlich erneuert werden. Die Ansteckung erfolgt vor allem über Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen. Doch auch über die Hände können die Erreger weitergegeben werden, wenn diese mit virushaltigen Sekreten in Kontakt kommen und anschließend Mund, Nase oder Augen berührt werden.

Wer befürchtet, sich eine Grippe eingefangen zu haben, sollte die typischen Warnsignale kennen. Charakteristisch ist ein plötzlicher Beginn mit starkem Krankheitsgefühl, Frösteln, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen und Hustenreiz. Im weiteren Verlauf kommen häufig hohes Fieber, Hals- und Gliederschmerzen sowie trockener Husten und Heiserkeit hinzu. „Wer den Verdacht hat, an einer Grippe zu leiden, sollte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben“, rät Kleis. Betroffene sollten die Erkrankung vollständig auskurieren, Bettruhe einhalten, viel trinken und körperliche Anstrengungen erst nach völliger Genesung wieder aufnehmen.

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Die Daten des Reports basieren auf anonymisierten Abrechnungsinformationen der BARMER aus den Jahren 2017 bis 2023, ausgewertet von der PMV forschungsgruppe an der Uniklinik Köln. Berücksichtigt wurden dokumentierte Grippeimpfungen in der ambulanten ärztlichen Versorgung sowie in Apotheken. Für das Jahr 2023 flossen die Daten von 44.809 saarländischen BARMER-Versicherten ab 60 Jahren in die Analyse ein – eine Stichprobe, die zwar nur einen Ausschnitt der Gesamtbevölkerung abbildet, aber als verlässlicher Indikator für die Impfbereitschaft im Land gilt.

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