A group of people sitting at tables in a restaurant
Symbolbild - Foto: Negley Stockman
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Im Saarpfalz-Kreis haben Beschäftigte im vergangenen Jahr rund 2,4 Millionen Überstunden geleistet. Davon waren etwa 1,3 Millionen unbezahlt. Diese Zahlen gehen aus dem „Arbeitszeit-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat.

Besonders betroffen ist die Gastronomie. Köche, Servicekräfte und Barkeeper kamen nach den Berechnungen allein auf rund 29.000 Überstunden. Mehr als die Hälfte dieser Stunden blieb unvergütet. Die NGG Saar warnt, dass sich dieser Trend weiter verschärfen könnte, sollte die Bundesregierung tatsächlich eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes umsetzen.

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„Schwarz-Rot will eine wöchentliche Höchstarbeitszeit und den 8-Stunden-Tag abschaffen. Betriebe könnten von ihren Beschäftigten dann verlangen, auch zehn, elf oder in der Spitze sogar 12 Stunden und 15 Minuten pro Tag zu arbeiten“, sagt Tobias Wolfanger von der NGG Saar.

Schon jetzt seien Extremwochen mit bis zu 60 Arbeitsstunden erlaubt. „Doch noch schlimmer wird es, wenn die Bundesregierung jetzt tatsächlich ans Arbeitszeitgesetz Hand anlegt und den 8-Stunden-Tag kippt. Dann würde nämlich nur noch das europäische Recht ein Wochen-Limit für die Arbeitszeit setzen. Und das wäre brutal: Arbeitgeber könnten ihre Beschäftigten dann sogar zu 73,5-Stunden-Wochen verdonnern – nämlich zu sechs Tagen à 12 Stunden und 15 Minuten im Job. Das wäre fast das doppelte Wochen-Pensum von heute – und damit Arbeitszeit-Stretching pur“, so Wolfanger.

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Der Geschäftsführer der NGG Saar warnt vor gesundheitlichen Risiken und Auswirkungen auf das Privatleben. „Viele Arbeitgeber im Saarpfalz-Kreis würden das hemmungslos ausnutzen. Es drohen dann völlig überladene Arbeitswochen, bei denen man die Stunden, in denen man nicht schläft, fast komplett im Job oder auf dem Weg zur Arbeit verbringt. Das macht Menschen dann aber fix und fertig. Außerdem würde dabei ein Riesenberg an Überstunden auflaufen. Und ans Abfeiern der Überstunden ist sowieso nicht zu denken – bei dem Fachkräftemangel, der eigentlich überall herrscht.“

Er spricht von einem „Arbeitszeit-Monopoly“ der Bundesregierung: „Das ist wilde Zeit-Zockerei. Für Beschäftigte bedeutet das: Arbeiten bis ans Limit – und darüber hinaus.“ Besonders gefährlich sei, dass nach acht Stunden die Unfallgefahr rapide steige und lange Arbeitstage Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Burnout begünstigten.

Auch die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege gerate ins Wanken. „Denn wer holt die Kinder dort ab, wenn die Schicht zwölf Stunden geht?“, fragt Wolfanger. Er verweist auf Zahlen der Arbeitsagentur, wonach im Saarpfalz-Kreis 62 Prozent aller Teilzeitstellen von Frauen besetzt sind. Noch längere Arbeitstage würden vor allem Mütter belasten und das klassische Alleinverdienermodell weiter stärken.

Statt längeren Arbeitstagen brauche es bessere Rahmenbedingungen, sagt die NGG. „Gute Arbeitsbedingungen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, systematische Qualifizierung und mehr Ausbildung. Das sind die richtigen Hebel für mehr Fachkräfte. Verschiebereien bei der Arbeitszeit sind nichts anderes als das Löcherstopfen bei einer zu dünnen Personaldecke“, so Tobias Wolfanger.

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Die Gewerkschaft appelliert daher an die Bundestagsabgeordneten aus der Region, einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes eine klare Absage zu erteilen.

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