Zwei Siege, zwei Niederlagen und sechs Punkte nach vier Spieltagen: Beim FC 08 Homburg ist der Saisonstart bislang ein Wechselbad. Am kommenden Sonntag wartet um 14:00 Uhr nun das Auswärtsspiel beim Aufsteiger VfR Mannheim. Die Ausgangslage ist dabei klar: Der FCH braucht Punkte – und muss vor allem dort zulegen, wo es zuletzt gegen die Stuttgarter Kickers fehlte. Bis zum Strafraum sah vieles ordentlich aus, im entscheidenden Moment fehlten aber – die Tore.
Mental war der Mannschaft beim 0:1 gegen Stuttgart wenig vorzuwerfen. Der FCH arbeitete, hielt dagegen und blieb bis zum Ende im Spiel. Fußballerisch war aber ebenso deutlich zu sehen, wo noch Luft nach oben besteht. Roland Seitz formulierte es in der Analyse ziemlich klar: „Wir waren einfach nicht klar in den letzten Aktionen, wir waren nicht klar im Abschluss, dass wir unbedingt das Tor machen wollten.“ Bis zum Sechzehner habe seine Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit „einen sehr, sehr guten Ball gespielt“. Genau daran wurde unter der Woche gearbeitet. Seitz ließ verstärkt Torabschlüsse trainieren, damit seine Spieler wieder mehr Sicherheit bekommen. Denn gut auszusehen, bis der Strafraum erreicht ist, reicht auf Dauer nicht. „Das gehört auch zur Qualität dazu, wenn man sich Chancen herausspielt, dass man effektiv ist“, sagt der Homburger Trainer.
Ein Selbstläufer wird das beim VfR Mannheim allerdings nicht. Der Aufsteiger wartet zwar noch auf seinen ersten Saisonsieg und steht mit drei Punkten auf Rang zwölf, hat in seinen vier Spielen aber nur einmal verloren. Gegen den FSV Frankfurt gab es ein 2:2, gegen Heilbronn-Freiberg und zuletzt Freiburg II jeweils ein 0:0. Lediglich gegen Eintracht Trier musste sich Mannheim mit 1:2 geschlagen geben. Gerade die beiden jüngsten Ergebnisse sollten Warnung genug sein. Wer gegen Freiberg und Freiburg II ohne Gegentor bleibt, verteidigt nicht zufällig zweimal zu null. Seitz sieht deshalb eine „schwere Aufgabe“ auf seine Mannschaft zukommen. Mannheim habe im Sommer „extrem viele erfahrene, gute, höherklassige Spieler“ verpflichtet. Für ihn ist klar, dass der VfR nicht nur gekommen ist, um irgendwie die Klasse zu halten.
Auch Hilal El-Helwe warnt davor, den Gegner nach seinem Status als Aufsteiger zu beurteilen. „Die sind kein normaler Aufsteiger. Die haben da schon einen Plan“, sagt der Offensivspieler. Er habe sich unter anderem Mannheims 0:0 gegen Freiberg angesehen und dabei eine Mannschaft gesehen, die selbst gegen einen der Topfavoriten ihre Möglichkeiten hatte. Das Mannheimer Aufgebot wurde im Sommer mit 15 Neuzugängen deutlich verändert. Einer davon ist in Homburg bestens bekannt: Mart Ristl wechselte nach knapp sechs Jahren beim FCH zum VfR. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass sich der Aufsteiger in der Regionalliga schnell zurechtgefunden hat.
Für Homburg kommt es deshalb zunächst darauf an, das Spiel anzunehmen. El-Helwe nennt dabei gleich mehrere Punkte: „Wir müssen alles auf den Platz bringen. Von Disziplin, von Laufbereitschaft, von Ideen, Spielwitz.“ Und vor allem körperlich erwartet er eine intensive Partie: „Es geht alles über Zweikämpfe. Weil Mannheim ist ein Verein, die gehen auch ordentlich zur Sache. Da müssen wir gegenhalten.“ Der FCH muss also wieder jene Mischung finden, die beim 3:1 in Sandhausen funktioniert hat: konzentriert verteidigen, Zweikämpfe annehmen und nach Ballgewinnen schnell nach vorne spielen. Gleichzeitig wird gegen einen Gegner, der zuletzt zweimal die Null gehalten hat, die Effektivität besonders wichtig. Seitz fordert, die eigenen Umschaltmomente zu nutzen und „die Dinger auch reinzuschießen“.
Personell wird die Aufgabe allerdings nicht leichter. Frederik Schumann fällt nach seinem Kreuzbandriss langfristig aus. Auf seinen Ausfall hat der FCH unmittelbar reagiert und am Ende der Transferperiode Kristijan Taseski auf Leihbasis von den Würzburger Kickers verpflichtet. Seitz hatte den Linksverteidiger bereits im Sommer im Blick. Positiv: Taseski hat in Würzburg die komplette Vorbereitung absolviert, stand regelmäßig im Drittliga-Kader und bringt damit zumindest die körperlichen Voraussetzungen mit, um schnell eine Option zu werden. Trotzdem mahnt Seitz etwas Geduld an. Der Neuzugang müsse zunächst die Homburger Abläufe kennenlernen. Gerade das Zusammenspiel auf der linken Seite sei zuvor eingespielt gewesen. „Wir werden ihm die Zeit geben“, sagt der Trainer – auch wenn die nun anstehenden englischen Wochen dafür nicht gerade ideal sind.
Offen bleibt dagegen weiterhin die Situation im Angriff. Jacob Roden fehlt mit seinem Syndesmosebandriss noch mehrere Wochen. Anders als auf Schumanns Ausfall hat der Verein darauf bislang personell nicht reagiert. Ob sich daran noch etwas ändert, bleibt abzuwarten. Der Markt ist nach Ende der regulären Transferperiode deutlich kleiner geworden. Dass dabei auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten eine Rolle spielen, gehört zur Realität. Interessante Spieler waren zuletzt durchaus auf dem Markt, wechselten aber teilweise zu Vereinen, deren finanzielle Möglichkeiten der FCH derzeit nicht abbilden kann.
Neben Roden und Schumann fehlen weiterhin Nico Jörg sowie Michael Guthörl. Jörg befindet sich nach seiner langen Verletzung zwar wieder im Mannschaftstraining, wird aber noch Zeit benötigen, bis er wieder bei hundert Prozent ist. Guthörl fällt weiterhin mit muskulären Problemen aus. Ansonsten kann Seitz nach aktuellem Stand auf sein Personal zurückgreifen. Damit liegt die Verantwortung zunächst bei den Spielern, die zur Verfügung stehen. Und El-Helwe macht daraus keinen Hehl: „Wir wissen, dass wir Fehler gemacht haben. Wir wissen, dass wir das besser machen können. Aber das musst du halt umsetzen. Dafür sind wir alle verantwortlich.“
Nach vier Spieltagen braucht es (noch) keine Grundsatzdebatten über Tabellenplätze oder Saisonziele. Sechs Punkte sind weder ein Grund für Euphorie noch für Alarm. Ein Blick auf die bisherigen Auftritte zeigt aber auch: Der FCH hat genügend Qualität, um Spiele zu bestimmen – muss diese Qualität nur häufiger in Tore und Punkte umwandeln.
In Mannheim wäre dafür eine gute Gelegenheit. Homburg fährt auch nicht ins Rhein-Neckar-Stadion, um sich mit einem Punkt zufriedenzugeben. Seitz fordert einen „mutigen“ Auftritt und will einen Auswärtssieg. El-Helwe formuliert es ähnlich deutlich: „Wenn wir unsere Leistung so, wie wir es können, auf den Platz bringen, dann gewinnen wir auch. Dann holen wir die drei Punkte mit nach Hause.“


















