Jonas Weyand Foto: FC 08 Homburg

Die Saison ist vorbei, die Arbeit längst nicht. Während die Spieler ihre freien Tage genießen, läuft beim FC 08 Homburg hinter den Kulissen die Kaderplanung für 2026/27 auf Hochtouren. Nach Platz vier in der Regionalliga Südwest und dem verlorenen Saarlandpokalfinale steht der Verein vor einem Sommer, der mehr sein muss als reine Kaderpflege. Der FCH muss an mehreren Stellen neu sortieren, Defizite aus der vergangenen Spielzeit beheben und zugleich eine Mannschaft formen, die über eine ganze Saison konstanter funktioniert.  In der vergangenen Woche sind weitere Entscheidungen gefallen – und sie lohnen eine genauere Betrachtung.

Mit Jonas Weyand hat der FCH die vielleicht interessanteste Personalie dieser frühen Transferphase präsentiert. Die Grün-Weißen haben einen Torwart verpflichtet, der sicherlich nicht als reine Ergänzung kommt. Der 25-Jährige wechselt vom Ligakonkurrenten KSV Hessen Kassel ins Waldstadion, stand dort in der vergangenen Saison in allen 34 Ligaspielen zwischen den Pfosten und bringt Regionalliga-Erfahrung sowie Stammspielerpraxis mit. Dass der FCH einen Keeper dieses Profils holt, ist durchaus bemerkenswert – und dürfte den Konkurrenzkampf im Tor deutlich verschärfen.

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Konkurrenzkampf ist das Stichwort: denn Michael Gelt ist ebenfalls ein Stammtorhüter – zumindest war er das in der vergangenen Saison.  Der 24-jährige hat in der abgelaufenen Saison gezeigt, dass seine Spieleröffnung mit langen Flugbällen zu den auffälligsten Elementen im Homburger Spiel gehört. An guten Tagen kann er damit Drucksituationen auflösen und Angriffe einleiten, die kaum ein anderer Torhüter dieser Liga so vorbereitet. Gleichzeitig gab es auch Phasen, in denen genau diese Bälle riskant wurden und dem Gegner Räume öffneten. Auf der Linie hatte Gelt starke Momente, wirkte in einzelnen Situationen aber auch unglücklich. Weyand könnte an dieser Stelle nicht nur Druck machen, sondern das Torwartteam sinnvoll ergänzen. Beide sind mit 24 beziehungsweise 25 Jahren in einem Alter, in dem Entwicklung noch möglich ist – vorausgesetzt, der Konkurrenzkampf wird sauber moderiert. 

Und genau da kommt eine weitere Personalie ins Spiel: Enver Marinas Vertrag als Torwarttrainer läuft Ende Juni 2026 aus, eine Verlängerung wurde noch nicht kommuniziert. Es würde nicht verwundern, wenn der FCH die Weichen hier neu stellt. Für ein Torwartduo mit echtem Entwicklungspotenzial könnte ein frischer Impuls von dieser Seite ebenfalls ein Gewinn sein. 

Neben dem ersten Neuzugang hat der FCH auch zwei wichtige Vertragsverlängerungen bekanntgegeben. Phillipp Steinhart bleibt den Grün-Weißen erhalten. Der 33-Jährige geht in seine dritte Saison beim FCH, und ist in dieser Zeit zu einem der verlässlichsten Bausteine der Mannschaft geworden. Gerade im Zusammenspiel mit Michael Heilig entwickelte sich gegen Ende der Runde ein eingespieltes Duo, das Homburg gutgetan hat: zweikampfstark, erfahren, klar in der Spieleröffnung. Zudem präsentierte sich Steinhart in der Schlussphase der Saison zunehmend als Führungsspieler – eine Rolle, die nach dem Abschied von Mart Ristl noch wichtiger werden könnte.

Foto: FC 08 Homburg

Auch Justin Petermann bleibt. Seine Verlängerung ist sportlich interessant, weil der 27-Jährige bislang eher angedeutet hat, was er kann, als es über einen längeren Zeitraum konstant zeigen zu können. Das lag auch an seiner Verletzungshistorie. Petermann kam bereits mit einer längeren Verletzungsphase aus Jena nach Homburg, hatte auch beim FCH immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen und fiel gegen Ende der Saison erneut aus. Wenn er fit ist, ist er allerdings ein Spieler, der dem Homburger Spiel eine andere Qualität geben kann: technisch, intelligent, mit dem nötigen Ehrgeiz – nicht nur als Option von der Bank, sondern durchaus mit Blick auf die Startelf. Seine Verlängerung dürfte den Konkurrenzkampf im offensiven Mittelfeld beleben.

Die offiziell kommunizierten Abgänge sind dagegen weitgehend nachvollziehbar. Elias Cervenka und David Schwingel verlassen das Torwartteam, was nach der Verpflichtung von Weyand folgerichtig erscheint. Auch Robert Geller geht nach nur einer halben Saison wieder. Der junge Außenbahnspieler war im Winter aus Karlsruhe gekommen, konnte sich aber nicht so präsentieren, dass eine Fortsetzung zwingend gewirkt hätte. Zuvor waren bereits weitere Abgänge bekannt geworden, darunter Kapitän Mart Ristl, Leihstürmer Kaan Inanoglu, Tim Littmann und Manuel Kober. Der Vergleich zwischen Abgängen und Neuzugängen zeigt: Der Kader ist quantitativ noch weit davon entfernt, fertig zu sein.

Insgesamt fällt auf: Der FCH agiert in dieser frühen Transferphase sehr zurückhaltend bei Neuzugängen, scheint erst einmal den Bestand sortieren zu wollen. Das muss kein schlechtes Zeichen sein – im Hintergrund laufen Gespräche, und die ein oder andere Vorstellung wird in den kommenden Tagen folgen. Aber es gibt noch einige zentrale Fragen, die offen sind.

Eine davon betrifft Markus Mendler. Nach dem schweren Schicksalsschlag in der vergangenen Saison ist diese Entscheidung keine Frage von Vertragsdetails. Es ist nachvollziehbar, wenn weder Verein noch Spieler zeitlichen Druck aufbauen. Sportlich wäre Mendler mit seiner Qualität, seiner Erfahrung und seiner Bedeutung im letzten Drittel weiterhin ein wichtiger Faktor. Menschlich aber braucht diese Entscheidung Ruhe.

Foto: FC 08 Homburg

Bei Frederik Schumann und Sean Busch ist die Lage eine andere. Schumann ist im Laufe der Saison kontinuierlich stärker geworden – was erfreulich ist, aber gleichzeitig bedeutet, dass andere Vereine das ebenfalls registriert haben dürften. Busch ist die vielleicht spannendste Personalie in diesem Kontext. Drei Tore in acht Spielen, 22 Jahre alt, mit der Rohheit eines Angreifers, der noch lernt. Dass er vor dem Tor nicht immer die richtige Entscheidung traf, gehört bei einem jungen Angreifer dazu. Entscheidend ist eher, dass die Anlagen erkennbar sind – und dass Busch im richtigen Umfeld noch einiges drauf packen kann. Busch braucht Spielpraxis, Vertrauen und klare Abläufe. Bekommt er das beim FCH regelmäßig, könnte er für die Grün-Weißen noch wertvoll werden.

Es geht in diesem Sommer also um mehr als Kaderpflege. Die vergangene Saison hat gezeigt, dass beim FCH Qualität vorhanden ist. Was fehlte, war Konstanz. Gute Auftritte gegen starke Gegner wechselten sich mit Spielen ab, in denen Anspruch und Leistung zu weit auseinander lagen. Wer in der neuen Saison oben mitspielen will, braucht eine Mannschaft, die über Wochen verlässlicher funktioniert – nicht nur an einzelnen Spieltagen. Die ersten Entscheidungen deuten in die richtige Richtung. Das eigentliche Bild des neuen FCH ist aber noch nicht sichtbar. Dafür ist es noch zu früh. Und genau das macht die kommenden Wochen so interessant.

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